Serengeti: Verletzliches Tierparadies

Auf Posten: zwei Geparde beobachten die Gegend
Friedfertige Parkbewohner: Zebra mit Fohlen. Fotos: ws

Die Löwin ist bereits umzingelt. Mehr als ein Dutzend Safari-Wagen haben sich um die Raubkatze versammelt, die sich gerade über ein Zebrafohlen hermacht. Touristen drängen ihre Guides, näher an das Geschehen ranzufahren. Die rufen per Funkspruch ihre Kollegen herbei. Ein Gemurmel und Rufen in verschiedenen Sprachen unterlegt die Szenerie. Die Schaulustigen hantieren mit ihren Kameras und Mobiltelefonen.

Nur Safari-Guide Tumaini Cleopa will sich an dem Gedränge nicht beteiligen. „Wollen wir uns auf die Suche nach den Wildhunden machen?“, fragt der Massai. Er ist über den Touristen-Andrang beim Löwenmahl sichtlich wenig erfreut und startet den Motor seines Geländewagens.

Was wohl der alte Grzimek zur Serengeti im Jahr 2019 sagen würde? Vor 60 Jahren machte der Schlachtruf des Frankfurter Zoologen „Serengeti darf nicht sterben!“ die Naturschätze des Landes und ihre Bedrohung in aller Welt bekannt. Die berühmte Tierdokumentation wurde 1959 uraufgeführt und erhielt als erster deutscher Film überhaupt den Oscar. Sie war wohl maßgeblich daran beteiligt, dass das komplette Ökosystem im Norden des Landes unter Schutz gestellt wurde.

Inzwischen setzt der stark zunehmende Tourismus die Serengeti zunehmend unter Druck. Aus dem starken Wasserverbrauch von immer mehr Touristen-Unterkünften im und um den Park könnte bald ein ökologisches Problem werden. Eine im März veröffentlichte Studie von Wissenschaftlern um Michiel Veldhuis von der Universität Groningen belegt: Immer mehr Siedlungen rund um das sensible Schutzgebiet machen den wandernden Tieren bereits jetzt zu schaffen.

Touristen können jedoch zum Erhalt der Tierwelt beitragen, indem sie einen nachhaltigen Veranstalter auswählen, auf den Wasserverbrauch achten, Müll mit nach Hause nehmen und sich nicht an dem Ansturm auf einzelne Arten beteiligen. „Für mich ist die Beobachtung eines Servals oder Karakals manchmal viel spannender als die Begegnung mit einem Löwen oder Leoparden“, sagt Cleopa. Selbst langjährige Safari-Reisende haben die kleineren Vertreter aus der Familie der Katzen selbst auf unzähligen Pirschfahrten noch nie gesehen.

Als die Sonne bereits hinter dem Akaziengestrüpp verschwunden ist, wartet tatsächlich ein Serval auf Cleopas Gäste am Wegrand. Die gefleckte Katze mit den übergroßen Luchsohren duckt sich ins hohe Gras. Sie späht einen Augenblick lang nach dem Menschengefährt und ist sogleich mit einem Satz in einer nahen Buschgruppe verschwunden.

Es ist nicht die letzte Aufregung auf dem Catwalk der Serengeti. Die Kleinste in der Katzenfamilie sorgt zum Schluss für einen unverhofften Auftritt: eine Falbkatze oder Afrikanische Wildkatze. „Man kann nie genug Glück haben“, sagt der Guide. Für seine Gäste steht bereits fest – dies war nicht ihre letzte Safari in Tansania. Vielleicht geht es beim nächsten Mal aber in einen der weniger bekannten Nationalparks des Landes, wo die Leoparden und Löwen noch ihre Ruhe haben – ganz wie zu Grzimeks Zeiten in der Serengeti.

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