

Mit einer großzügigen Handbewegung fährt der Ranger die Gesteinsrichtungen nach: Von wo schoben welche Erdkräfte? Wie konnten sich die Strukturen bilden? Hinter jeder Schicht, jeder Linie steckt eine spannende Geschichte. Was aussieht wie eine moderne Design-Struktur, entpuppt sich als erkaltete Asche. Je nach Farbe und Textur erläutert Leung, wie schnell und unter welchen Bedingungen die Lava erkaltete. Erst zu Beginn der 70er Jahre entdeckte Hongkong die weltweit nahezu einmaligen Basaltsäulen beim Bau des High-Island-Süßwasserreservoirs.
Überall in den New Territories finden sich derartige Orte, an denen sich die Erdgeschichte besonders deutlich nachvollziehen lässt. Die Attraktionen des High Island Reservoir sind nur ein kleiner Teil davon. 50 Quadratkilometer Fläche wurden im November 2009 als Hong Kong National Geopark ausgelobt, verteilt auf acht geologisch interessante Areale.
Neben vulkanischen Spuren in der Region Sai Kung wurden auch Sedimentformationen im Nordosten der New Territories zum Park ausgebaut. Fossile Fische blicken hier aus dem Gestein, dazu versteinerter Schlamm und die Erosionsspuren durch Wind und Wasser. Auf gut ausgeschilderten Wegen geht es durch die einzelnen Gebiete fernab des großstädtischen Hongkong. Hin und wieder trottet eine Schulklasse auf Ausflugsfahrt vorbei – auch sie natürlich auf geologischer Spurensuche – ansonsten herrscht in den Geoparks perfekte Stille.
Für Touristen die Gelegenheit, einen Blick in die Erdgeschichte Südchinas zu werfen. Und festzustellen, dass nicht nur die Geschichte Hongkongs viel länger ist, als die meisten Reiseführer hergeben, sondern die turbulente Stadt auch noch richtig abgelegene Wege bietet.
Da macht es gar nichts, dass der durchaus fordernde Fußmarsch zum High Island Reservoir an der Big Wave Bay vorbeiführt, an einem der schönsten Badestrände Hongkongs. Details zu den Geoparks gibt es unter www.geopark.gov.hk/en_index.html.


