Transcantabrico: Einfach treiben lassen

Es ist eine Bahnfahrt durch das berauschende Grün des spanischen Nordens. Wiesen und Rinderweiden ziehen vorbei, Apfel-, Feigen- und Walnussbäume. Hügel tragen Überzüge aus Wäldern und Farnen. Mittendrin setzen Ginstersträucher und Heidekraut Farbtupfer in Gelb und Violett. Eichen und Eukalyptusriesen stehen Spalier, Brombeerhecken und flechtenbesetzte Äste schieben sich dicht an den Schienenstrang. Und plötzlich, hinter einer der zahlreichen Kehren, verschmilzt das Grün mit dem Blau des Atlantiks. 

Fenster als Fernseher
Dass in den Minisuiten des Komfortzugs „Transcantabrico Clasico“ TV-Geräte fehlen, stört niemand unter den Gästen. „Die Fensterscheiben, die sind mein Fernseher“, sagt Jose Luis, ein Pensionär aus dem südspanischen Cartagena. Zum vierten Mal hat er diese Tour gebucht und begeistert sich aufs Neue daran, einem ruhigen Rhythmus zu folgen. Die Reise über insgesamt 1.000 Kilometer entschleunigt. Das Durchschnittstempo in der nostalgisch aufgemachten Schmalspurbahn liegt laut Lokführer Jesus bei Tempo 45.

Natur ist ein Aspekt bei der achttägigen Kreuzfahrt auf Schienen, Kultur und Kulinarik lauten die anderen Leitmotive. Und dafür ist mehr als genug Zeit für die Reisenden eingeplant: Der Zug rollt nämlich nur ein paar Stunden am Tag, ansonsten stehen die Räder still.

Über Nacht ruht er in kleinen Bahnhöfen, unterwegs bringt ein Begleitbus die bunt gemixte Reiseschar aus verschiedensten Ländern zu Highlights abseits der Gleise: zum Guggenheim-Museum in Bilbao, in die Hochgebirgslandschaft der Picos de Europa samt Nationalheiligtum Covadonga, an den Jakobsweg, den Nachbau der Höhle Altamira, zum schönsten Panoramapunkt über der Hafenstadt Santander. Die Megamosaike im römischen Ausgrabungsareal La Olmeda überraschen selbst ausgemachte Spanien-Kenner, beim Bummel durch den Traumort Santillana del Mar mag man den Blick kaum losreißen von den historischen Palast- und Kirchenkulissen.

Die Küche kauft lokal ein
Die hochklassige Küche überzeugt überall – auch an Bord, wo das Zweier-Team in seinem Edelstahlreich Erlesenes auf die Teller zaubert, ob nun Kanapees mit Serrano-Schinken, Thunfischtatar an Avocado oder Tomatensuppe mit Forelleneiern. Und begleitet wird all das, na klar, von edlen Tropfen aus Spaniens Weinwelten.

„Wir setzen ganz auf gastronomische Produkte der Region, jeden Tag kommen lokale Zulieferer“, unterstreicht Zugchefin Patricia Garcia Sanchez. Für Jordi aus dem katalanischen Lleida, der mit seiner Frau Elena „einfach abschalten und sich treiben lassen“ will, wie er sagt, war das hochklassige Essen ein entscheidendes Buchungsargument.

Und während der 234 Meter lange Zugbandwurm gleichförmig voran rattert und durch die Kurven kreischt, liebt es Jordi, in einem der Salonwagen beim Drink einfach aus dem Fenster zu schauen: auf die große Naturbühne Nordspaniens.


Daten & Fakten zum Zug

Ausstattung: 24 Minisuiten (EZ oder DZ) mit eigenem Bad
Route: Leon–Santiago de Compostela oder umgekehrt, in beiden Städten jeweils Rundgänge
Reisedauer: 8 Tage / 7 Nächte
Termine: 19 Termine zwischen Mai und Oktober 2018
Reiseleitung: mehrsprachig, auch auf Deutsch
Buchung: unter anderem über Ameropa und Lernidee Erlebnisreisen

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