Städtereise mit Krimi-Touch

Attraktion in Gent: das Polyptychon „Die Anbetung des Lamm Gottes“. Foto: Visit Flanders

Die Genter St.-Bavo-Kathedrale ist nicht nur die Heimat des Polyptychons „Die Anbetung des Lamm Gottes“, sondern auch seit Jahrhunderten Schauplatz dreister Diebstähle.

Mittelalterliche Gassen, kulinarische Höhepunkte und natürlich das Nachtleben einer Studentenstadt: Dass sich die Reise ins belgische Gent lohnt, ist kein Geheimnis. 2020 freilich ist noch ein guter Reisegrund dazugekommen: Unter dem Motto „OMG! Van Eyck was here“, feiert die Stadt den Maler Jan van Eyck (1390 bis 1441) und sein Werk mit einer Fülle von Events und Ausstellungen.

Doch warum ist van Eyck eigentlich so berühmt? Mit dem 25 Quadratmeter großen, 18-tafeligen Altarbild „Lamm Gottes“ für die St.-Bavo-Kathedrale vollbrachte er eine optische Revolution. Neue Maltechniken gaben seinem Werk eine bislang nie gekannte Tiefe, und auch die Tatsache, dass er Eva nackt darstellte, war eine ordentliche Sensation.

Auf jeden Fall wurde das Lamm Gottes schnell berühmt – und begehrt. Kein Wunder, dass sich die Geschichte des Altars wie ein Kriminalroman liest: Die calvinistischen Bilderstürmer wollen den Altar 1566 zerstören, gerade noch rechtzeitig können ihn Genter Bürger im Glockenturm verstecken, 1794 verschleppen französische Truppen die Mitteltafeln in den Louvre, erst nach der Niederlage Napoleons kehren sie wieder nach Gent zurück.

Josef II. lässt derweil die Tafeln mit den Nackten Adam und Eva durch „anständige“, bekleidete Versionen ersetzen. Später verkauft die verarmte Kirchengemeinde sechs Tafeln, sie landen auf Umwegen 1821 beim preußischen König Friedrich Wilhelm III. 1918 kehren die Tafeln als Kriegs-Wiedergutmachung nach Flandern zurück, nach langer Zeit können die Genter den Altar nun wieder komplett bewundern.

Doch nicht lange: 1934 werden die Bildtafeln „Johannes der Täufer“ und die „Gerechten Richter“ gestohlen. Die Spuren zahlreicher französischer Erpresserbriefe mit der mysteriösen Unterschrift D.U.A. verlaufen im Sande, obwohl der anonyme Autor immerhin die erste Bildtafel als Beweis seiner Täterschaft in einem Gepäckfach des Brüsseler Gare du Nord hinterlegt. Neue Dramatik bekommt der Fall, als der Kirchenvorsteher Arsène Goedertier wenig später nach einer Rede zusammenbricht und noch die Worte haucht: „Ich allein weiß, wo sich das Lamm Gottes befindet.“ Dann stirbt er. Bis heute wird danach gesucht.

1940 gerät der Altar wieder in Gefahr: Zwar gelingt es, das Kunstwerk einen Tag vor dem Einmarsch der Deutschen in den Pyrenäen in Sicherheit zu bringen, doch im Jahr 1942 übergibt die Vichy-Regierung dem Generaldirektor der Bayerischen Staatsgemäldesammlung den Polyptychon. 1945 lässt Hitler den Altar im Salzbergwerk in Altaussee verstecken und gibt den Auftrag zur Sprengung, keinesfalls soll er den Alliierten in die Hände fallen! Österreichische Bergleute vereiteln den Plan.

Mit dieser Geschichte im Kopf wirkt das Lamm Gottes gleich noch mal so beeindruckend. Nur hinfahren muss man noch und bei dieser Gelegenheit vielleicht gleich noch Ausschau nach der gestohlenen Bildtafel halten? Bis heute halten sich die Gerüchte, sie sei noch in der Kathedrale versteckt.

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