Die in den vergangenen Jahren stark gestiegenen Preise bei Flugpauschalreisen sorgen nicht nur in vielen Reisebüros für Sorgenfalten. Auch die Veranstalter spüren die Zurückhaltung und wissen, dass speziell in den Ferienzeiten manche Urlaubsangebote für einige Familien nicht mehr bezahlbar sind.
Dennoch bleibt das Geschäft mit Familienurlaub für viele Veranstalter ein zentrales Geschäftsfeld, denn das Volumen ist nach wie vor riesig. Einig sind sich die Anbieter dabei vor allem in einem Punkt: Planungssicherheit, attraktive Frühbucherangebote und ein insgesamt überzeugendes Preis-Leistungs-Verhältnis sind für Familien wichtiger denn je.
Um das bekannt zu machen, ist neben guter Reisebüro-Beratung auch Marketing gefragt. Veranstalter wie Coral Travel und TUI Deutschland haben deshalb spezielle Kampagnen und PR-Strategien für Familien aufgesetzt.
Nicht nur Hotels sind teurer geworden
Unterschiedlich ist die Einschätzung bei der Frage, wer denn nun der Preistreiber ist. Während Anex-Manager Lothar Münzenthaler vor allem die Airlines im Blick hat, gesteht Coral Travel steigende Preise sowohl beim Flug als auch in der Hotellerie. Es gebe jedoch große Unterschiede je nach Zielgebiet und Reisezeit.
Keine Frage ist für die großen Veranstalter, dass die Türkei trotz der zuletzt besonders stark gestiegenen Preise weiterhin das Top-Ziel für pauschal verreisende Familien ist. Die Nachfrage sei „sehr gut“, betont denn auch Sebnem Iscen, die bei Anex das Produkt Türkei leitet.
Allerdings weiß auch sie, dass besonders in den EU-Schulferien die Nachfrage nach Frühbucher-Angeboten hoch sei. Vor allem Resorts mit Aquaparks und großen Familienzimmern seien „schnell ausgebucht“.
Frühbucher und Kinderfestpreise
Das weiß man auch bei Dertour, TUI und Schauinsland-Reisen und wirbt massiv für die eigenen Frühbucherangebote und Kinderfestpreise. Für budgetorientierte Kunden empfehlen sie neben der Türkei und Ägypten zunehmend auch Bulgarien, Tunesien und Albanien. Zudem gewännen Selbstversorgerkonzepte mit großzügigen Apartments an Bedeutung, heißt es etwa von TUI.
Bentour-Chef Deniz Ugur hat die Türkei allerdings auch abseits der Frühbucherrabatte noch nicht abgeschrieben. Die Hoteliers hätten bereits auf die zögerlichen Buchungseingänge im Januar reagiert. „Ich erwarte für die Türkei ein starkes Last-Minute-Geschäft“, so der Bentour-Chef gegenüber touristik aktuell.
Türkei zum Teil „unter den Erwartungen“
Ähnlich wie Bentour gesteht auch Vtours, dass die Nachfrage von Familien für Urlaub in der Türkei derzeit „unter den Erwartungen“ liegt. Hauptgrund seien die hohen Preise in der Hochsaison. Leider zeige sich diese Preisentwicklung auch in Griechenland. Auch Vtours erwartet deshalb für den Last-Minute-Bereich „attraktive Nachlässe“ in beiden Zielen.
Deutlich im Plus liegt die Türkei aktuell bei der Dertour Group. Das Land bleibe bei den Familien „unangefochtener Spitzenreiter und liege deutlich über Vorjahr“, so Produktchef Sven Schikarsky. Doch auch er gesteht, dass Ziele wie Ägypten, Tunesien und Bulgarien von ihrem „guten Preis-Leistungs-Verhältnis“ profitierten. Spanien und Griechenland würden dagegen „etwas an Dynamik verlieren“. Übersetzt heißt das: Die Nachfrage hinkt.
Ägypten: „Starkes Argument“
Wie auch TUI und Schauinsland-Reisen verweist unter anderem Coral Travel darauf, dass man angesichts der Preisentwicklung das mittlere Angebotssegment für den Sommer 2026 ausgebaut habe. Gleichzeitig kämpfe man in Ägypten mit begrenzten Kapazitäten bei Familienzimmern in Ferienzeiten. Grundsätzlich bleibe das Land mit seinem „sehr guten Preis-Leistungs-Verhältnis in All-inclusive-Resorts ein starkes Argument“ in der Reiseberatung, so Coray Kavdir, Geschäftsführer von Coral Travel.
Grundsätzlich stellen die Veranstalter fest, dass all jene, die nicht in den Ferien verreisen müssen, ihren Urlaub in die Nebensaison verschieben. „Die Sommerferien sind nicht mehr die klassische Hauptsaison wie früher“, heißt es etwa von Schauinsland-Reisen.
Potenzial bei Mehrgenerationenreisen
Mit Blick auf das eigene Marketing sowie den Reisebüro-Vertrieb sehen mehrere Veranstalter noch ungenutztes Potenzial etwa beim „wachsenden Segment der Mehrgenerationenreisen“, heißt es etwa von Dertour. Dies werde am Counter „noch zu selten“ aktiv in die Beratung einbezogen. Vtours hebt zudem Tunesien als Winterziel für Familien mit nicht schulpflichtigen Kindern hervor – „mit kurzen Flugzeiten, langen Sandstränden und gutem Preis-Leistungs-Verhältnis“.
Unterm Strich zeigt die Veranstalterumfrage von touristik aktuell: Familien reisen weiterhin gern – viele sind aber extrem preisbewusst. Die Lösung: Früh buchen, Budgets sichern, nach Unterkünften mit Eigenverpflegung suchen und terminlich Alternativen zur Hochsaison prüfen. Das sind nach Meinung der Veranstalter die Stellschrauben, an denen Veranstalter und Vertrieb gleichermaßen drehen müssten.
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