
Update 19. August 2026
Die angeschlagene Fluglinie Air Baltic sichert die Liquidität durch Zinsstundungen seitens der Gläubiger. Der Flugbetrieb soll stabil bleiben, was auch für Lufthansa wichtig ist.
Die finanziell stark unter Druck stehende Fluglinie Air Baltic verschafft sich etwas Luft. Die Gläubiger einer Anleihe im Wert von 380 Millionen Euro haben zugestimmt, bis November dieses Jahres auf fällige Zinszahlungen zu verzichten.
Wie Air Baltic mitteilt, haben die Gläubiger auf einer Hauptversammlung zu Wochenbeginn mehrheitlich die Kapitalisierung der am 14. August und am 14. November 2026 fälligen Zinsen beschlossen. Dies bedeutet, dass diese dem Kapital der Anleihen zugerechnet und nicht ausgezahlt werden. Außerdem werde bis Mitte November auf die Mindestliquiditätsanforderung verzichtet.
Flugbetrieb ist nicht beeinträchtigt
Nach Angaben des Unternehmens sollen die Maßnahmen dazu beitragen, die Liquidität der lettischen Fluggesellschaft zu sichern und die Umsetzung des überarbeiteten Geschäftsplans voranzutreiben. Dieser sieht mehrere Spar- und Effizienzmaßnahmen vor, etwa eine deutliche Reduzierung der Flotte (siehe Erstmeldung unten). Zugleich arbeite man daran, mit den wichtigsten Stakeholdern die Bedingungen für eine Zwischenfinanzierung zu vereinbaren.
Die verabschiedeten Beschlüsse sicherten die Kontinuität des Flugbetriebs von Air Baltic, wie die Airline versichert. Der Flugplan werde weiterhin vollständig aufrecht erhalten, Passagiere könnten auch „weiterhin vertrauensvoll zukünftige Reisen buchen“.
Wichtiger Lufthansa-Partner
Das ist auch für die Lufthansa-Gruppe, die zu zehn Prozent an Air Baltic beteiligt ist, wichtig: Die Fluglinie führt als Wetlease-Partner zahlreiche Kurzstrecken- und Zubringerflüge für den Kranich-Konzern durch.
Erstmeldung 13. August 2026
Air Baltic legt Sparplan vor – Flotte schrumpft deutlich
Die finanziell angeschlagene Fluglinie Air Baltic hat einen Plan mit Spar- und Effizienzmaßnahmen vorgelegt. Demnach verkleinert die Airline unter anderem ihre Flotte auf 36 Flugzeuge und konzentiert sich künftig auf das Drehkreuz Riga.
Die wirtschaftlich angeschlagene Fluglinie Air Baltic steht stark unter Druck. Jetzt hat die lettische Airline und Lufthansa-Partnerin einen „Geschäftsplan zur Stärkung der langfristigen Nachhaltigkeit“ mit diversen Spar- und Effizienzmaßnahmen vorgestellt. Der reguläre Flugplan soll davon aber unberührt bleiben, wie Air Baltic mitteilt.
Im Kern sieht der Plan, der vom Aufsichtsrat bereits genehmigt wurde, eine deutlich verkleinerte Flotte, ein stärker auf das Drehkreuz Riga ausgerichtetes Streckennetz, eine stärkere Konzentration auf Wetlease-Partnerschaften sowie eine „verbesserte betriebliche Effizienz“ vor. Damit sollen die langfristige Wettbewerbsfähigkeit gestärkt, eine nachhaltige Kapitalstruktur etabliert und zuverlässige Flugverbindungen für Lettland und die gesamte Region aufrechterhalten werden, heißt es.
Künftig nur noch 36 Flugzeuge
Konkret soll bis Ende des Jahres die Zahl der Flugzeuge auf 36 Airbus A220-300 sinken – derzeit sind es 54 Maschinen. Bis 2031 soll sie aber wieder schrittweise auf rund 40 Flieger wachsen. Trotz der kleineren Flotte erwartet Air Baltic, dass die planmäßige Kapazität durch eine verbesserte Auslastung der Flugzeuge „weitgehend stabil bleibt“. Darüber hinaus sollen verstärkte Partnerschaften mit Wetlease-Partnern einen effizienteren ganzjährigen Einsatz der Flugzeuge ermöglichen.
Zudem sieht der Geschäftsplan eine Netzwerkstrategie vor, bei der Riga in Lettland als primärer Hub im Mittelpunkt steht. Die Stützpunkte von Air Baltic in den anderen baltischen Ländern sollen das Netzwerk weiterhin durch ausgewählte Punkt-zu-Punkt-Verbindungen ergänzen, während „taktische und saisonale Flüge die Flottenauslastung über das ganze Jahr hinweg verbessern“, so das Unternehmen. Mit anderen Worten: Tallinn in Estland und Vilnius in Litauen sind künftig keine Drehkreuze mehr, sondern Standorte für Punkt-zu-Punkt-Flüge.
225 Millionen Euro zur Überbrückung benötigt
Durch die kombinierten Maßnahmen in den Bereichen Flotte, Streckennetz und Betrieb peilt Air Baltic nach eigenen Angaben jährliche Einsparungen in Höhe von rund 45 Millionen Euro an – in erster Linie durch Senkung der Betriebskosten, aber auch durch neue Umsatzmöglichkeiten.
Um den kurzfristigen Liquiditätsbedarf zu decken und den überarbeiteten Betriebsplan umzusetzen, bittet die Fluglinie ihre Anleihegläubiger um eine Zwischenfinanzierung in Höhe von 225 Millionen Euro. Diese soll dem Unternehmen bis zur Umsetzung einer dauerhaften Finanzierungslösung über die Runden helfen.
Ein Paket zur langfristigen Finanzierung sieht dann nochmal bis zu 225 Millionen Euro an neuer Fremdfinanzierung und 100 Millionen Euro an neuem Eigenkapital vor. Zur Rekapitalisierung sollen vorrangig besicherte Anleihen mit Fälligkeit im Jahr 2029 sowie ausgewählte andere Bilanzverbindlichkeiten teilweise in Eigenkapital umgewandelt werden.
Eigentlich sollte die Flotte stark wachsen
Die Probleme der schon seit längerer Zeit angeschlagenen Airline hatten sich durch die Folgen der Nahost-Krise verschärft. Bereits im Frühjahr hatte Lettlands Regierung einen kurzfristigen Kredit in Höhe von 30 Millionen Euro gewährt, außerdem muss eine Anleihe im Wert von 380 Millionen Euro bis zum Jahr 2029 beglichen werden. Zuletzt hatte die Regierung erklärt, Air Baltic nicht weiter zu unterstützen, sofern das Unternehmen keine klare Strategie für seine Zukunft vorlege.
Um an frisches Kapital zu kommen, hatte die Fluggesellschaft eigentlich auch einen Börsengang angestrebt, der aber mehrfach verschoben wurde. Bis dahin war geplant, im Baltikum und anderen europäischen Märkten stark zu wachsen, wobei sich die Flotte bis 2030 auf 100 Maschinen fast verdoppeln sollte.
Nun backt das Unternehmen kleinere Brötchen: Laut Finanzausblick rechnet Air Baltic im nächsten Jahr mit einem Umsatz von rund 0,8 Milliarden Euro, der bis 2031 auf eine Milliarde Euro steigen soll. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Leasing-/Mietaufwand (Ebitdar) soll 2027 bei rund 192 Millionen Euro liegen und im Jahr 2031 auf 300 Millionen Euro wachsen.



