Usedom: Keine Einbußen befürchtet

So schön es auf Usedom auch ist, viele Besucher haben aufgrund des Wahlergebnisses ein mulmiges Gefühl
So schön es auf Usedom auch ist, viele Besucher haben aufgrund des Wahlergebnisses ein mulmiges Gefühl. Foto: Usedom Tourismus GmbH

Die Ferieninsel Usedom sorgte in den vergangenen beiden Wochen nicht nur deutschlandweit für Schlagzeilen. Bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern kamen die rechtspopulistischen Parteien AfD und NPD zusammen auf etwa 38 Prozent der Stimmen, der höchste Wert im ganzen Bundesland.
Das irritierte insbesondere die Touristikbranche, leben doch auf der Insel 85 Prozent der Einwohner direkt oder indirekt vom Tourismus. Entsprechend deutliche Worte fand DRV-Präsident Norbert Fiebig gegenüber dem Handelsblatt: „Die Reisebranche steht für ein weltoffenes und gastfreundliches Deutschland. Tourismus und Fremdenfeindlichkeit passen nicht zusammen. Wir wollen im Ausland willkommen sein, das Gleiche sollte daher auch für alle gelten, die hierher kommen.“
Im Internet kursieren bereits erste Fake-Reisewarnungen sowie Kopien von Urlaubsstornierungen. „Kein noch so stylisches Ambiente kann es aufwiegen, dass man sich dafür unter Menschen begeben muss, die bereit sind mit Füßen zu treten und zu zerstören, was andere Menschen für eine weltoffene Gesellschaft aufgebaut haben“, heißt es beispielsweise in einer Bitte um Stornierung.
Dörthe Hausmann, Geschäftsführerin der Usedom Tourismus GmbH, ist hingegen nichts von Absagen bekannt: „Wir haben hier in der Zentrale den direkten Überblick über etwa 600 Unterkünfte, da ist uns noch keine Stornierung aufgefallen“, sagt sie im Gespräch mit touristik aktuell. Jedoch hätten sie und ihre Mitarbeiter etwa 400 Briefe beantwortet, darunter „sehr kritische, aber auch sehr positive Stimmen zum Wahlausgang“.
Einen negativen Effekt auf die Besucherzahlen, wie in Dresden nach den Pegida-Demos geschehen, befürchtet Hausmann nicht: „In Dresden sieht man die Pegida-Demonstranten ganz offen, auf Usedom sieht man 42 Kilometer langen, weißen Sandstrand und die tolle Bäderarchitektur. Das kann man nicht vergleichen.“ Ihrer Ansicht nach solle man Urlaub auch nicht politisieren.
Eine spezielle Kampagne zur Image-Aufwertung für ausländische Touristen werde es nicht geben. Dazu sei kein Budget vorhanden, zudem kämen sowieso 98 Prozent der Gäste aus Deutschland. Man werde jedoch weiterhin verstärkt um Besucher aus Skandinavien, Tschechien, Österreich und der Schweiz werben, hier sieht Hausmann gute Chancen zur Erschließung eines neuen Marktes.
Das Wortlaut-Interview mit Dörthe Hausmann lesen Sie in der Ausgabe 37/2016 von touristik aktuell, die am kommenden Montag erscheint.