Hotels: Angst vor Impf-Frage und Regierungsfrust

Leere Betten: Die Hotelbranche profitiert bislang kaum von staatlichen Hilfen. Foto: Motel One
Leere Betten: Die Hotelbranche profitiert bislang kaum von staatlichen Hilfen. Foto: Motel One

In Deutschland sind noch nicht einmal zwei Prozent der Einwohner gegen das Coronavirus komplett durchgeimpft. Doch das Thema steht schon jetzt auf der Tagesordnung der Hotelbranche: Soll man als Hotelier von seinen Kunden künftig einen Impfnachweis fordern?

Die Meinungen dazu sind unterschiedlich, dringlich ist das Thema vorerst auch nicht. Rechtlich allerdings scheint die Sache klar sein: Hoteliers dürfen eine Impfung verlangen, falls sie das für richtig erachten.

Der Grund dafür: Als Unternehmer verfügen sie nicht nur über Hausrecht, sondern seien „prinzipiell frei in ihrer Entscheidung, wen sie bewirten beziehungsweise beherbergen“, zitiert die Fachzeitschrift Cost & Logis den Rechtsanwalt Uwe Schlegel. Aus seiner Sicht entspreche es „einer allgemeinen rechtlichen Überzeugung, dass die Vertragsparteien im Rechtsverkehr ohne Beteiligung der öffentlichen Hand frei darin seien, Vereinbarungen zu treffen oder nicht.“

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Die Frage ist, ob es sich Hoteliers künftig überhaupt leisten können, potenzielle Kunden nicht in ihre Häuser zu lassen. Denn ein Marketing-Vorteil ist die Impfung so lange nicht, bis nachgewiesen ist, das geimpfte Menschen nicht ansteckend sind. Und den Hoteliers steht finanziell das Wasser genauso bis zum Hals wie der gesamten Branche.

Jörg Lindner: Frust ohne Ende
Der Grund dafür ist, dass die Corona-Hilfen bei ihnen weit weniger helfen als zum Beispiel im stationären Reisebüro-Vertrieb. „Ich weiß gar nicht, wohin mit der Frustration“, sagte kürzlich Jörg Lindner, Chef der Unternehmensgruppe 12.18. Investment Management, in einem Interview mit touristik aktuell. Bis Mitte Dezember hatte seine Firma noch keinen einzigen Cent von der Regierung gesehen. Und die für Weihnachten gut gebuchten Häuser der Gruppe, darunter zwei TUI-Häuser in Boltenhagen und das Dorfhotel Fleesensee, mussten geschlossen bleiben.

Sein Fazit: „Die umfangreichen Hygiene-Konzepte in Gastronomie und Hotellerie interessieren die Politik nicht mehr.“ Dabei würden sie funktionieren: Er habe noch nie gehört, dass eine Corona-Infektion direkt auf einen Hotelbesuch zurückzuführen sei.

Motel One: 50.000 Euro für 75 Hotels
Enttäuscht zeigt sich auch der Chef und Gründer von Motel One, Dieter Müller. Seine Hotelgruppe habe als staatliche Unterstützung bislang 50.000 Euro erhalten – für insgesamt 75 Hotels. „Das ist ein Witz“, sagte er gegenüber Cost & Logis und ergänzte, dass er auf 25 Millionen Euro gehofft habe.

Das die staatliche Unterstützung bei den Hotels nicht ankommt, hat mit der Politik der Bundesregierung zu tun: Statt saubere Entschädigungsregelungen aufzusetzen, sei Berlin „sehenden Auges falsch in Richtung Wirtschaftsförderung abgebogen“, schreibt Markus Luthe, Chef des Deutschen Hotelverbands IHA, in seinem Blog.

Problem der „verbundenen Unternehmen“
Damit habe sich die Regierung auf das „hochkomplexe Terrain des Beihilferechts“ begeben. Und dort habe Brüssel ein entscheidendes Wort mitzureden. Die Folge: Verbundene Unternehmen – und dazu gehören auch viele familiengeführte Reisebüro-Ketten – fallen nahezu komplett durchs Raster der staatlichen Unterstützung. Zwar wurde inzwischen nachgebessert, ausreichend sei dies jedoch noch lange nicht, bekundeten jüngst Markus Orth, Chef der Reisebüro-Kette LCC, und DRV-Präsident Norbert Fiebig.

Zum Interview mit Jörg Lindner geht es hier. Zur Kritik von Orth und Fiebig geht es hier.

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