Aktion: Reisebüro verschenkt Reise an Familie mit Handicap

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Grafik mit einem Fußball auf einem hellblauen Hintergrund, umgeben von Linien, die ein Spielfeld darstellen, und der Zahl drei.

Menschen mit Handicap verreisen oft aus Unsicherheit oder wegen fehlender Barrierefreiheit seltener. Das Reisebüro Kultura Reisen in Wetzlar setzt ein Zeichen: Gemeinsam mit Partnern verschenkte das Team eine Mallorca-Reise an eine betroffene Familie – und will anderen Mut machen.

Auf welche Hindernisse Menschen mit Handicap im Alltag und auf Reisen stoßen, weiß Reisebüro-Inhaberin Natali Bauer nur zu gut. Ihr 29-jähriger Sohn ist schwerstbehindert und sitzt im Rollstuhl. Tagsüber wird er in der Tagesförderstätte der Lebenshilfe Wetzlar betreut – gemeinsam mit vielen anderen Menschen mit körperlichen und geistigen Einschränkungen.

Die Familien tauschen sich regelmäßig aus. „Wir reden über Alltagsthemen, aber auch über Urlaub, schließlich wissen die Leute, was ich beruflich ­mache“, sagt Bauer. Immer wieder werde ihr von großen Hürden berichtet: Hotels ohne Aufzüge, fehlende behindertengerechte Betten, zu schmale ­Türen oder strenge Vorgaben der Airlines für Rollstühle und andere Hilfsmittel. „Viele Familien machen deshalb keinen Urlaub, weil sie sich einfach nicht trauen. Oder sie lassen ihr Kind zu Hause.“

Noch immer gibt es viele Vorurteile

Das wollen Natali Bauer und ihr Kollege Serkan Yüksel von Kultura Reisen in Wetzlar ändern und verschenken deshalb eine Reise an eine Familie. Dass Reisen mit Handicap durchaus möglich sind, beweisen Bauer und ihr Sohn regelmäßig. Mehrmals im Jahr gehen sie gemeinsam auf Tour – inzwischen allerdings nur noch mit dem Auto. „Früher, als mein Sohn noch ein Kind war, sind wir aber auch geflogen“, erzählt sie.

Die Reiseexpertin und ihr Team wissen genau, welche Bedingungen bei der Mitnahme eines Rollstuhls im Flugzeug gelten. Und sie kennen Hotels, die tatsächlich barrierefrei sind. Außerdem wissen sie, welche Unterkünfte bei Menschen mit Handicap besonders gefragt sind. „Es ist immer gut, wenn man als beeinträchtigter Mensch nicht allein ist, damit man nicht die Aufmerksamkeit aller auf sich zieht“, sagt die Reisebüro-Chefin. Noch immer seien die Vorurteile groß und die Toleranz vieler ­Urlauber gering. Aussagen wie: „Wieso nimmst du deinen Sohn denn mit? Er bekommt doch sowieso nichts von der Reise mit“, seien keine Seltenheit. „Leider“, sagt sie. „Diese Kommentare sind das Schlimmste und vermutlich auch ein Grund, weshalb viele betroffene Familien nicht verreisen.“

Vier Personen stehen vor einer Holzwand, mit zwei silbernen Koffern und einem Rucksack. Die Koffer sind mit blauen Bändern dekoriert.
Freuen sich über die gelungene ­Aktion (von links): Reiseprofi Serkan Yüksel, Stefan Matz, Tagesförderstätte Wetzlar, Reisebüro-­Inhaberin Natali Bauer und Martin Schneider-Ufkes, Fachleiter 
„Arbeit, Wohnen, Leben“
Foto: Kultura Reisen

Sponsoren unterstützen Aktion

Die Idee zu der besonderen Aktion des Reisebüros hatte Serkan Yüksel. Vor einigen Monaten sei er auf sie zugekommen und habe vorgeschlagen, einer ­Familie eine Reise zu schenken, die sich das selbst nicht leisten könne, erzählt die Unternehmerin. „Wir haben lange darüber gesprochen und uns schließlich dafür entschieden, eine Familie aus der Tagesförderstätte der Lebenshilfe zu unterstützen. Denn dort weiß ich genau, wo unser Engagement ankommt.“

Die Sponsorensuche war ein voller Erfolg: Schauinsland und Alltours sagten ebenso zu wie das 
Unternehmen Globus Handelshof Markthalle 
Dutenhofen, das Gutscheine für Reisebedarfs- und Drogerieartikel sowie ein Gepäck-Set zur Verfügung stellt. So konnten die ­Reiseexperten vor kurzem einen Gutschein für eine Woche auf Mallorca überreichen.

Über die Aktion berichtete nicht nur die Zeitung der Lebenshilfe – auch andere Medien wie mittelhessen.de griffen das Thema auf, was Serkan Yüksel und seine Chefin besonders freut. „Schließlich wollen wir anderen betroffenen Familien Mut machen“, sagt der Reiseexperte, der noch ein weiteres Ziel verfolgt: Er will eine neue Zielgruppe erreichen.

„Reisebüros, die erfolgreich bleiben wollen, müssen sich spezialisieren“, erklärt er. Bereits seit einiger Zeit biete man erfolgreich Kur- und Gesundheitsreisen an, die von den Krankenkassen bezuschusst werden. „Mit Urlaub für Menschen mit Handicap können wir unser Profil noch weiter schärfen. Schließlich haben wir die Expertise.“