Nach dem Urteil des Oberlandesgerichts Düsseldorf zu Rückvergütungen im Vertrieb von Kreuzfahrten, über das touristik aktuell bereits berichtet hat, meldet sich nun Thomas Bösl zu Wort. Der Geschäftsführer der RTK und Sprecher der Quality Travel Alliance sieht in der Entscheidung zwar keinen Systembruch für den Reisebüro-Vertrieb, wohl aber ein deutliches Warnsignal für die Branche.

Für Bösl ist das Urteil „grundsätzlich über einen speziellen Einzelfall“ zu bewerten. Es bedeute „weder automatisch das Ende des Handelsvertreterstatus noch einen Systembruch für den klassischen Reisebüro-Vertrieb“. Zugleich macht er aber deutlich, dass die Diskussion über Cashback- und Rückvergütungsmodelle damit nicht kleiner werden dürfte. Im Gegenteil: Der Druck auf provisionsbasierte Vertriebsstrukturen nehme seit geraumer Zeit zu.
Beratung gegen Bonuslogik
Besonders kritisch sieht Bösl, dass sich der Markt aus seiner Sicht schleichend von festen Preisstrukturen entfernt. Angesichts der Vielzahl von Gutscheinen, Boni und Rückvergütungen stelle sich inzwischen die Frage, ob „überhaupt noch von einer echten Preisbindung gesprochen werden kann“. Wenn hochwertige Pauschalreisen regelmäßig mit dreistelligen Cashback-Beträgen vermarktet würden, entstehe ein Widerspruch: Ein Produkt, das mit Sicherheit, Haftung und klaren Verantwortlichkeiten beworben werde, gerate zunehmend in eine Rabattlogik. „Dieses Qualitäts- und Sicherheitsversprechen dauerhaft über Rabattmechanismen zu vermarkten, kann weder im Interesse eines gesunden Wettbewerbs noch im langfristigen Interesse der Veranstalter sowie der Kundinnen und Kunden sein“, warnt Bösl.
Darin liegt für Bösl das eigentliche Risiko des Urteils. Entweder stabilisieren Veranstalter und Vertrieb die Wettbewerbsfähigkeit klassischer Reisebüros über kluge Verträge und tragfähige Provisionsmodelle – oder die Branche rutscht weiter in einen Preiswettbewerb ab, der Reisen austauschbarer macht. Reisebüros stünden aus seiner Sicht für Beratung, Qualität, Verantwortung, Erreichbarkeit und Vertrauen. Dieses Modell weiter unter Druck zu setzen, sei deshalb nicht nur ein Problem für den Vertrieb, sondern ein strategischer Fehler für die gesamte Touristik.


