Drei Reiseprofis, drei Insta-Konzepte und jede Menge Tipps

Instagram ist für viele Reisebüros längst mehr als ein zusätzlicher Kommunikationskanal. Drei Reiseprofis zeigen, wie unterschiedlich man Social Media nutzen kann – von persönlichen Reiseeinblicken über Humor bis hin zu konkreten Verkaufstipps.

Michael Kesselmeier, Gerome Römer und Jan Ehrke haben eines gemeinsam: Sie sind die kreativen Köpfe hinter den Instagram-Kanälen ihrer Reisebüros. Dabei setzen sie auf ganz unterschiedliche Konzepte – wie sie im neuen Format „Let‘s talk about“ von TUI Travel Star ihren Kollegen berichteten.

Seit etwa sechs Jahren nutzt Jan Ehrke Instagram als wichtigsten Social-Media-Kanal für sein Reisebüro. Ein festes Content-Konzept verfolgt der 56-Jährige dabei jedoch nicht. Er setzt auf persönliches Storytelling und authentische Einblicke von unterwegs. „Ich versuche, eine kleine Geschichte zu erzählen“, beschreibt Ehrke 
seinen Ansatz. Lange Erklärvideos vor der 
Kamera seien nicht sein Ding.

Viel lieber nimmt er die knapp 1.400 Follower seines 
Reisebüros mit auf Reisen, zeigt Unterkünfte, Landschaften und besondere Momente, um Emotionen hervorzurufen. Der Content müsse dabei nicht immer professionell produziert sein, sagt er. Gerade spontane Aufnahmen, die er schnell mit dem Smartphone macht und kurz kommentiert, erzeugten „erstaunlicherweise“ häufig die meisten Reaktionen.

Apps wie Videoleap und Canva

Für die technische Umsetzung nutzt der Inhaber des TUI Travel Star Reisebüros Ehrke aus dem thüringischen Erfurt unter anderem Apps wie Videoleap und Canva. Wichtig seien vor 
allem die ersten Sekunden eines Videos, ist er überzeugt. „Ich sehe es ja an mir: Wenn mich etwas nicht sofort catcht, scrolle ich ganz schnell weiter.“

Ein wichtiger Bestandteil seines Instagram-Auftritts sind die eigenen Kleingruppenreisen. Sein Reisebüro organisiert unter anderem Fitness- und Yoga-Camps sowie begleitete Touren mit sechs bis zwölf Teilnehmern. Etwa drei solcher Kleingruppenreisen finden pro Jahr statt und führen in spannende Zielgebiete weltweit.

Jan Ehrke, TUI Travel Star Reisebüro Ehrke, setzt auf persönliches Storytelling. Foto: TUI Travel Star Reisebüro Ehrke

Instagram dient dabei auch der Vermarktung. Für einzelne Touren konnte Ehrke bereits ­Teilnehmer über den Kanal gewinnen, etwa 
für Touren nach Botswana und Costa Rica.

Besondere Erlebnisse liefern zugleich den ­
Stoff für Content. Bei einer Brasilien-Reise ­gehörte etwa eine Nacht im Amazonas-Urwald in einer Hängematte zum­ Programm. „Das 
habe ich natürlich auch gepostet.“

Aktuell möchte Jan Ehrke die Vermarktung einer Uganda-Kleingruppenreise systematischer über Instagram begleiten. Dafür hat er sich mithilfe von KI einen Plan erstellen lassen. Zwei Wochen lang will er regelmäßig Inhalte zum Reiseziel produzieren und zeigen.

Aber auch zwei professionelle Videos hat Ehrke veröffentlicht, um Aufmerksamkeit zu erzeugen. Zum 1. April postete er ein Reel, in dem Lkw Sand auf den Erfurter Domplatz brachten. In dem Video hieß es, man biete Schnuppertouren für Wüstentouren an. „Das Reel war so realistisch, dass viele Leute den Aprilscherz wirklich ­geglaubt haben.“

„Wichtig, um sichtbar zu bleiben“

Im anderen Reel ist der Reiseprofi selbst bei 
einer Zeitreise zu sehen – auf einem Wikinger-Schiff, bei den Pharaonen und bei einem 
Besuch bei Kolumbus. Das professionell inszenierte Video mit emotionalen Bildern erzeugte eine große Resonanz. „Wir wollten die Vielseitigkeit unseres Büros zeigen, zum ­Beispiel, dass wir nicht nur Gruppenreisen, sondern auch Kreuzfahrten und Co ­verkaufen.“ Das sei gelungen.

Künftig will Ehrke sein Engagement noch verstärken. „Social Media ist für uns Reisebüros immens wichtig, um sichtbar zu bleiben.“

Sein wichtigster Tipp für Kollegen lautet 
deshalb: Persönlichkeit zeigen. Gerade bei emotionalen und hochpreisigen Reisen könne Instagram helfen, Vertrauen aufzubauen. Ein Blick auf den Insta-Kanal des Reisebüros Ehrke lohnt sich.

Mit Humor, spontanen Ideen und 
wenig technischem Aufwand sorgt 
Michael Kesselmeier auf Instagram für Aufmerksamkeit. Der Büroleiter der 
TUI Travel Star Reiseagentur Wittenstein in Gütersloh setzt bei seinen Videos auf Authentizität statt Hochglanz – und sorgt dabei für den ein oder anderen Lacher.

Seit rund einem Jahr produziert Kesselmeier regelmäßig Videos für Instagram. Meist steht er selbst vor der Kamera, unterstützt von Kollegin Angelina oder seiner Frau aus dem Off. Dabei übernimmt er bewusst die Rolle desjenigen, der sich auch einmal selbst über sich lustig macht.

Ein großes Budget braucht es dafür nicht. 
„Wir haben ein Stativ und Mikrofone“, sagt der 52-Jährige. Auch bei der Vorbereitung hält er es einfach: Ein Drehbuch gibt es nicht. Die Ideen entstehen häufig auf dem Weg zur Arbeit. Inspiration liefern das Radio, aktuelle Themen oder Beiträge aus den sozialen Medien.

Lustig allein reicht nicht

Gedreht wird meist spontan in der Mittags-pause, wenn kein Kundenverkehr herrscht. 
Ein bis drei Anläufe reichen in der Regel, bevor das Video im Kasten ist. Die Reels folgen dabei einem einfachen Prinzip: Erst Aufmerksamkeit erzeugen, dann die Werbebotschaft platzieren. Ein Video beginnt deshalb oft humorvoll oder mit einer überraschenden Szene. Danach folgt der Bogen zum Reiseangebot. „Ich versuche, dass ich am Ende eine seriöse Botschaft bringe“, erklärt er. Nur lustige Videos zu produzieren, reicht ihm nicht.

Michael Kesselmeier, Büroleiter der 
TUI Travel Star Reiseagentur Wittenstein, setzt seinen Schwerpunkt auf humorvolle Inhalte. Foto: Michael Kesselmeier

Wie gut das funktionieren kann, zeigte ein Beitrag von den Malediven. Zu sehen ist Kesselmeier, der ein Handtuch über eine Liege wirft. Auf die Frage, weshalb er das tue, es sei doch schließlich die eigene Terrasse, zeigt sich der Reiseprofi überrascht. „Stimmt, ist ja unsere Terrasse, unser Pool, unser Blick“, sagt er 
und fügt hinzu: „Wenn auch ihr genau das 
haben wollt, kommt zu uns ins Reisebüro.“

Das Video erreichte zahlreiche Konten. Noch wichtiger war für Kesselmeier allerdings die Reaktion einer Kundin. Sie meldete sich nach dem Video im Reisebüro und buchte schließlich eine Malediven-Reise.

Viel Feedback auch von Nicht-Kunden

Auch außerhalb des Internets bekommt der Reiseprofi inzwischen Feedback. Beim Einkaufen wurde er von einem Mann als „der aus den Videos, aus dem Reisebüro“ erkannt. Für Kesselmeier ein Zeichen dafür, dass die Inhalte auch über die eigene Kundschaft hinaus wahrgenommen werden.

Etwa einmal pro Woche versucht der Reiseprofi, ein Video zu veröffentlichen. Das klappt 
allerdings nicht immer – vor allem, wenn im Tagesgeschäft die Zeit fehlt oder die beteiligten Kolleginnen nicht im Büro sind. Kesselmeier produziert deshalb auch mehrere Videos auf einmal, wenn sich eine Gelegenheit ergibt.

Rund 1.500 Follower hat der Instagram-
Account mittlerweile. Innerhalb eines Jahres kamen laut Kesselmeier etwa 250 bis 300 hinzu. Die Zahl allein ist für ihn jedoch nicht entscheidend. Viel wichtiger sei, dass die Inhalte Menschen erreichen und daraus Kontakte oder Buchungen entstehen.

Seinen Ansatz sieht Kesselmeier nicht als 
Rezept für jedes Reisebüro. Entscheidend sei, einen Stil zu finden, mit dem man sich selbst wohlfühle. Nicht jeder müsse vor der Kamera den Clown geben. „Wenn man sich verstellt, merken das die Zuschauer sehr schnell.“

Wer neugierig ist, sollte einen Blick auf den Insta-Kanal der Reiseagentur Wittenstein werfen.

Beim Social-Media-Auftritt des TUI 
Travel Star Reisebüros Römer setzt Büroleiter Gerome Römer bewusst auf seine eigene Person. Mit „Gerome Traveltactics“ ist der 28-Jährige auf Instagram und Tiktok aktiv und verknüpft die Inhalte mit dem Account des Reisebüros. Sein Ziel: Vertrauen schaffen, Kompetenz zeigen und das Büro als persönlichen Ansprechpartner erlebbar 
machen. Hinter seinem Konzept steckt eine einfache Überlegung: Reisen ist häufig ein hochpreisiges Produkt, bei dem Vertrauen eine wichtige Rolle spielt. „Meiner Meinung nach kann ein Reiseverkäufer, der die Kunden kennt und dem Kompetenz zugetraut wird, leichter Nähe schaffen als ein anonymer Firmen-
Account.“

Seit April lädt der Reiseprofi aus Erftstadt-
Liblar mindestens ein Video pro Woche hoch. Ziel sei es, zwei bis drei zu veröffentlichen.
Dabei setzt Römer vor allem auf Informationen. Er erklärt Fragen aus dem Reisebüro-
Alltag, vergleicht Anbieter oder greift Miss-
verständnisse aus Kundengesprächen auf. 
So erklärt er beispielsweise den Unterschied zwischen gebuchten Nächten und Tagen, die Vorteile eines Privattransfers oder Begriffe 
wie „Sparzimmer“.

Um sich den Aufwand etwas zu erleichtern, dreht er Serien. Für eine Reihe zu Reedereien hat er mehrere Folgen im Voraus geplant. „Das schafft einen festen redaktionellen Rahmen und reduziert den Aufwand bei der Themenfindung“, sagt er. Sein Tipp: Themen bündeln und Inhalte vorproduzieren.

Handy, Stativ, Ringlicht

Etwa ein bis zwei Stunden Zeit investiert 
Römer pro Beitrag. „Ich spreche meist mehrere Minuten lang einfach drauf los und kürze dann den Beitrag auf etwa eine Minute.“ Gefilmt wird mit dem Smartphone, geschnitten mit dem Programm Capcut. Lediglich ein 
Stativ und ein Ringlicht gehören zur technischen Ausstattung.

Gerome Römer, Leiter des TUI
Travel Star Reisebüros Römer, produziert viele Erklär-Reels. Foto: TUI Travel Star Reisebüro Römer

Eines seiner erfolgreichsten Reels war eines zu einer Getränkepauschale bei Aida. Es erzielte auf Instagram mehr als 100.000 Aufrufe sowie zahlreiche Kommentare. „Das lag aber auch daran, dass das Video etwas provokant war“, sagt er. Manchmal müsse man etwas provozieren, damit die Leute anfangen zu diskutieren. „Das schiebt den Algorithmus an.“

Doch Römer will nicht nur Reichweite gewinnen. Wichtiger sei vor allem die Aufmerksamkeit im lokalen Umfeld: „Menschen werden wieder auf unser Reisebüro aufmerksam und kommen im besten Fall zu uns.“

Sein Tipp: Einfach anfangen!

Auch seine Arbeitsweise hat Römer im Laufe der vergangenen Monate verändert. Anfangs arbeitete er mit ausformulierten Skripten, inzwischen notiert er nur noch die wichtigsten Punkte und spricht frei. „Das wirkt viel natürlicher und authentischer.“ Sein Rat an Kollegen, die vor der Kamera zurückschrecken: einfach anfangen. „Das erste Video hochladen“, sagt der Reisebüro-Chef. Noch besser sei es, vorab einige Beiträge als Puffer zu produzieren. Römer selbst hatte vor seinem ersten veröffentlichten Video bereits drei weitere vorbereitet.

Entscheidend ist für ihn zudem die Kontinuität. Ein Beitrag pro Monat reiche nicht aus, um einen Kanal nachhaltig aufzubauen. Römer setzt daher auf kontinuierliches Wachstum 
statt kurzfristiger Followerzahlen.

Für Reisebüros sieht der Experte gerade im persönlichen Ansatz immens großes Potenzial. „Ich will Fachwissen mit einer sichtbaren 
Persönlichkeit verbinden und damit bei den Followern punkten.“

Social-Media spielt in Reisebüros eine immer wichtigere Rolle. Immer mehr Unternehmen setzen auf Profis, unter anderem auch Alpha Reisebüro-Partner. Seit kurzem betreut Samara Nevado Hidalgo die zugehörigen Reisebüros und gibt Tipps. Ihr zufolge sind Beiträge sehr oft austauschbar und wenig lebendig. „Wer sich klar positionieren möchte, sollte seine eigene Nische finden und mit persönlichen Beiträgen zeigen, was das Büro ausmacht. Gerade das hebt einen Auftritt von allgemeiner Reisebüro-Werbung ab“, sagt sie.

Wer mehr erfahren will, sollte den Instagram-Kanal des Reisebüros Römer besuchen.

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Tipps für Insta und Co. / Globus Awards

Mein Reisebüro24 und touristik aktuell haben 2025 im Zuge einer Webinar-Reihe Reiseexperten aus Reisebüros fit für Digitalisierung und Online-Marketing gemacht.

Auf unserer Website können Sie die verschiedenen Videos abrufen. Themen waren unter anderem Influencer-Marketing in Social Media, Wie können Reisebüros das Potenzial von Insta und Co. nutzen?, Kundenbewertungen im Google my Business, Facebook & Co, Tiktok im Reisebüro und Pinterest – das völlig unterschätze Reisenetzwerk.

Globus Awards

Falls auch Sie auf Insta und Co. richtig durchstarten, besondere Ideen und Konzepte haben, dann bewerben Sie sich doch für einen Globus Award, den touristik aktuell im kommenden Jahr einmal mehr vergibt.

Ausgezeichnet werden kreative Reisebüros in den Kategorien „Beste Reisebüro-Aktion offline“, „Beste Reisebüro-Aktion online“ und „Soziales Engagement/Nachhaltigkeit“. Mehr zu den Awards finden Sie in der Rubrik Globus Award.

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