Tag des Reisevertriebs: Das waren die „heißen Eisen“

Ein Konferenzraum mit vielen sitzenden Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die aufmerksam einem Vortrag folgen. Die Menschen sind überwiegend in Businesskleidung gekleidet. Im Hintergrund ist eine Pinnwand mit farbigen Zetteln sichtbar, die vermutlich Workshop-Themen zeigen. Der Raum ist hell, mit großen Fenstern und moderner Ausstattung.
Rund 140 Teilnehmer kamen zum Tag des Reisevertriebs in die Veranstaltungs-Location Memox nach Frankfurt am Main. Foto: jt

Rückvergütung und Handelsvertreterstatus, Mehrarbeit durch Flugzeitenänderungen und das Reservierungsportal Bistro waren einige der Themen, die beim gestrigen Tag des Reisevertriebs vom DRV in Frankfurt am Main auf der Agenda standen. „Themen, die Reibung haben“, wie Andreas Heimann, DRV-Vizepräsident konzerngebundene Reisemittler, in seiner Begrüßungsrede sagte. Umso erstaunlicher war es, dass trotz dieser „heißen Eisen im Vertrieb“, wie es in der Ankündigung des DRV im Vorfeld hieß, nur wenige Fragen aus Publikum kamen und so gut wie keine Diskussion entstand.

Rückvergütungen: „Panikmache übertrieben“

In einem Impulsvortrag legte Rechtsanwalt Hans Josef Vogel von der Kanzlei Advant Beiten seine Sicht auf die Rückvergütungs-Problematik dar. Als „unechte Handelsvertreter“ dürfte jedes Reisebüro laut Vogel mit seiner Provision machen, was es wolle, also auch rückvergüten. Er beruft sich dabei auf den Europäischen Gerichtshof (EuGH) und ein Urteil aus dem Jahr 1987. Der EuGH sehe Wettbewerb grundsätzlich als Vorteil für Verbraucher. In der Nachfolge habe es verschiedene Entscheidungen von unterschiedlichen Gerichten gegeben, die alle zu demselben Ergebnis gekommen seien.

„Ich halte die Panikmache für übertrieben“, sagte er mit Blick auf das konsequente Vorgehen von Aida Cruises gegen Rückvergütungen und die daraus resultierenden aktuellen Debatten. Nach Einschätzung des Rechtsanwalts haben die Reisebüros „kein systemisches Problem“ aufgrund von Rückvergütungen. „Es muss kein Reisebüro deswegen zumachen, es verliert nur einzelne Kunden.“

Flugzeitenänderungen: Kundendaten essenziell

Zündstoff hat auch das Thema „Mehrarbeit durch Flugzeitenänderungen“. Christine Lay von Eurowings versicherte den Reisebüros, dass ihre Airline versuche, sich „bestmöglich“ auf die Sommersaison, in der die „Herausforderungen am größten“ seien, vorzubereiten. „Es sind viele Bausteine, an denen wir arbeiten, um Reisebüros und Gästen zu helfen, damit es so reibungslos wie möglich funktioniert“, so Lay. Dass in dieser Hinsicht schon einiges geschehen ist, belegte sie mit Zahlen: 2025 habe man bislang Pünktlichkeitswerte von 85 Prozent und eine „Regelmäßigkeit“ von fast 100 Prozent. „Das heißt, es gab so gut wie keine Streichungen“, erläuterte sie.

An die Reisebüros als Ansprechpartner der Kunden hat sie eine Bitte: „Es ist essenziell, dass wir die Kontaktdaten der Kunden haben.“ Am Wochenende seien Reisebüros nicht erreichbar, deswegen sei es wichtig, dass Eurowings die Kunden auch direkt kontaktieren könne. Es gebe rechtliche Vorgaben, dass man die Daten der Passagiere nicht anderweitig nutzen dürfe, zusätzlich habe man eine entsprechende Absichtserklärung aufgesetzt.

Bistro führt Produkterweiterungen ein

Mit „enormen Herausforderungen“ sieht sich auch Bistro Portal konfrontiert. Das Reservierungsportal, das seit 30 Jahren am Markt ist, bildet inzwischen 2,5 Billionen Angebote ab – und nicht immer läuft alles reibungslos. So hatte es zuletzt Kritik an der Datenqualität gegeben. Die Produktverantwortliche Ljiljana Budalic ist sich bewusst, „dass es sehr viel Frust im Markt gibt und noch nicht alles perfekt ist“. Sie versichert aber, dass man sehr viel tue, um das Produkt zu verbessern.

So werde man in diesem Jahr beispielsweise noch mehr Veranstalter-Content bieten und Holidaycheck-Reviews ebenso integrieren wie die Anzeige der CO2-Bilanz via Klimalink. Zudem soll es einen neuen Reiseangebots-Versand inklusive IBE-Verlinkung geben. „Unser Anspruch ist es, das beste Angebot im Markt zu bieten“, sagte Budalic.

Nachhaltigkeit als Verkaufsargument

Ein weiterer Schwerpunkt des Programms lag auf dem Thema Nachhaltigkeit und wie man dies aktiv in den Verkauf einbringen kann. Praktische Tipps gab es dazu unter anderem von Charlotte Stöttner von Fairweg. Sie appellierte an die Reisebüros, das Thema aktiv anzusprechen – gerade gegenüber jungen Kunden. „Die junge Generation interessiert sich für Nachhaltigkeit. Und wenn man das Thema selbst anspricht, wird man als Reisebüro auch interessant für sie.“

Eindrücke vom Tag des Reisevertriebs finden Sie in unserer Bildergalerie.

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