Tarifverhandlungen: Offener Brief und wieder Gespräche

Blick durch eine Glasfront in einen Konferenzraum, in dem Menschen sitzen und diskutieren. Die Atmosphäre ist geschäftig. Man sieht nur die Konturen der Beteiligten.
Die Gespräche zwischen DRV-T und Verdi sollen fortgesetzt werden. Foto: EyeEm Mobile GmbH/iStock

Mit einem offenen Brief haben sich Mitglieder der Tarifkommission in der Dertour Group an die Führungskräfte von Dertour Deutschland, der DER Reisebüros und an Christoph Debus, CEO der Dertour Group, gewandt. Sie fordern die Dertour-Geschäftsführung im DRV-T auf, die von Verdi vorgeschlagene Zwischenlösung anzunehmen, um so „einen ersten Schritt in Richtung eines fairen und wertschätzenden Tarifvertrags zu gehen“.

Hintergrund des Schreibens sind die vor sieben Monaten aufgenommenen Tarifverhandlungen zwischen der Gewerkschaft Verdi und dem Arbeitgeberverband DRV-T. Diese waren ins Stocken geraten. Beide Parteien waren Anfang September nach einer weiteren, kurzen Verhandlungsrunde ohne neuen Gesprächstermin auseinandergegangen. Jetzt allerdings zeichnet sich eine Fortsetzung der Gespräche ab.

Suche nach einem Gesprächstermin

Wie die Verdi-Tarifkommission am Mittwochmittag mitteilte, suche man mit der DRV-T nach einem neuen Termin. Die DRV-T habe signalisiert, dass sie bereit sei, in einem erneuten Termin über alle Komponenten eines Abschlusses zu verhandeln – und nicht nur über die umstrittene Erfolgszulage, heißt es.

Zu viel Hoffnung will Verdi den Mitgliedern jedoch nicht machen. In einem Statement heißt es, es sei weiter offen, „ob es zu einer ausreichenden Bewegung und einem abschlussfähigen Angebot seitens der DRV-T“ kommen werde. „Kommen wir in dem dann 9. (!) Termin nicht weiter, dann hilft nur noch euer Einsatz! Die Auskunft über eure Streikbereitschaft ist daher weiterhin sehr wichtig.“

Streitpunkt Erfolgszulage

Größter Streitpunkt zwischen den beiden Parteien ist eine neue erfolgsorientierte variable Vergütung, die die DRV-T als wichtiges Element eines neuen Tarifvertrags sieht, die von Verdi in der angedachten Form jedoch abgelehnt wird. Die Zulage sei „vollkommen unfair“, da sie nur im Erfolgsfall gezahlt würde. So würde das unternehmerische Risiko auf die Beschäftigten übertragen.

Da die Gehälter so gering seien, benötigten die Kollegen eine verlässliche Erhöhung und „sollten nicht jedes Jahr darum zittern müssen, ob ihr geringes Gehalt etwas aufgebessert wird“, lautet das Argument der Verdi-Tarifkommission. Ihre Forderung: „Das Angebot für die Erhöhungen der Tabellenentgelte muss sich klar verbessern.“ Um dennoch einen Abschluss zu ermöglichen, hat die Tarifkommission nun einen eigenen Kompromissvorschlag für eine Zulage übermittelt.

Auf diesen Kompromissvorschlag weisen auch die Initiatoren des Offenen Briefes hin und fordern die Geschäftsführung auf: „Setzen Sie ein klares Zeichen der Wertschätzung“. Mit großem Einsatz, Teamgeist und persönlichem finanziellen Verzicht habe man das Unternehmen durch die Corona-Pandemie getragen – „ganz im Sinne von One Dertour“. Man habe trotz Personalabbau und hoher Fluktuation dazu beigetragen, dass sich das Unternehmen wieder stabilisiere. Die finanziellen Verluste der Mitarbeitenden seien bislang jedoch nicht ausgeglichen worden, heißt es in dem Schreiben.

Gehaltserhöhungen reichen nicht aus

Zwar hatte Dertour zwei freiwillige Gehaltserhöhungen von insgesamt 7,12 Prozent umgesetzt. Diese reichten jedoch nicht aus. Der Reallohnverlust liege aktuell bei rund 17 Prozent. Daher lindere das derzeitige Angebot der DRV-T – eine Gehaltserhöhung von 2,5 Prozent, mindestens 100 Euro beziehungsweise 14 Euro die Stunde im ersten Schritt – die finanzielle Belastung kaum. Zwar verhindere es „bestenfalls“ eine weitere Verschlechterung. Es biete aber keinen Ausgleich für die seit 2018 entstandenen Kostensteigerungen.

Eine Unterschrift unter das Angebot für 2025 ist aus Sicht der Initiatoren nicht nur ein Schritt zur finanziellen Entlastung. Sie sei auch „ein starkes Signal für Motivation, Zusammenhalt und Vertrauen – für One Dertour“.

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