

Die Union Reiseversicherung (URV) setzt auch weiterhin stark auf Reisebüros als Vertriebspartner. „In der Krise konnte man beobachten, dass die Kunden von Online-Portalen und Reiseveranstaltern zum Großteil sehr unzufrieden mit dem Service und der Erreichbarkeit waren. Der stationäre Vertrieb hingegen hat geglänzt und konnte zeigen, warum er immer noch unverzichtbar ist“, sagte Vertriebschef Alexander Piwonski auf der digitalen Reisemesse ITB NOW.
In Sachen Neugeschäft mit Reiseversicherungen konnte Piwonski den Reisebüros allerdings erst mal keine allzu große Hoffnung machen. „Dadurch, dass wir im vergangenen Jahr bestehende Versicherungen umgebucht oder eingefroren hatten, schieben wir noch immer einen kleinen Stau vor uns her. Das wird wohl auch noch eine Weile so bleiben.“
Aus dem vergangenen Jahr 2020 ist die URV zwar mit schwarzen Zahlen herausgekommen, verzeichnet aber in Anbetracht der Umstände wenig überraschend einen deutlichen Rückgang im Vergleich zum Vorjahr. Die gebuchten Bruttobeiträge gingen laut Hans-Otto Gilla, dem Leiter des Auslandsgeschäfts, gegenüber dem Vorjahr um knapp 53 Prozent auf 117,7 Millionen Euro zurück.
In Deutschland wuchs das Geschäft um etwa 15 Prozent
In Großbritannien und Irland brach das Geschäft besonders stark ein. Hier standen nur noch 51,8 Millionen Euro in den Büchern, 2019 waren noch 191,8 Millionen Euro registriert worden. In Deutschland hingegen wuchs das Geschäft im Krisenjahr um etwa 15 Prozent auf 65,9 Millionen Euro, was an dem hierzulande traditionell hohen Anteil an Langzeitverträgen und dem guten Januar und Februar 2020 lag. In Großbritannien und Irland werden hingegen ausschließlich Einzelverträge abgeschlossen.
Gilla zufolge laufen im Inlandsgeschäft der URV mehr als zwei Drittel der Versicherungsverträge länger als ein Jahr – dies ist besonders in Krisenzeiten ein riesiger Vorteil. Denn die Beiträge sind (ebenso wie die Provisionen an die Reisebüros) bereits bezahlt – und die Schadenquote ist extrem niedrig, da kaum jemand verreisen konnte.
„Covid 19 Protect“ gut nachgefragt
Im Gegensatz zu einigen Mitbewerbern hat die URV ihre Pandemie-Ausschlussklausel nicht aus den Versicherungsbedingungen gestrichen – aber mit „Covid 19 Protect“ eine entsprechende Zusatzversicherung auf den Markt gebracht. Diese schützt im Bereich Reiserücktritt und Reiseabbruch und kann zu jeder Reise hinzugebucht werden. Im vergangenen Jahr wurde sie bereits mehr als 80.000 Mal verkauft. Auch im Bereich der Auslandsreisekrankenversicherung hat die URV aufgestockt. Covid-19 ist als Krankheitsfall eingeschlossen, zudem wurde das Service-Paket „Medical Protect“ um einige Leistungen erweitert.
Nun hofft man auch bei der URV, dass der Tourismus wieder Fahrt aufnimmt. Vertriebschef Piwonski findet es „frustrierend“, dass in Sachen Ferien an Ostern von Seiten der Politik noch nichts entschieden wurde. „Es ist meiner Ansicht nach komplett unverständlich, dass man sich nicht im Ferienhaus mit Personen des eigenen Haushalts aufhalten darf. Wo ist da denn das Risiko höher als in der eigenen Wohnung zu Hause? Und warum darf man in überfüllten Stadtbussen oder mit dem Zug fahren, aber nicht in einem Reisebus?“ Für das aktuelle Reisejahr sieht Piwonski denn auch keine grundlegende Erholung des Marktes.
Etwas Gutes erkennen Piwonski und Gilla jedoch auch in der aktuellen Situation: Das Bedürfnis, eine Reise abzusichern, werde in Zukunft wohl deutlich steigen. Und zwar nicht nur bei der „gestandenen Zielgruppe 50 Plus“, sondern auch bei den Jüngeren. „In der Pandemie haben viele gemerkt, wie wichtig es ist, vernünftig versichert zu sein.“


