Die Schlichtungsstelle Reise und Verkehr hat im vergangenen Jahr etwa 42.000 Beschwerden von Reisenden erhalten – rund 5.600 weniger als im Rekordjahr 2024. Das teilte der Verein in einer Kurzbilanz mit.
Als Grund für den Rückgang führt die Stelle unter anderem an, dass 2025 weniger stark von außergewöhnlichen Umständen wie Streiks, Extremwetterlagen oder IT-Ausfällen geprägt gewesen sei als 2024. Auch die Auswirkungen von Personalengpässen und Infrastrukturproblemen seien zurückgegangen. Zudem konnten viele Unternehmen die 2023/2024 noch nachwirkenden Turbulenzen infolge der Corona-Pandemie überwinden und haben ihre Prozesse optimiert, sodass es 2025 zu vergleichsweise weniger Problemen in Reiseverläufen kam, die zu einem Schlichtungsantrag führten, heißt es in dem Bericht.
Flugreisen dominieren die Beschwerden
Besonders betroffen waren 2025 erneut Flugreisen. Fast 83 Prozent, rund 35.000 Anträge bezogen sich auf dieses Segment, berichtet die Schlichtungsstelle. 2024 waren es noch rund 38.000 Fälle. Hauptgründe für Konflikte waren wie in den Vorjahren annullierte Reisen, Flugzeitenänderungen oder Verspätungen.
Darüber hinaus bezogen sich knapp 15 Prozent der Anträge auf Bahnreisen. Zugausfälle und Verspätungen waren auch hier die häufigsten Anlässe, um sich an die Schlichtungsstelle zu wenden. 2025 waren laut einem Bericht der Bild am Sonntag lediglich 60,1 Prozent der ICE- und Intercity-Züge pünktlich. Vor zehn Jahren waren es noch 74,4 Prozent. Züge gelten ab einer Verzögerung von sechs Minuten als verspätet.
Mögliche Streiks belasten Frühjahr 2026
Für das neue Jahr rechnet die Schlichtungsstelle mit einem ähnlich hohen Beschwerdeaufkommen wie 2025 – vorausgesetzt, es treten nicht erneut viele außergewöhnliche Umstände auf wie zwei Jahre zuvor.
Ein etwas mulmiges Gefühl dürfte Reisende jedoch mit Blick auf die anstehenden Tarifverhandlungen zwischen der Deutschen Bahn und der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) ereilen. Zwar gilt bis Ende Februar eine Friedenspflicht. Zuletzt gestreikt wurde 2024. Mehrere Streikwellen im Januar, März und April beeinträchtigten damals den Bahnverkehr massiv.
Gütliche Einigung in neun von zehn Fällen
Die Schlichtungsstelle Reise und Verkehr mit Sitz in Berlin wurde 2009 gegründet und kümmert sich um Probleme bei Flug-, Bus-, Bahn- und Schiffsreisen. Sie arbeitet nicht gewinnorientiert und wird von einem Verein getragen, in dem sich derzeit mehr als 350 Verkehrs- und Reiseunternehmen zusammengeschlossen haben.
In den meisten Fällen wird eine gütliche Einigung zwischen Reisenden und Unternehmen erzielt. Im vergangenen Jahr betrug die Einigungsquote im Rahmen einer Schlichtung nach Angaben der Schlichtungsstelle rund 88 Prozent.


