Zwischen Krisen und Neuanfang – Wie die Reise-Truhe mit Service-Gebühren und Kundenaktionen überlebt

Reisebüro-Konzept: Mit kreativen Kundenaktionen, Service-Gebühren und viel Durchhaltevermögen hat Inhaberin Katharina Kergl ihren Betrieb erfolgreich neu aufgestellt

Wie man mit Krisen umgeht, das weiß Katharina Kergl nur zu gut. Kurz nachdem die Reiseexpertin aus Mannheim 2019 das Reisebüro ihrer Mutter übernommen hatte, meldete Thomas Cook Insolvenz an. Für viele Reisebüros war das ein Schock – auch für die Reise-Truhe. „Und seitdem ist eigentlich jedes Jahr etwas anderes. Es gibt immer wieder neue Herausforderungen“, sagt die Inhaberin rückblickend. Ruhe sei in der Touristik in den vergangenen Jahren eher die Ausnahme als die Regel gewesen.

Katharina Kergl, Inhaberin Reise-Truhe Reisebüro in Mannheim. Eine lächelnde Frau mit langen, lockigen Haaren trägt einen schwarzen Anzug und ein weißes Hemd. Der Hintergrund zeigt moderne Architektur.
Katharina Kergl, Inhaberin Reise-Truhe

Vor allem die Corona-Pandemie machte dem Familienunternehmen schwer zu schaffen. Die Umsätze brachen ein, das Geschäft kam zeitweise nahezu vollständig zum Erliegen.

Katharina Kergl musste ihre Mutter entlassen, die bei ihr angestellt war, und suchte sich zusätzlich einen Minijob, um finanziell über die Runden zu kommen. „Das waren schlimme Zeiten und ich war zum ersten Mal an dem Punkt, an dem ich mich gefragt habe, ob es nicht besser wäre, das Büro aufzugeben.“ Viele schlaflose Nächte habe sie damals gehabt. Dennoch entschied sie sich, weiterzumachen.

Wer Katharina Kergl kennt, weiß, dass sie eine Kämpferin und Optimistin ist. „Ich bin jemand, der davon überzeugt ist, dass es nach jedem Tief ein Hoch gibt und es immer weitergeht“, sagt sie am Telefon. „Doch nicht einfach so. Man muss dafür auch etwas tun.“

Auf bessere Zeiten zu warten, sei nie ihre Strategie gewesen. Stattdessen habe sie früh begonnen, neue Ideen zu entwickeln, um das Reisebüro sichtbarer zu machen und bestehende Kunden enger an das Unternehmen zu binden.

Zahlreiche Aktionen hat die 37-Jährige in den vergangenen Jahren initiiert. Zum Beispiel eine Osteraktion, für die sie Schokoladen-Eier in ein Glas füllte. Kunden sollten anschließend die Anzahl schätzen. Die Gewinner erhielten Reisegutscheine. Die Resonanz überraschte: „Es gab sogar ein Pärchen, das sich Schokoeier kaufte, um die Anzahl möglichst genau zu berechnen“, sagt die Mannheimerin und schmunzelt.

Ein Fotowettbewerb kam ebenfalls gut an. Im Oktober veröffentlichten Katharina Kergl und ihre beiden Kolleginnen jeden Tag ein Kundenfoto in den Sozialen Medien. Am Ende des Monats wurde das mit den meisten Likes zum Sieger gekürt. „Dadurch haben wir eine enorme Reichweite erzielt. Zwei Teilnehmer lieferten sich regelrecht einen Wettstreit, was für jede Menge Likes sorgte.“

Stornogebühr für Flex-Option

Mehrere Jahre lang initiierte das Team auch einen Adventskalender. Follower auf Instagram und Facebook konnten Werbegeschenke von Veranstaltern und Reisegutscheine gewinnen. In diesem Jahr plant die Inhaberin jedoch, etwas Neues auf die Beine zu stellen. „Eine solche Aktion ist sehr aufwändig. Es gab zahlreiche Leute mit Fake-Profilen, die mitmachten. Die rauszufiltern, war sehr zeitintensiv.“

Ich bin jemand, der davon überzeugt ist, dass es nach jedem Tief ein Hoch gibt und es immer weitergeht

Katharina Kergl, Inhaberin Reise-Truhe

Dass Stillstand keine Option ist, zeigt sich auch an einer weiteren Entscheidung. Um das eigene Geschäftsmodell wirtschaftlich aufzustellen, hat Katharina Kergl Service-Gebühren eingeführt. Auf jedem Schreibtisch im Büro steht eine Preisliste, auf die die Kunden hingewiesen werden. Sitzplatzreservierung und Online-Check-in kosten beispielsweise 20 Euro, das Ausfüllen eines Schiffsmanifests 40 Euro, die Beantragung eines Visums, Estas und Etas 50 Euro zuzüglich Gebühr. „Wir bieten einen guten Service, aber eben nicht umsonst“, sagt die Reiseexpertin selbstbewusst. Viele Kunden hätten das akzeptiert. „Und wer kein Geld ausgeben möchte, muss eben selbst einchecken oder das Esta beantragen“.

Und noch etwas haben die Kunden laut Katharina Kergl problemlos akzeptiert: „Da wir gerade in diesen Zeiten sehr viele Reisen mit Flex-Option verkaufen, erheben wir mittlerweile eine Stornogebühr“, erläutert sie. Wer die Reise storniert, erhält im Nachgang von der Reise-Truhe eine Rechnung über 150 Euro. „Wir erklären unseren Kunden, dass wir bei einer Stornierung keine Provision erhalten. Dafür haben die meisten Verständnis“.

In die Zukunft blickt die Optimistin, wie sollte es anders sein, mit großer Zuversicht. Die Buchungsnachfrage ziehe langsam wieder an, die Arbeit mache trotz aller Herausforderungen großen Spaß. Und auch ihre Mutter Silke Konrad ist wieder an Bord.

Direkt nach der Corona-Pandemie hatte Katharina Kergl sie bereits wieder eingestellt. Gemeinsam mit Charlina Bode plant sie bereits die nächsten Kundenaktionen. Die Ideen gehen der Reiseexpertin offenbar auch nach schwierigen Jahren nicht aus.

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Die Macherin

Katharina Kergl übernahm 2019 das Reisebüro Reise-Truhe in Mannheim von ihrer Mutter. Trotz Thomas-Cook-Pleite und Corona-Krise hielt die 37-Jährige den Familienbetrieb am Laufen – mit kreativen Kundenaktionen, Service-Gebühren und einem klaren Fokus auf Kundenbindung. Heute arbeitet sie gemeinsam mit ihrer Mutter Silke Konrad und Kollegin Charlina Bode und blickt optimistisch in die Zukunft.

Weitere Informationen unter: reise-truhe.de