Dyer Island: Die Big Five aus dem Meer

Delfine sind meist freundliche Gesellen und sind daher ein beliebtes Fotomotiv bei Tauchern. Foto: ws

Der Feind kommt aus der Tiefe. Nichtsahnend planschen die Seebären von Geyser Rock im kühlen Wasser, jagen sich spielerisch durch die Strömung. Wie in einem überlaufenen Strandbad liegen die Robben dicht an dicht auf dem Felseneiland gedrängt. Nicht weit davon ist eine Gruppe Brillenpinguine auf dem Rückweg von ihrem Fischzug zu ihrer Kolonie.

Geyser Island vor der Küste Südafrikas könnte ein Paradies für Robben sein. Wäre nicht im Meer ringsum ein gefürchteter Jäger auf Beutezug. „Nirgendwo stehen die Chancen besser, Weiße Haie zu beobachten als hier“, sagt Kelly Baker. Die australische Biologin ist mit einer Gruppe Touristen im Boot unterwegs von dem Fischerstädtchen Gansbaai südöstlich von Kapstadt nach Shark Alley. So nennen die Einheimischen die schmale Passage zwischen Geyser Rock und der Nachbarinsel Dyer Island. Rund um das Jahr patrouillieren hier Weiße Haie auf der Suche nach verletzten oder unachtsamen Robben.

Die planktonreichen Gewässer um Dyer Island sind ein Magnet für Meeresbewohner. Delfine folgen den riesigen Sardinenschwärmen hierher und Südkaper, Buckel- und Brydewale legen auf ihren Wanderungen um das Kap der Guten Hoffnung dort eine Pause ein.

In Südafrika wollen alle Touristen die Großen Fünf der Savanne vor die Linse bekommen: Löwen, Leoparden, Büffel, Nashörner und Elefanten. Jenseits vom Kap der Guten Hoffnung jedoch warten die Big Five des Ozeans. Die Gewässer um Dyer Island sind wohl der einzige Ort Südafrikas, wo man mit etwas Glück an einem einzigen Tag Wale, Delfine, Haie, Robben und Pinguine beobachten kann.

„Die Shark Alley vor Dyer Island ist wie ein Fast-Food-Restaurant für Weiße Haie“, sagt Baker, als das Boot sich langsam der Robbeninsel nähert. Neugierig beäugen die Seebären die Ankömmlinge und tummeln sich um das Menschengefährt. Dokumentarfilmer von National Geographic und BBC filmten hier ihre Closeups des berüchtigten Räubers mit dem kalten Blick. Nicht erst seit Steven Spielbergs Blockbuster löst der Weiße Hai beim Menschen eine ungebrochene Faszination aus.

„Es geht nicht darum, ein schauriges Spektakel zu bieten“, sagt Baker, „sondern vielmehr darum, die Besucher für einen bedrohten Meeresbewohner zu sensibilisieren.“ Nicht der Mensch sei in Wirklichkeit der Gefährdete, sondern der Hai.

In der Tat hat die Weltnaturschutzunion den Weißen Hai bereits 1996 als gefährdet eingestuft. Nach einer jüngsten Studie der Universität Stellenbosch soll es nur noch 350 bis 500 Weiße Haie in Südafrika geben.

„Es wird höchste Zeit, dass der Mensch lernt, dass der Weiße Hai nicht die blutrünstige Bestie ist, für die er sie verteufelt und verfolgt“, sagt Baker. „Er gehört zum Ökosystem der Meere wie alle anderen Arten auch.“

Big-Ten-Touren

Die Safari-Veranstalter Abendsonne Afrika und And Beyond Reisen verbinden die Big Five der Savanne mit Ausflügen zu den Big Five des Ozeans in Gansbaai und Kapstadt. Infos gibt es unter www.abendsonneafrika.de und unter www.andbeyond.com.

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