

Auch wir sind mit einem Motorboot auf den Klongs unterwegs, sehen den Menschen, die am Ufer wohnen, zuweilen fast in die Kochtöpfe. Unser Ziel ist das Baan Silapin, ein Künstlerhaus in einem 200 Jahre alten Holzhaus direkt am Klong Bang Luang, das täglich für Besucher geöffnet ist. Chumpol Akapantanon, ein Künstler, hat das zweistöckige Holzhaus vor einigen Jahren renovieren lassen.
Puppentheater der besonderen Art Mittlerweile wird dort sechsmal pro Woche um 14 Uhr ein Puppentheater aufgeführt, das von einem der renommiertesten Ensembles der Stadt gestaltet wird. Puppenspieler Noppadol Hongseesakul und seine Kollegen von der Kham-Nai-Gruppe waren früher für das Joe Louis Theatre am Suan-Lum-Nachtmarkt tätig, damals das prestigeträchtigste Puppentheater in Bangkok. Ihre kunstvollen Puppen bauen sich die Spieler selbst, meist aus Pappmaschee, damit sie nicht zu schwer werden.
Während der Aufführung tragen Hongseesakul und seine Kollegen schwarze Kleidung und Gesichtsmasken, damit sie nicht von den von ihnen geführten Figuren ablenken. Um die Pappmaschee-Puppen grazil und genau zur Musik passend mit Metallstäben zu steuern, wird jede Puppe von bis zu drei Spielern geführt. Diese stimmen ihre Bewegungen exakt aufeinander ab, wobei auf die eleganten Handbewegungen der Puppen besonders viel Wert gelegt wird.
Schwerer Stoff, locker aufbereitet Diese Art Puppentheater ist eine Variante des Khon-Tanzes, eines Maskentanzes, der früher nur am Königshof aufgeführt wurde. Auf dem Programm steht schwerer Stoff, doch er wird kurzweilig dargeboten: Die Geschichte des affengleichen Hindugottes Hanuman aus dem Ramakian, das auf dem hinduistischen Ramayana-Mythos aufbaut. In dem Theaterstück, das mit Musik unterlegt ist, wirbt Hanuman in einem Tanz um Prinzessin Benjakai, die in einer schwierigen Mission unterwegs ist – und natürlich kriegen sich die beiden am Ende.
„Es ist eine traditionelles Stück, aber wir inszenieren es modern. Wir spielen mit Geschlechts- und Farbunterschieden“, erläutert Puppenspieler Hongseesakul. Tradition muss mit der Zeit gehen, davon ist der Künstler überzeugt, denn im Smartphone-Zeitalter gibt es kaum Jugendliche, die sich lange traditionelle Tanzaufführungen ansehen.
Deshalb erhält das dramatische Stück bei der nachmittäglichen Aufführung im Baan Silapin einen Comedy-Touch. Wer den Klong Bang Luang, der auch Klong Bangkok Yai genannt wird, besucht, für den lohnt ein Stopp im Künstlerhaus. Wer will, kann selbst aktiv werden, etwa Masken bemalen oder Figuren modellieren.


