Costa Blanca: Tolle Burgen, schöne Dörfer

Biar liegt rund 50 Kilometer von Alicante entfernt
Das Kastell hoch über Villena. Fotos: ad

Es ist, als würde sie aus den Felsen wachsen: Majestätisch beherrscht die Festung von Biar ihr Umland und hebt sich in strategischer Bestlage vor den Gebirgsausläufern der Sierra de Mariola ab. Atemschwer steigt man aus dem Ort auf, das letzte Stück über Rampen im Zickzack – so erschwerte man Feinden früher den Angriff.

Oben angekommen wird man vom Mauer- und Zinnenwerk des zum Nationalmonument deklarierten Bauwerks geschluckt. Der Hof dehnt sich über unförmige Steine zum Huldigungsturm hin. Im Innern führen hohe, unförmige Stufen hinauf. Hinter einer Art Glasbox tritt man hinaus, an die im Wind flatternden Flaggen Spaniens und der hiesigen Region Valencia heran. Welch ein Aussichtsthron! Der Blick schweift über bewaldete Bergflanken, das Mosaik der Ziegeldächer von Biar, die Renaissancekirche im Ortskern.

Gebaut von den Mauren
Erbauer der Festung waren im Mittelalter die Mauren, die 711 in Spanien eingefallen waren und sich über fast acht Jahrhunderte hinweg festsetzten. Burgen wie diese halfen, die Macht zu zeigen, die Verkehrs- und Handelswege zu kontrollieren und mögliche Attacken der Spanier abzuschmettern – was 1245 nichts mehr nutzte. Nach mehrmonatiger Belagerung fiel die Festung in die Hände der Christentruppen. Episoden wie diese wiederholten sich vielerorts.

Nutznießer der einst unruhigen Geschichte sind die Besucher der Gegenwart, die in friedlicher Absicht die Burg erobern. Über das Hinterland der Costa Blanca verteilen sich zahlreiche Festungen, die Abwechslung vom Strandurlaub bieten.

Biar liegt an der Route „Castillos del Vinalopo“, Burgen stehen im Flusstal des Vinalopo. Startpunkt an der Küste ist Santa Pola, ehe es landeinwärts geht über Elche, Novelda, Monovar, Elda und Sax nach Villena. Das Kastell von Villena ist wie das in Biar mit den Felsplatten verschmolzen. In beide hat eine restauratorische Hand eingegriffen. So helfen Holzrampen bei der Burgentdeckung, ohne dass sie wie deplatzierte Fremdkörper wirken.

Bei der prächtigen Burg von Castalla, weiter ostwärts, zogen sich die Restaurierungsarbeiten elf Jahre dahin, erzählt Führerin Inma. Und sie berichtet von Geheimtunneln, einer unvollendeten Erweiterung und dem letztlichen Verfall der Anlage. Bereits im 18. Jahrhundert lag das Kastell in Ruinen, viele Steine fanden als Baumaterial anderweitig Verwendung. Wiederhergestellt sind der Palastbereich, das Quartier der Wachen, das Vorratslager und die Küche.

Burg und Dorf gleich perfekter Urlaub
Einfach von Burg zu Burg fahren, das geht natürlich – wäre aber zu schade. Die dazugehörigen Dörfer sind authentisch, die Gegenden von Wein- und Mandelanbau geprägt. So lassen sich nicht nur edle Tropfen kosten, sondern auch gebrannte Mandeln oder die Nougatplatte Turron. Und es gibt sogar hausgemachtes „Turron“-Eis, so wie in einem Gasthaus am Hauptplatz in Castalla.

Nach solch einer Kalorienbombe empfiehlt sich ein Bummel durch die freundlichen Gässchen – mit dem Blick hinauf zur Burg, dem gebieterischen Wahrzeichen des Ortes.

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