Kornaten: Delfine steuerbord

Die Passagiere der Kapetan Kuka schauen verblüfft. Der schnittige Motorsegler nimmt direkt Kurs auf eine steile Felswand – so scheint es. Erst aus der Nähe entpuppt sich der große Steinklotz als drei hintereinander liegende Inseln. Kein Problem für Kapitän Pedro Kalebic, sein Schiff sicher durch die Passage bei Smokvica zu steuern, einem der Eingänge in das skurrile Insellabyrinth der Kornaten.

Gen Norden räkelt sich lasziv hingestreckt die „Große Hure“ (Kurba Vela) in der blauen Adria. Auch die „Kleine Hure“ und ebenso „Großmutters Hintern“ gehören zu den etwas befremdlichen Inselnamen. Diese haben sich seit der K.-u.-k.-Zeit erhalten, als österreichisch-ungarische Landvermesser jede Insel mit Namen versehen und kartieren wollten. Da haben die schelmischen Bewohner von der Insel Murter den ungeliebten Besatzern so manchen Bären aufgebunden.

Die karge, schroffe Inselwelt der Kornaten wirkt wie aus der Zeit gefallen. Auf rund 220 Quadratkilometern zwischen Zadar und Sibenik liegen wie hingewürfelt 152 Inseln, Mini-Eilande und Riffe. 90 davon wurden 1980 zum Nationalpark ernannt, insbesondere wegen der schützenswerten reichen Unterwasserwelt.

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Wie eine Barriere liegt zum Festland hin Kornat, die größte Insel des Archipels, vor dem steinernen Puzzle – eine endlose Kette von kegelförmigen, verkarsteten und von Trockenmauern überzogenen Hügeln, gesäumt von einsamen Buchten. Stille liegt fast immer über der schönen Kravjacica-Bucht. Aber heute dümpeln Dutzende Fischerboote, Yachten und Ausflugsbarkassen im Halbrund vor einer schneeweißen Kapelle. Anfang Juli feiert hier der Pfarrer von Murter mit den Gläubigen eine Votivprozession zum Segnen der Schiffe. Der Priester steigt aus einem geschmückten Boot und schreitet zur kleinen Wallfahrtskirche „Muttergottes von Tarac“, gefolgt von festlich gekleideten Menschen. Die nahe gelegenen Fundamente einer Basilika aus dem 6. Jahrhundert zeugen davon, dass die Gegend einst fruchtbar und bewohnt war. Oberhalb des Karstfeldes von Tarac sind die Ruinen der Festung Tureta zu sehen, die der römische Kaiser Justinian ebenfalls im 6. Jahrhundert erbauen ließ.

Doch nicht alle Ruinen sind alt. Am Steilufer der Insel Mana stürzt ein Kliff 77 Meter ins Meer. Bis zu 40 Meter peitscht hier bei Sturm die Brandung hoch. Am Klippenrand ragen Ruinen eines verlassenen Dorfes auf. Was romantisch ausschaut, sind die in über 60 Jahren verwitterten Filmkulissen zu dem Melodram „Tobendes Meer“ mit Maria Schell. Der Film ist vergessen, die angeblich griechischen Dorfruinen sind noch immer ein Hingucker.

Im südlichen Ende des Nationalparks Kornati dreht Kapitän Pedro Kreise durch eine große Bucht. Er hat unsere Begleiter längst entdeckt: „Delfine steuerbord!“. Ein halbes Dutzend der Tümmler entzückt mit eleganten Sprüngen die Kreuzfahrer. Kapitän Pedro ist selbst ganz glücklich, seinen Gästen dieses Schauspiel zeigen zu können. Die in der Kvarner Bucht und vor Mitteldalmatien lebenden Adria-Delfine seien nicht häufig zu sichten. Heute steht die letzte Population dieser Spezies unter Schutz. Die sehr gute Wasserqualität lässt hoffen, dass sie für reichlich Nachwuchs sorgen. Es scheint zu klappen: Im Sommer 2017 berichtete das Blue World Institute auf der Insel Losinj von einem wahren Babyboom bei den Meeressäugern.

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