TUI plant auch eigene Flugzeuge zur Evakuierung

Erst die Gewalteskalation in Mexiko, jetzt der Krieg in Nahost. „Das ist die nächste Herausforderung für die Branche. Es soll nicht verharmlosend klingen, aber wir können mittlerweile in unseren Arbeitsprozessen gut darauf reagieren. Es ist eine hohe Belastung für alle“, sagt Sebastian Ebel im Vorfeld der ITB Berlin. Der TUI-Vorstandschef betonte mehrmals, dass er auf einen Regimewechsel im Iran hoffe.

Vier Manager in dunklen Anzügen stehen lächelnd vor einer blauen Wand mit TUI-Logo.
Müssen gerade auch mit der Nahost-Krise umgehen: TUI-Manager Stefan Baumert, Sebastian Ebel, David Schelp und Thomas Ellerbeck (von links). Foto: ras

Zwei der acht Kreuzfahrtschiffe der Mein-Schiff-Flotte sind derzeit in der Region, sie machen für TUI den Großteil der betroffenen Gäste aus. Dazu kommen Kunden, die in den Emiraten und in Oman ihre Ferien verbringen plus die Umsteiger Richtung Asien und Indischer Ozean. Für alle Gäste werde gesorgt, „wir haben Verantwortung“, so Ebel. TUI werde, so lange es nötig sei, für Unterkunft und Verpflegung für die Gäste aufkommen, auch in Zielen außerhalb der Emirate und Katar, wo dies nun die Regierung übernehme.

Eigene Flugzeuge zur Evakuierung

Höchste Priorität habe aber die Sicherheit der Gäste: Sobald der Luftraum freigegeben ist und man zudem eine Versicherung für das Flugzeug finde, könnten auch eigene TUI-Flugzeuge in das Krisengebiet geschickt werden, um die Gäste zu evakuieren, so Ebel weiter. Die Planungen hierfür laufen auf Hochtouren, auch an unkonventionellen Lösungen werde gearbeitet. „Natürlich kostet es Geld, aber es ist nicht substanziell. Wenn TUI etwas kann, dann ist das Krise“, betont Sebastian Ebel.

Zuvor hatte der Unternehmenschef bereits dem Sender N-TV gesagt, am heutigen Dienstag mit der Rückführung der TUI-Gäste beginnen. Dazu werde man auch mit den Airline-Partnern Emirates, Qatar Airways und Etihad kooperieren.

Ebel hofft außerdem, dass sich die Situation in den nächsten zwei Wochen in Nahost wieder stabilisiert habe, so dass „die Schiffe dann wieder normal im Einsatz sind“. Ob sich die Golfstaaten allerdings weiter so schnell wie bisher touristisch entwickelten und ob alle dort geplanten Hotelprojekte realisiert werden könnten, müsse man abwarten. Der Schock dort sitze tief.

Kunden buchen andere Ziele

Von einer allgemeinen Buchungsflaute seit Beginn des Nahost-Krieges könne man aber nicht sprechen. „Die Kunden weichen auf andere Ziele aus. Spanien, Portugal, Griechenland und die Kapverden profitieren derzeit von Neubuchungen“, berichtet der TUI-Chef. Das hätte man auch schon bei der Gewalteskalation vor zehn Tagen in Mexiko gemerkt – bei TUI zieht Mexiko bereits wieder stark an.

Allgemein komme man laut Ebel derzeit mit der Nahost-Situation auch finanziell gut klar, da man einen „unheimlich starken Winter gehabt habe“. Nun müsse man schauen, was der Sommer bringe.

Im Fokus steht für Sebastian Ebel weiter die Transformation des Unternehmens. Differenzierung, vor allem in den Hotel- und bei den Serviceprodukten wie etwa von TUI Musement, bringe eine höhere Kundenzufriedenheit, bessere Margen für TUI und könnten zudem die Resilienz fördern.

Eigene Marken stärken

Wichtig sei außerdem, die eigenen Brands zu stärken. Dies sei nicht nur für den Verkauf über den wichtigen Kanal Reisebüro wichtig, sondern auch für die Direktvermarktung. Künstliche Intelligenz verändere Suche und Kauf der TUI-Produkte derzeit immens.

Ein weiteres Ziel ist laut David Schelp, Vorstand Market & Airlines, sich noch breiter aufzustellen, was sowohl die Quellmärkte als auch die Urlaubsziele betrifft. Punktuelle Krisen werde es wohl immer geben, so Schelp. Da aber dennoch das Reisebedürfnis groß sei, müsse man bei Nachfrageverschiebungen dem Kunden Alternativen geben können.

Günstigmarke kommt

Auch produktseitig will TUI bald eine weitere Alternative bieten können. Noch vor dem Sommer soll die bereits angekündigte Günstigmarke vorgestellt werden. „Wir werden mit ihr in einem Quellmarkt zum Winter starten“, berichtet TUI-Chef Sebastian Ebel.