Im Rahmen seines „Turnaround“-Programms hat Lufthansa in den letzten knapp zwei Jahren viel investiert, um Flugbetrieb, Produktqualität und Unternehmensstruktur zu verbessern und letztlich wieder profitabel zu fliegen. Im Zeichen der Modernisierung steht aber auch ein anderer, aus Kundensicht wichtiger Bereich: die Sicherheit der Flugzeuge. Auch in der Wartung und Reparatur der Flotte spielen moderne Technologien wie KI, Digitalisierung und Automatisierung eine immer stärkere Rolle.

Flugzeug-Check in 50 Minuten
Einen Eindruck davon erhält man in einem Wartungshangar von Lufthansa Technik am Frankfurter Flughafen. Dort sind seit einigen Monaten Drohnen zur Flugzeuginspektion im Einsatz: Vollautomatisch umfliegen sie die Maschinen und dokumentieren den Zustand etwa von Rumpf, Triebwerken und Leitwerken mit hunderten von Fotos. Diese werten sie KI-unterstützt nach möglichen Schäden aus, wie sie etwa nach Blitzeinschlägen häufiger vorkommen. Eine enorme Arbeitserleichterung für die Mechaniker, die bisher rund acht Stunden brauchen, um eine Langstreckenmaschine zu checken – die Drohne erledigt das in 50 Minuten.
Dies ist nur eines von vielen Beispielen, wie die Kranich-Airline im technischen Flottenmanagement inzwischen auf Digitalisierung setzt. „Wir sind schon seit einigen Jahren dabei, ein digitales Ökosystem zu schaffen“, berichtet Thomas Spriesterbach, Technikchef bei Lufthansa.
„Unglaubliche Effizienzsteigerung“
Weitere Anwendungsfelder seien unter anderem digitale Dashboards zum Betriebsstatus, Wartungsplanung und Fehlerbehebung mit KI-Unterstützung bis hin zu „Computer Vision“-Systemen zur automatisierten Inspektion von Flugzeugreifen. Ziel sei nicht nur die Automatisierung von Routineaufgaben, sondern vor allem „verlässliche Vorhersagen, wann Komponenten ausfallen könnten, um sie rechtzeitig austauschen zu können“, so Spriesterbach. Für die Airline ist dies letztlich auch entscheidend für einen zuverlässigen Flugbetrieb.

Den Wert technologieunterstützter Flugzeugwartung hebt auch Jens Ritter, CEO von Lufthansa Airlines, in einem Mediengespräch hervor. Dies sei eine „unglaubliche Effizienzsteigerung“, was die Produktivität von Flugzeugen und Mitarbeitern angeht, und „sinnbildlich für das, was wir gerade bei Lufthansa in der Transformation erleben“. Neben dem Technologieeinsatz seien ein stabiler Flugbetrieb sowie die Verbesserung von Produkt und Erlösen entscheidende Hebel im Rahmen des Turnaround-Programms, mit dem die Airline allein in diesem Jahr einen Ergebnisbeitrag von über einer Milliarde Euro erreichen will.
Auf den Sommer gut vorbereitet
Davon profitieren inzwischen auch die Kunden, wie der Airline-Chef an einigen Beispielen illustriert. So werde nicht nur das Angebot mit der neuen Langstreckenkabine Allegris weiter ausgebaut, auch der Retrofit der Langstreckenflotte sowie die Modernisierung der A320-Kurzstreckenflieger schreite voran. Auf gute Resonanz stößt laut Lufthansa bereits jetzt der neue Premium-Service „Fox“, der auf der Fernstrecke seit Anfang Mai in allen Reiseklassen angeboten wird. „Nach nur einem Monat verzeichnen wir die beste Kundenzufriedenheit auf der Langstrecke seit 2019, wenn es um Speisen- und Getränkeangebot geht“, so Ritter.
Nicht zuletzt durch die zahlreichen Verbesserungen sieht sich Lufthansa auch auf die bevorstehenden Sommerferien gut vorbereitet. „Wir verzeichnen operativ den besten Start in den Sommer mit Lufthansa Airlines seit zehn Jahren“, berichtet der für Frankfurt zuständige Hub Manager Francesco Sciortino. Auf der Kurzstrecke sei die Pünktlichkeit um rund vier Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen und auf der Langstrecke sogar um acht Prozent.
Es wird sich zeigen, ob dieses Level auch zur Hochsaison gehalten werden kann. Allerdings ist die Messlatte nicht so hoch wie im letzten Jahr: Zum ersten Ferien-Wochenende am Ende des Monats werden am größten deutschen Drehkreuz rund 158.000 Passagiere erwartet – 15 Prozent weniger als 2025.



