
Der in Deutschland bisher marktführende Mietwagen-Broker Holiday Autos steht vor dem größten Einschnitt der Firmengeschichte. Die Marke des britischen Autovermieters, zu dem auch Holiday Autos Deutschland gehört, wird vom Mutterunternehmen Travelocity an den auf Mietwagen-Lösungen spezialisierten Software-Anbieter Car Trawler mit Sitz in Dublin verkauft.
Nach einer Mitteilung von Holiday Autos hat das zum Sabre-Konzern gehörende Reiseportal Travelocity eine Vereinbarung getroffen, wonach Car Trawler alle Rechte und immateriellen Vermögenswerte aus dem Direktkunden- und White-Label-Geschäft des Brokers erwirbt. Dies entspreche der Strategie von Travelocity, sich auf das Kerngeschäft zu konzentrieren sowie Investitionen in die Online-Reisemarken zu stärken. Der Kaufbetrag wurde nicht genannt. Der seit 2003 zu Lastminute.com gehörende Autovermieter war samt der Konzernmutter vor acht Jahren von Sabre übernommen worden.
Was der jetzt geplante Verkauf für den hiesigen Standort von Holiday Autos mit Sitz in München und somit für den in Deutschland starken Reisebüro-Vertrieb bedeutet, ist noch unklar. Ein Aus wird jedoch ausdrücklich nicht ausgeschlossen. Für das Trade-Geschäft, das vom Verkauf an Car Trawler ausgenommen wurde, würden derzeit Optionen in allen Märkten geprüft, heißt es von Travelocity. Dabei werde auch diskutiert, „sich aus dem äußerst hart umkämpften Mietwagen-Tradebereich zurückzuziehen“.
Obwohl der Schock beim Holiday-Autos-Team in München tief sitzen dürfte, läuft das Geschäft bis auf Weiteres wie gewohnt weiter. „Alle bisherigen Buchungen bei Holiday Autos sind gesichert und es werden auch neue angenommen“, versichert Unternehmenssprecherin Doris Schinagl. Bis die Prüfungen abgeschlossen seien, gelte „Business as ususal“.
Rund um Holiday Autos, deren deutscher Ableger in diesem Jahr 25 Jahre alt geworden ist, hatte es in den letzten Jahren immer wieder Turbulenzen gegeben. Mit einem neu aufgestellten Führungsteam in Deutschland und mehr Unterstützung vom Mutterunternehmen Holiday Autos International sollte zuletzt wieder mehr Ruhe ins Unternehmen einkehren. Das dürfte jetzt hinfällig sein.


