Wenn eine Fußball-Rivalität zwischen zwei Ländern legendär ist, dann die zwischen Deutschland und den Niederlanden. Es gibt zahlreiche Geschichten und Geschichtchen zu Duellen zwischen den Nachbarn – den meisten im Gedächtnis geblieben sein dürfte noch die „Spuck-Attacke“ von Frank Rijkaard auf Rudi Völler beim WM-Achtelfinale im Jahr 1990, die letztlich für beide zum Platzverweis führte. Von der Brisanz vergleichbar ist da allenfalls noch die Fußball-Historie zwischen Deutschland und England (Stichwort „Wembley-Tor“). Aber ich schweife ab.

Holland ist nicht die Niederlande
Denn bei aller Rivalität lohnt sich ein Blick auf das Land selbst. Zwar sind auch die Niederlande fußballverrückt. Aber das kleine Königreich an der Nordsee ist auf vielerlei Weise besonders: Es steht – natürlich – für Käse, Windmühlen, Grachten, Tulpenfelder und eine bemerkenswerte Fähigkeit seiner Menschen, dem Meer immer wieder Land abzuringen.
Übrigens: Der häufig synonym verwendete Begriff „Holland“ bezeichnet gar nicht das ganze Land, sondern genau genommen nur eine Region im Westen, die aus den zwei Provinzen Noord-Holland und Zuid-Holland besteht.
Mehr Fahrräder als Einwohner
Die Niederlande sind eines der am dichtesten besiedelten Länder Europas, wirken aber vielerorts erstaunlich entspannt. Das liegt nicht zuletzt am Fahrrad, dem beliebtesten Verkehrsmittel. Schätzungen zufolge gibt es im Land sogar mehr Fahrräder als Einwohner. In Städten wie Amsterdam oder Utrecht gehört das Rad ganz selbstverständlich zum Alltag und oft ist man mit Pedalen schneller unterwegs als mit dem Auto.
Berühmt sind die Niederlande außerdem für ihre Grachten, die historischen Wasserstraßen vieler Städte. Besonders Amsterdam zieht mit seinen schmalen Häusern, unzähligen Brücken und Kanälen jedes Jahr Millionen Besucher an. Die Grachten der Hauptstadt gehören sogar zum Unesco-Welterbe.
Windmühlen, Tulpen und Käse
Kaum ein Land wird mit so vielen Symbolen verbunden wie die Niederlande. Windmühlen prägen seit Jahrhunderten die Landschaft und dienten einst dazu, Wasser aus tiefer gelegenen Gebieten abzupumpen. Besonders bekannt ist das Windmühlendorf Kinderdijk, das zu den beliebtesten Sehenswürdigkeiten des Landes zählt.
Nicht weniger berühmt sind die Tulpen. Im Frühjahr verwandeln sich viele Regionen in ein buntes Blütenmeer. Ihren Ursprung haben die Blumen übrigens nicht in den Niederlanden, doch dort entwickelte sich im 17. Jahrhundert ein regelrechter Tulpen-Boom – der als eine der ersten Spekulationsblasen der Wirtschaftsgeschichte gilt.
Und natürlich wäre da noch der Käse. Sorten wie Gouda oder Edamer sind weltweit bekannt und werden bis heute mit den Niederlanden verbunden. In einigen Städten finden noch immer traditionelle Käsemärkte statt, die Besucher aus aller Welt anziehen.

Meister im Kampf gegen das Meer
Ein großer Teil der Niederlande liegt auf Höhe des Meeresspiegels oder sogar darunter. Über Jahrhunderte haben die Menschen deshalb Deiche gebaut, Land trockengelegt und ausgeklügelte Wasserbauwerke errichtet. Die gewaltigen Deltawerke im Südwesten des Landes gelten als eines der größten Wasserbauprojekte der Welt und schützen Millionen Menschen vor Sturmfluten.
Die enge Verbindung zum Wasser prägt das Land bis heute. Ob an der Nordseeküste, auf den friesischen Inseln oder entlang der zahlreichen Kanäle – Wasser ist in den Niederlanden allgegenwärtig.
Auch kulturell hat der kleine Nachbar eine beeindruckende Geschichte vorzuweisen. Künstler wie Rembrandt van Rijn, Johannes Vermeer und Vincent van Gogh zählen zu den bedeutendsten Malern der Kunstgeschichte. Ihre Werke locken jedes Jahr Millionen Besucher in die Museen des Landes. International bekannt sind die Niederlande zudem für ihre Offenheit und ihren liberalen Lebensstil.
Reiseziel direkt vor der Haustür
Bei deutschen Urlaubern gehören die Niederlande seit jeher zu den beliebtesten Reisezielen Europas – auch, weil das Land für viele quasi vor der Haustür liegt. Besonders gefragt sind die Nordseeküste mit ihren langen Sandstränden, die Inseln Texel, Ameland oder Terschelling sowie die Städte Amsterdam, Rotterdam, Den Haag und Maastricht. Auch Campingurlaub hat bei den Niederländern eine lange Tradition.
Wie die meisten Nachbarländer sind auch die Niederlande vor allem ein Urlaubsziel für Selbstfahrer – Pauschalreisen spielen daher eine untergeordnete Rolle. Dennoch haben viele Reiseveranstalter das Land im Angebot, beliebt sind dabei vor allem Ferienhäuser oder Unterkünfte in großen Ferienparks. Neben den großen Anbietern wie TUI und Dertour sind entsprechend zahlreiche Spezialisten etwa für Camping- oder Radreisen auf dem Markt.



