Auf dem jährlichen Hauptstadtkongress in Berlin fordert der DRV einmal mehr den Abbau von Bürokratie und Regulierungen. Gleichzeitig nimmt Präsident Albin Loidl die Branche in die Pflicht und spricht über eine dringend nötige Modernisierung der Ausbildung.

Es klingt fast schon wie ein Mantra, das kontinuierlich zu jeder Jahrestagung vom DRV wiederholt wird: „Die Reisewirtschaft braucht bessere Rahmenbedingungen für den Wandel.“ Denn die Branche stehe unter wirtschaftlichem Druck, befinde sich in einem tiefgreifenden Wandel und müsse mit steigenden Kosten und geopolitischen Krisen kämpfen.
Das alles ist genauso wenig neu wie der Ärger um wachsende regulatorische Anforderungen. Das weiß auch der vor einem Jahr neu ins Amt gewählte DRV-Präsident Albin Loidl und beschränkte sich deshalb in seiner Grundsatzrede beim Hauptstadtkongress des DRV nicht auf die Forderung nach „besseren politischen Rahmenbedingungen für die Branche“.
Investitionen in die Zukunftsfähigkeit
Vielmehr appellierte er auch an die Unternehmen, „den Wandel durch Digitalisierung und neue Geschäftsmodelle selbst aktiv zu gestalten und in ihre Zukunftsfähigkeit zu investieren“.
Genau das passiert aktuell auch – speziell bei Veranstaltern und Reisebüros: Die Projekte speziell in Bezug auf das Nutzen Künstlicher Intelligenz sind kaum noch zu zählen – und etwa bei Reisebüro-Organisationen wie der Raiffeisen Touristik Group (RTG) und Schmetterling bereits weit fortgeschritten.
Dennoch ist es Loidls Job, speziell beim Auftritt in Berlin, die Politik in den Fokus zu nehmen. So auch in diesem Jahr: „Die Reisewirtschaft braucht faire Spielregeln, wirtschaftlichen Spielraum und eine Politik, die Veränderung ermöglicht, statt sie auszubremsen“, betonte der DRV-Präsident.
Forderung nach Bürokratieabbau
Entscheidend seien wettbewerbsfähige Standortbedingungen, weniger Bürokratie und verlässliche Regeln, die auch für kleine und mittelständische Unternehmen praktikabel sind. „Es fehlt wirtschaftliche Dynamik und Zuversicht.“
Ein wichtiges Thema für die Branche seien zudem der massive Preisanstieg im Tourismus und die wachsende „Preissensibilität der Menschen“, wie es Loidl ausdrückte. „Wenn die Lebenshaltungskosten weiter steigen, geraten auch die Budgets vieler Menschen unter Druck.“
Die Politik müsse deshalb Bürgerinnen und Bürger entlasten und die Voraussetzungen dafür schaffen, dass Urlaub bezahlbar bleibe. Gleichzeitig brauche die Reisewirtschaft eine „sichere und bezahlbare Energieversorgung, eine funktionierende Infrastruktur und konsequenten Bürokratieabbau“.
„Die Reisewirtschaft ist ein beträchtlicher Wirtschaftsfaktor“, unterstrich Loidl während seiner Rede im Titanic Chaussee Hotel. Sie schaffe Millionen Arbeitsplätze und sichere Wertschöpfung. „Wenn Unternehmen investieren und Arbeitsplätze sichern sollen, dann muss die Politik einen verlässlichen Rahmen setzen. Einen Rahmen, der Veränderung ermöglicht, statt sie durch immer neue Kosten, Bürokratie und Überregulierung zu erschweren.“
Wir als DRV fordern weiterhin die vollständige Abschaffung der Luftverkehrssteuer.
Luftverkehr unter Druck
Besonders dringlich sei eine Verbesserung der Rahmenbedingungen für den Luftverkehr. Die kürzlich erfolgte Senkung der Luftverkehrssteuer sei ein Schritt in die richtige Richtung, reiche aber nicht aus. Der DRV fordert weiterhin die vollständige Abschaffung der Luftverkehrsteuer sowie niedrigere staatliche Gebühren und Abgaben.
„Deutschland kann nicht mehr internationale Verbindungen und Wachstum fordern und gleichzeitig das Fliegen ab Deutschland immer weiter verteuern. Dann verlieren am Ende alle – Reisebüros, Reiseveranstalter, Familien und letztlich der gesamte Wirtschaftsstandort.“
Kritisch bewertet der DRV die Rückzahlung von Vermittlungsgebühren bei Flugannulierungen im Rahmen der EU-Fluggastrechte-Reform. Loidl: „Regeln müssen fair sein und die tatsächlichen Verantwortlichkeiten abbilden. Wer Vermittlungsleistungen erbringt, darf nicht für Risiken haften, die er nicht steuern kann. Das schadet dem Reisevertrieb und den Travel Management Companies.“
Nachwuchsmangel in der Branche
Darüber hinaus warf Loidl einen kritischen Blick auf das Thema Nachwuchs. Qualifizierte Fachkräfte seien eine „zentrale Voraussetzung“ für die Zukunft. „Wir brauchen junge Menschen, die Lust auf die Reisewirtschaft haben“, betonte Loidl. „Und wir müssen ihnen eine Ausbildung bieten, die sie auf die Arbeitswelt von morgen vorbereitet.“
Eines der Probleme: Die Ausbildungsordnung für Tourismuskaufleute sei inzwischen 15 Jahre alt und müsse dringend an die veränderten Anforderungen angepasst werden. Gleichzeitig gefährdeten sinkende Ausbildungszahlen den Erhalt von Fachklassen und damit die Ausbildungsinfrastruktur.
Ausbildungsordnung benötigt Modernisierung
Der DRV habe deshalb die Modernisierung der Ausbildungsordnung auf die Agenda gesetzt. „Wir brauchen eine neue, zeitgemäße und zukunftsfähige Ausbildungsordnung“, forderte Loidl und dürfte sich damit der Zustimmung vieler Unternehmen, Auszubildenden und Reisebüro-Inhaber (-innen) wie etwa Ann-Katrin Lukasiewicz vom Reisebüro Grenzenlos in Emsdetten sicher sein.
Schade für den Verband: Die aktuelle Vorsitzende des Bildungsausschusses, Ulrike Katz, kündigte gestern ihren Rücktritt aus dem DRV-Amt an. Dabei übte sie scharfe Kritik am Verband. Ihr Hauptvorwurf: mangelnde Bereitschaft zur Veränderung.
Dank an Ulrike Katz
Zu diesem Vorwurf äußerte sich der Verband in einem heute versendeten Statement: Die Weiterentwicklung der Verbandsstrukturen werde im Vorstand „intensiv und ergebnisoffen“ diskutiert. Dazu gehöre „ausdrücklich auch die Frage, wie die Säule E im Verband eingebunden ist“. Die Diskussion sei Teil „eines laufenden Prozesses“.
Gleichzeitig dankte der Verband Ulrike Katz für ihre langjährige Arbeit im DRV „insbesondere“ bei Themen wie „Nachwuchsförderung und Weiterentwicklung der beruflichen Bildung in der Reisewirtschaft“.
Diese Themen, insbesondere die Modernisierung der Ausbildungsordnung für Tourismuskaufleute, werde der DRV weiter „konsequent verfolgen“. Denn angesichts der „Veränderungen in der Arbeitswelt, der Digitalisierung und des Einsatzes Künstlicher Intelligenz“ sei dies von „großer Bedeutung“ für die Branche.


