Die Vorsitzende des Reiseverbands VUSR, Marija Linnhoff, hat auf der gestrigen Tagung des Reiseverbands in Puerto de la Cruz auf Teneriffa einmal mehr auf die Gefahr eines Verlusts des Handelsvertreterstatus hingewiesen. „Wir haben noch zwei bis drei Jahre, dann könnte es grundlegende Änderungen geben“, sagte sie vor den rund 40 Tagungsteilnehmern im Hotel Botanico.
Reisebüro-Unternehmer sollten das Thema nicht länger ignorieren, sondern sich auf mögliche Veränderungen einstellen. Dabei gehe es in erster Linie um die Zusammenarbeit mit Reiseveranstaltern, um neue Vergütungsmodelle, aber auch um Alternativen für den Vertrieb.
Wege finden, Zukunft selbst zu bestimmen
„Wir müssen Wege finden, dass ein möglicher Wegfall des HV-Status nicht zum Wegfall der Reisebüros führt“, so Linnhoff. Anlass für die Warnung ist auch der noch nicht entschiedene Prozess von Aida gegen den Cashback-Anbieter S-Punkt. Grundsätzlich würden Reisebüros eine angepasste Vertriebsstrategie benötigen, so Linnhoff mit Blick auf die juristische Chancenlosigkeit gegen Rückvergütungen.
Aus Sicht der VUSR-Chefin befindet sich die Branche gerade „in einer Phase, in der sich entscheidet, wer künftig noch eine Rolle spielt“. Reisebüros müssten dabei auch Mut beweisen, denn es gebe „nichts zu verlieren“. Viele Büros hätten sich schon sehr gut auf die Zukunft eingestellt und könnten auf eine sehr enge Kundenbindung bauen. Bei andere sehe das leider nicht so gut aus.

Geschäft verändert sich
Besonders schmerzhaft ist aus Sicht von VUSR-Vorstand und Reisebüro-Inhaber Cyrus Nurischad aktuell der Wegfall vieler Familien. „Wir spüren die Finanzschwäche. Und leider wird auch das Hotel-only-Geschäft immer kleiner.“ Darauf müsse man Antworten finden.
Eine davon sei, den Mehrwert der Reisebüros zu erhalten und stärker herauszustellen. Dafür müssten gemeinsam mit den Veranstaltern neue Ideen entwickelt werden, so Cyrus Nurischad. Voraussetzung dafür sei, dass die Veranstalter das auch wollen „und den Wert der persönlichen Beratung“ schätzen.
Genau dieses Problem beschäftigt auch VUSR-Chefin Linnhoff. Dertour zum Beispiel verfüge mit der Rewe als Muttergesellschaft über eine Marketing-Power, die gewaltig sei. „Wenn wir als Reisebüros mit Dertour zusammenarbeiten, dann müssen wir dem Konzern etwas bieten, was er selbst nicht so hat wie wir“, verwies sie auf die starke Kundennähe der Reisebüros und das große Vertrauen vieler Kunden in diesen Vertriebsweg.
Einen weiteren Bericht von der VUSR-Tagung finden Sie auf dieser Homepage. Darin geht es auch um die neue Rolle des Verbands, der ab sofort für alle unabhängigen Reiseunternehmen der Branche sprechen will.


