Mit einem neuen Slogan und neuer Strategie startet der Reisebüro-Verband VUSR in die Zukunft. Dabei wird das „R“ im Kürzel umgedeutet: Statt „Verband unabhängiger selbstständiger Reisebüros“ heißt es künftig „Verband unabhängiger selbstständiger Reiseunternehmen“. Damit will sich der Verband deutlich breiter aufstellen, was sich auch im Slogan ausdrückt: „Die Stimme der Touristik“.
Der neue Auftritt, der heute auf der VUSR-Tagung im Botanico Hotel in Puerto de la Cruz auf Teneriffa vorgestellt wird, ist ein Angriff auf das Selbstverständnis des DRV. Der sieht sich als größter Verband der Touristik traditionell als „Stimme der Reisebranche“.
„Zu viel Zögern, Taktieren, Schönreden“
Aus Sicht von VUSR-Chefin Marija Linnhoff, die im vergangenen Herbst die Wahl zum Präsidenten des DRV gegen Albin Loidl verloren hatte, muss das kein Widerspruch sein. Denn das Ziel sei klar: „Die Branche braucht nicht so viele Verbände wie zurzeit.“ Sie wolle das Wort „Fusion“ von VUSR und DRV zwar nicht direkt in den Mund nehmen. Aber: „Wir benötigen mehr Zusammenarbeit. Unter welcher Führung, das muss sich zeigen“, so VUSR-Gründerin Linnhoff.
Eines müsse dabei allerdings ein Ende haben: „Es gibt in der Branche zu viel Zögern, Taktieren, Schönreden“, so Linnhoff. Dabei gebe es sehr viele Themen, die dringend zu lösen seien. „Wir brauchen Klarheit, Transparenz und Bewegung“, so die VUSR-Chefin bei ihrer Rede im Hotel Botanico.
Lob von TUI-Chef Sebastian Ebel

Welche Rolle sich der VUSR inzwischen erarbeitet hat, zeigte sich unter anderem in der Begrüßungsrede von TUI-Chef Sebastian Ebel, der live zugeschaltet wurde. Er sei Marija Linnhoff „sehr dankbar, dass sie politisch immer dran bleibt mit der von ihr bekannten Hartnäckigkeit“, so der TUI-Chef.
Das Produkt Pauschalreise erlebe immer mehr Bürokratie und bekomme immer mehr Kosten aufgehalst. „Das ist der falsche Weg. Und umso wichtiger ist ein Verband wie der VUSR. Gemeinsam können wir Themen anstoßen und der Politik den Spiegel vorhalten“, so Sebastian Ebel vor den rund 40 Teilnehmern des Kongresstages.
Große Unsicherheit in der Branche
Abgesehen von den Diskussionen zum eigenen Verband geht es auf der Tagung, an dem Reisebüro-Inhaber, Vertreter von Veranstaltern wie Dertour und Aida Cruises sowie diverse Politiker aus Deutschland und Teneriffa teilnehmen, unter anderem um Krisenbewältigung (Gastrednerin ist Melanie Gerhardt von Dertour), den anhaltenden Iran-Krieg inklusive Buchungsdelle, die Unsicherheiten bezüglich der fehlenden Endabrechnungen zur Überbrückungshilfe und die Berichte zum drohenden Kerosinmangel.
Vor dem hat Gastredner Sebastian Ebel allerdings keine Angst: Nicht nur TUI, sondern die gesamte Branche sei gut vorbereitet. Es gebe genügend Kerosin für die Sommersaison – bei den Preisen werde sich die Knappheit allerdings wohl auswirken, so der TUI-Chef.
Auch Linnhoff verweist darauf, dass man die aktuelle Situation ernst nehmen müsse. Entscheidend sei jetzt, nicht zusätzliche Panik zu schüren, sondern die Kunden sachlich zu informieren, flexibel zu reagieren und Vertrauen zu schaffen.
Markt wird sich stark verändern
Zugleich geht Linnhoff davon aus, dass sich die Nachfrage nachhaltig verschiebt und sich der Markt strukturell stark verändern wird. Das müsse auch in den Diskussionen über Cashbacks der Online-Portale und der Kreditinstitute eine Rolle spielen, so Linnhoff.
Reisebüros, die aufgrund der aktuellen Krise deutlich weniger Buchungen als im Vorjahreszeitraum generieren, rät der VUSR, „nicht in Schockstarre zu verfallen“. Vielmehr sei aktive Kundenansprache gefragt. „Reisebüros sind in solchen Phasen keine reine Buchungsstelle, sondern Krisenberater, Vertrauensanker und Übersetzer komplexer Informationen“, findet sie ähnliche Worte wie jüngst TUI-Vertriebsdirektorin Ilka Lauenroth auf der Jahrestagung von TLT-Urlaubsreisen („Reiseberatung powered by TUI“).
Verstärkter Fokus auf erdgebundene Reisen
Um aktuell verunsicherte Kunden doch für einen Urlaub zu begeistern, werden auf der heutigen VUSR-Tagung alternative Anreisen diskutiert, zum Beispiel mit Bus und Bahn. Das passt mitunter sogar zum Kreuzfahrtgeschäft: Die Anleger von Flussreisen sind traditionell auf diesem Weg gut zu erreichen – das gleiche gilt im Sommer auch zunehmend für Hochseereisen. So hat etwa Aida Cruises im Sommer rund 80 Prozent der Kapazitäten in Nordeuropa im Einsatz – mit Abfahrten von Hamburg, Kiel und Rostock.
„Reiseform nicht klein reden“
Gleichwohl weiß auch VUSR-Chefin Linnhoff, dass erdgebundene Angebote nicht einmal annähernd das Geschäft mit Flugreisen ersetzen können. „Trotzdem wäre es falsch, diese Reiseformen kleinzureden“, betont sie. Alternativen zu Flugreisen könnten „bestimmte Kundengruppen auffangen, Verunsicherung reduzieren und zusätzliche Buchungsanlässe schaffen“, ist sie sich unter anderem mit Interhome-Chef Jörg Herrmann einig.
Der hatte vor einiger Zeit in einem ta-Interview bemängelt, dass Reisebüros das Geschäft mit Ferienwohnungen im erdgebundenen Bereich unterschätzen. Dabei sei Interhome in vielem „besser als Airbnb“ und biete hervorragende Reisebüro-Tools, so Jörg Herrmann.
Einen Eindruck von den Vortouren des Kongresses erhalten Sie auf der Instagram-Seite von touristik aktuell. Eine ausführliche Bildergalerie finden Sie hier.


