Zum Auftakt der Jahrestagung der Reisebüro-Kooperation Schmetterling auf Rhodos hat der Geschäftsführer der Kooperation, Ömer Karaca, klare Worte für die aktuellen Missstände in der Touristik gefunden. Er übte scharfe Kritik am mangelnden Support vieler Veranstalter in Krisenzeiten und warnte vor einer ruinösen Abhängigkeit von großen Online-Portalen.
Gleichzeitig präsentierten Karaca und Inhaberin und Geschäftsführerin Anya Müller-Eckert, Tochter des Firmengründers Willy Müller, Ideen für das Reisebüro der Zukunft. So sollen neue Technologien wie Künstliche Intelligenz dabei helfen, sich aus der Abhängigkeit von Dritten zu lösen und den eigenen unternehmerischen Erfolg datengetrieben selbst in die Hand zu nehmen.
„Wir haben einen großen Wandel angestoßen, und wir gehen mit viel Optimismus in die Zukunft“, so Anya Müller-Eckert vor rund 500 Reiseverkäufern und Touristikern im Kongresszentrum Rhodos Palace. Schmetterling sei „familiär, lösungsorientiert und zuverlässig. Und genau das macht uns so stark.“
Scharfe Kritik an Veranstaltern
Auslöser der Kritik von Ömer Karaca während seiner Keynote-Rede war der Umgang mit der Eskalation im Nahen Osten seit Ende Februar. Reisebüros positionieren sich traditionell als Vertrauensanker und verkaufen mit der Pauschalreise ein Versprechen: „Buche Sicherheit, buche Sorglosigkeit, verlass dich zu 100 Prozent auf uns.“
Doch die Realität sieht laut Karaca inzwischen anders aus: Der so oft gelobte Verbraucherschutz der Pauschalreise existiere mitunter nur noch auf dem Papier. „Wenn es ernst wird, ziehen sich manche Veranstalter aus der Verantwortung“, kritisierte Karaca und setzte fort: „Statt partnerschaftlicher Unterstützung hagelte es automatische Stornierungen und mangelhafte Alternativen zu saftigen Aufpreisen.“
Die Folge: Reisebüros hingen stundenlang in den Warteschleifen der Veranstalter, mussten den Frust der Kunden abfedern und verloren im schlimmsten Fall ihr Gesicht, weil die Unterstützung der Leistungsträger fehlte.
Veranstalter machen sich abhängig von Onlinern
Auch die aktuellen Cashback- und Rabattaktionen im Online-Vertrieb kritisierte der Schmetterling-Chef scharf. Werbemaßnahmen mit Rückvergütungen von bis zu 800 Euro würden den Markt in einen „ruinösen Preiskampf“ treiben.
An die Adresse der Veranstalter richtete er eine eindringliche Warnung: „Wer 20 bis 30 Prozent seines Umsatzanteils bei einem Online-Portal macht, begibt sich in eine massive Abhängigkeit. Euer Produkt wird systematisch kopiert, ihr werdet ganz sicher und bald schmerzhaft ausgesteuert.“
Der Erfolg vieler Online-Portale basiere maßgeblich auf ihrer datengetriebenen Arbeitsweise. „Die Onliner sind in der Zwischenzeit ein Stück an uns vorbeigezogen. Das ist die Realität“, stellte Karaca mit Bedauern fest.
„Start-ups können auf uns neidisch sein“
Im Vertrieb gelte daher die Regel, sich auf die eigenen Stärken zu konzentrieren und sich nicht auf andere zu verlassen. Reisebüros verfügen über einen enormen Datenschatz, auf den selbst Silicon-Valley-Start-ups neidisch blicken könnten. Die Crux: In der Praxis werde dieser Schatz meist wenig genutzt.
Um dieses schlafende Potenzial endlich zu heben, präsentiert Ömer Karaca die nach seiner Aussage „erste Agentic-AI-Lösung dieser Art für den stationären Reisevertrieb“. Das neue System übernimmt in Schmetterling-Büros ab sofort im Hintergrund die standardisierte Fleißarbeit der Angebotserstellung.
Karacas direkter Appell an die anwesenden Reisebüro-Inhaber und Reiseverkäufer: „Lasst die KI machen, vertraut ihr ein bisschen und seht die Lösung als Unterstützung im Alltag.“ Der so gewonnene Freiraum könne in das investiert werden, was kein Algorithmus der Welt kopieren kann: Qualität, Persönlichkeit und Beratungskompetenz.
Mehr Zeit abseits des „Brot-und-Butter-Geschäfts“
Dass dieser Freiraum dringend nötig ist, untermauerte Karaca mit einem bekannten Branchenproblem: „Lasst uns ehrlich sein: Euer Alltag besteht oft aus dem ‚Brot-und-Butter-Geschäft‘ der klassischen Pauschalreise. Das bindet Zeit, kostet Kraft und die Provisionen stehen oft in keinem Verhältnis zum Aufwand.“
Ziel von Schmetterling sei es daher, das Tagesgeschäft für die eigenen Mitgliedsbüros so profitabel zu steuern, dass der Kopf wieder frei werde für hochpreisige Warenkörbe und „anspruchsvolle, tiefe Beratung“.
Ein entscheidender Hebel dafür sei das neue, für Partner kostenfreie Provisions-Cockpit. „Wir in der Zentrale sehen Jahr für Jahr, wie viel Provision an euch Reisebüros vorbeigeht, weil Umsatzziele zwar insgesamt, aber nicht pro Reiseveranstalter erreicht werden“, erklärte der CEO.
„Ende des Blindflugs in der Beratung“
Um die individuelle Steuerung zu erleichtern, erfasse das Cockpit daher nicht nur Pauschalreisen, sondern das komplette Bild: Versicherungen, Nur-Hotel-Buchungen, Hotelboni und Nebenleistungen. Das Herzstück ist eine Prognosefunktion basierend auf drei Säulen: dem Status quo, der Jahresend-Prognose und der direkten „Aktion“ – dem Wissen, wie viel Umsatz exakt bis zur nächsten Staffelstufe fehlt.
„Wir beenden den Blindflug in der Beratung“, versprach Karaca. Verkäufer würden „gezielt dabei unterstützt, die Produkte zu verkaufen, die den Kundenwunsch erfüllen und die Arbeit des Reisebüros gleichzeitig fair entlohnen“.



