Loro Parque: Chef Kiessling verwundert über Dertour

Der Vice President der Gruppe Loro Parque, Christoph Kiessling, hat im Zuge der gestrigen VUSR-Tagung auf Teneriffa die Entscheidung von Dertour kritisiert, Tierparks mit Meeressäugetieren aus dem eigenen Programm zu nehmen.

Der Reisekonzern hatte Ende 2025 entschieden, „keine Ausflüge oder Attraktionen mehr anzubieten, die das natürliche Verhalten von Meeressäugern beeinträchtigen“. Ziel sei es, „das Wohlergehen von Walen, Delfinen und anderen Meeressäugern zu schützen“, hieß es damals.

Ein Mann in einer dunklen Jacke steht vor einer großen Weltkarte mit vielen markierten Tierarten und Artnummern.
Loro-Parque-Chef Christoph Kiessling vor der Karte mit den weltweiten Projekten, mit denen die Stiftung des Parks Tiere in freier Wildbahn schützt. Foto: mg

Pauschale Entscheidung von Dertour

Die pauschale Entscheidung von Dertour für alle Parks dieser Art weltweit verwundert Kiessling. Denn der Loro Parque erfülle die Forderung nach artgerechter Haltung. Dies sei wissenschaftlich belegt – und dies könne Dertour prüfen. „Leider hat uns Dertour aber erst nach der Entscheidung besucht – da war es leider zu spät“, bedauert der Chef des Loro Parque.

Für fundierte Kritik ist Kiessling grundsätzlich offen. Das wissen auch viele Touristiker, die den Manager bei Führungen und Diskussionsrunden erlebt haben, etwa bei der jüngsten VUSR-Tagung oder vor einem Jahr beim RTK Destination Forum. Gegen falsche Kritik wehrt sich der Manager jedoch. Die größte Herausforderung für den Park seien „die vielen Fake News von Ideologen, die nicht wissenschaftlich arbeiten, sondern an Sensationsnachrichten interessiert sind“, kritisiert Christoph Kiessling.

Kiessling: Viel „Ideologie“ hinter der Kritik

Während seines Vortrags im Hotel Botanico versicherte er einmal mehr: „Unsere Arbeit, wie wir sie machen, ist artgerecht. Wir tun keinem Tier weh, wir arbeiten wissenschaftlich – und wir haben nachweislich Arten vor dem Aussterben bewahrt.“

Es sei auch wissenschaftlich belegt, dass sich das soziale Verhalten der Meeressäugetiere im Loro Parque nicht von dem in freier Wildbahn unterscheide. „Die Tiere fühlen sich bei uns wohl. Denn bei uns steht die artgerechte Haltung ganz oben“, versichert Christoph Kiessling.

Dertour ist mit dem Stopp allein im Reisemarkt

Diplomatisch zeigte sich während der Diskussionsrunde auf der VUSR-Tagung Dertour-Manager Karl Pojer. Die Entscheidung sei für alle Parks dieser Art weltweit getroffen worden – „und da gibt es leider auch schwarze Schafe“, so der erfahrene Touristiker. Er selbst sehe die fundierte und tiergerechte Arbeit des Loro Parque positiv.

Dertour steht mit dem Ausschluss bislang ziemlich allein im deutschen Reisemarkt: Alle anderen großen Veranstalter bieten den Loro Parque einer ta-Umfrage zufolge weiterhin an. TUI hat dem Park sogar ein Gütesiegel verliehen.

Besonders verwundert zeigten sich während der VUSR-Tagung viele Teilnehmer über die Praxis von Dertour, weiterhin unter anderem Walbeobachtung in freier Wildbahn anzubieten. Dazu hat auch Christoph Kiessling eine klare Meinung: „Diese Art des Tourismus ist eine riesige Belastung für die Tiere.“