
Die beiden norwegischen Reedereien Havila Voyages und Hurtigruten schneiden im diesjährigen „Kreuzfahrt-Ranking“ des NABU am besten ab. Mit neun von 14 möglichen Punkten seien aber auch sie „noch deutlich von einer Kreuzfahrt mit gutem Gewissen entfernt“, befindet die Umweltschutzorganisation. Die stellt der Kreuzfahrtbranche insgesamt wie schon in den Vorjahren ein schlechtes Zeugnis aus. „Kreuzfahrt und Klimaschutz kommen noch nicht zusammen“, so das Fazit. Der internationale Kreuzfahrtverband CLIA sieht das anders.
Steigende Treibhausgasemissionen und starke Luftverschmutzung seien weiterhin die größten Probleme der Kreuzfahrtindustrie, heißt es in einer aktuellen Pressemitteilung des NABU. Es gebe allerdings erste Ankündigungen, die einen klimafreundlichen Betrieb versprächen. Positiv zu erwähnen sei, so die Naturschützer, „dass sich kein Unternehmen mehr herausnimmt, keine Maßnahmen zur Emissionsminderung zu ergreifen“.
Große Unterschiede innerhalb der Flotten
Zwischen den Reedereien, aber auch innerhalb deren jeweiliger Flotte, gebe es jedoch weiterhin große Unterschiede. Insbesondere viele Bestandsschiffe werden kaum sauberer, kritisiert die Organisation. Dies gelte „leider auch für die deutschen Marken wie Aida und TUI“. Verbesserungen würden fast nur auf neuen Schiffen umgesetzt. Die dortigen Innovationen sichern Aida den Spitzenplatz unter den Reedereien mit großen Schiffen.
„Es wirkt aus der Zeit gefallen, dass die Mehrzahl der großen Schiffe weiterhin mit dem besonders giftigen, aber billigen Schweröl unterwegs ist. Die Branche muss endlich den Ausstieg vollziehen“, wird Leif Miller, Bundesgeschäftsführer der Umweltschutzorganisation, in der Mitteilung zitiert.
Anbieter kleinerer Kreuzfahrtschiffe werden laut NABU zu Vorreitern beim Klima- und Umweltschutz. Neben technischen Lösungen sei hier „insbesondere eine ambitionierte und gleichzeitig klare politische Regulierung in Norwegen verantwortlich“, heißt es mit Blick auf die beiden Erstplatzierten im Ranking, Havila und Hurtigruten, die beide in norwegischem Staatsauftrag fahren. In dem Land sei durch strenge Vorgaben ein Innovationsschub ausgelöst worden, dessen Resultat schon bald klimaneutrale Kreuzfahrten sein könnten, so die Hoffnung der Organisation. Landstrom, Batterien und E-Fuels auf Basis von grünem Wasserstoff werden auch anderorts die Grundlage dafür bilden, erwartet der NABU.
Die Nutzung von LNG kritisiert der Naturschutzbund. Der daraus resultierende Anstieg der Methanemissionen sei „besonders besorgniserregend“, warnt NABU-Schifffahrtsexperte Sönke Diesener. Diese seien über 80-mal klimaschädlicher als CO2.
Positive Worte findet die Organisation beim Thema Landstromanschlüsse. Die beschlossenen Vorgaben der EU zur Nutzung seien „höchst begrüßenswert“, die Kreuzfahrtbranche und deutsche Häfen nähmen hier „eine positive Vorreiterrolle“ ein.
CLIA betont Fortschritte der Kreuzfahrtindustrie
Der internationale Kreuzfahrtverband CLIA reagierte mit einem Statement auf das aktuelle Kreuzfahrt-Ranking des NABU. „Ohne die zugrunde liegende Methodik (des Rankings) zu kennen“, betont der Reedereiverbund, dass die „Kreuzfahrtindustrie ihre Fortschritte in Sachen Nachhaltigkeit kontinuierlich ausbaut“. Sie tätige „enorme Investitionen, um eine der nachhaltigsten Formen der Urlaubsreise zu werden, indem sie ihren ökologischen Fußabdruck in Bezug auf Emissionen und Abfall-Management reduziert“.
Die CLIA-Mitgliedsreedereien hätten sich verpflichtet, bis zum Jahr 2050 weltweit kohlenstofffreie Kreuzfahrten anzubieten. „Dieser branchenweite Ehrgeiz übertrifft die von Regierungen auf nationaler und internationaler Ebene gesetzten Ziele, einschließlich der langfristigen Ziele der EU, ein kohlenstoffneutraler Kontinent zu werden“, heißt es.
Und weiter: Schon heute testen Kreuzfahrtunternehmen den Einsatz erneuerbarer – nicht fossiler – Kraftstoffe, und mehr als 15 Prozent der Kreuzfahrtschiffe, die in den nächsten fünf Jahren in Dienst gestellt werden, sollen mit Brennstoffzellen oder Batterien ausgestattet sein, um eine hybride Energieerzeugung zu ermöglichen, die in Spitzenzeiten zusätzliche Energie liefert, sobald die Technologie verfügbar ist.
Beim Thema Landstrom fordert der Verband weiterhin Unterstützung von der Politik: Behörden müssten der Einrichtung entsprechender Infrastrukturen in den Häfen Vorrang einräumen, da es derzeit nur wenige Anschlüsse gebe. Neue Anlagen wurden in den deutschen Häfen Hamburg, Rostock und Kiel eingerichtet.
Nähere Informationen zum NABU-Kreuzfahrt-Ranking 2023 gibt es hier. Unter einem weiteren Link hat die Organisation Details zum Ranking veröffentlicht. Die CLIA hatte bereits im April ein Toolkit zum Thema Nachhaltigkeit eingerichtet.


