Reisevertrieb

Zukunftstage: Buller für Notfallfonds

Michael Buller, Vorstand VIR, favorisiert eine Fonds-Lösung

Michael Buller, Vorstand VIR, favorisiert eine Fonds-Lösung. Foto: VIR

Michael Buller, Vorstand des Verbands Internet Reisevertrieb (VIR), hat sich während der aktuellen Webinar-Reihe „Zukunftstage für den Reisevertrieb“ für die Einrichtung eines Notfallfonds ausgesprochen. Die Rückzahlung der Kundengelder sowie der Provisionen stelle derzeit das größte Problem für die Tourismusunternehmen dar und „bringt uns an den Rand des Abgrunds, wenn keine passende Lösung gefunden wird“. 

Laut Buller kommt der Geldfluss gerade völlig zum Erliegen, was einen Neustart umso schwieriger mache. Gegen eine Gutschein-Lösung, die in den vergangenen Tagen immer wieder ins Gespräch gebracht worden war, spreche unter anderem, dass auch Gutscheine bilanziert werden müssten. „Mit einem Gutschein ist zwar auch die Liquidität vorerst gesichert, aber es kommt zu einer bilanziellen Überschuldung“, sagte Buller.

Er fordert daher von der Bundesregierung die schnelle Einrichtung eines Absicherungsfonds für die Reiseindustrie, wie es sich schon zur Zeit der Bankenkrise im Jahr 2008 bewährt habe. „In diesen Fonds können die Reiseveranstalter die Rückzahlungen an ihre Kunden auslagern, zugleich treten sie die Forderungen gegenüber den Leistungsträgern ab“, erläutert der VIR-Vorstand. „Auch die Leistungsträger oder Reisevermittler können ihre Rückzahlungsverpflichtungen dorthin auslagern.“ Als Schuldner übernimmt die Bundesregierung.

Fonds in Form einer Datenbank

Buller schlägt vor, den Fonds in Form einer Datenbank zu installieren. Ihm schwebt vor, dass eine Handvoll sogenannter Midoffice-, Backoffice- und Finanzbuchhaltungssysteme in ihren Systemen die Buchungen aller Akteure im deutschen Touristikmarkt verwalten. „Dies beinhaltet die Forderungen von Kunden, Provisionsabwicklungen oder auch Abrechnungen von Zulieferern“, sagte er. „Diese könnten über Schnittstellen eine zentrale Rolle in der Lieferung und Verwaltung der rückzahlungspflichtigen Buchungen an den Fonds spielen.“

Die Reiseveranstalter, Leistungserbringer und Reisevermittler müssten sich im Gegenzug wiederum verpflichten, innerhalb eines angemessenen zeitlichen Rahmens von beispielsweise drei Jahren die Zahlungen rückzuerstatten. „Dies kann zu einem niedrigen Zinssatz von einem Prozent und einer kleinen Bearbeitungsgebühr erfolgen“, betont Buller.

Gefordert sei nun ein rasches Handeln. „Uns läuft als Industrie die Zeit davon. All die Vorschläge für Hilfspakete und Lösungsmaßnahmen, die die touristischen Verbände eingereicht haben, helfen vielen Branchen, aber möglicherweise nicht mehr unserer eigenen.“

Buller ist einer der Referenten, die am gestrigen Donnerstag und heutigen Freitag während einer digitalen Veranstaltung des touristischen Unternehmens „Tourismuszukunft“ rund um die Corona-Krise Hilfestellung und Tipps geben.

DRV-Kampagne gut angelaufen

Der VIR-Chef und Ellen Madeker vom DRV forderten die Teilnehmer auf, auf die Notsituation der Branche aufmerksam zu machen. „Uns fehlt nicht nur das Geld wie den anderen Branchen auch, sondern es wird uns auch noch abgezogen“, sagte Madeker. Sie verwies auf die Kampagne des DRV „Wer reisen liebt, verschiebt“, die gut angelaufen sei.

„Wir sind schon einige Wochen weiter, als die anderen Branchen. Uns hat Corona bereits mit voller Wucht erwischt“, sagte Buller. Es komme nun darauf an, ob die Politik die Situation der Branche erkenne, erläuterte er und verwies auf einen Brandbrief, den zahlreiche Verbände und Unternehmen an die Bundeskanzlerin gesandt haben. (siehe hier). Darin fordern sie, das Nothilfeprogramm nachzubessern.

Probleme gibt es laut Buller beispielsweise bei der Beantragung der Überbrückungskredite. Die Hausbanken forderten eine Bürgschaft, zudem gehe der Zinssatz bis zu sieben Prozent. „Ich bin mir nicht sicher, ob das ein geeignetes Mittel ist.“

Als gut funktionierende Instrumente, um die Liquidität zu wahren, führte Buller Kurzarbeitergeld sowie Steuerstundungen an. Darüber hinaus wies er auf das Tool von TAA hin. Auf der Website des Dienstleisters www.taa.de können sich Unternehmen Hilfen für ein anstehendes Bankgespräch holen. 

Zahlreiche Unternehmen haben bereits Kurzarbeit angemeldet, wie eine Blitzumfrage von Michael Faber, Inhaber der Tourismuszukunft, ergab: Von rund 500 Teilnehmern gaben 49 Prozent an, sich bereits in Kurzarbeit zu befinden, 25 Prozent haben Kurzarbeit ab April angemeldet.

Das weitere Programm der Zukunftstage finden Sie hier. Die Forderung des VIR an die Politik finden Sie hier.