Der Iran-Krieg macht dem Tourismus zu schaffen – und schlägt sich auch in der Halbjahresbilanz von TUI nieder: Auf 40 Millionen Euro beziffert der Konzern die Kosten, die durch den Konflikt am Golf entstanden sind. Glück im Unglück: Die beiden Schiffe von TUI Cruises konnten nach wochenlangem Warten Mitte April ihre Liegeplätze in Dubai und Doha verlassen und stehen somit dem Markt wieder zur Verfügung.

Davon abgesehen kann die TUI Group mit dem ersten Halbjahr zufrieden sein: Die Zahl der Gäste stieg um 200.000 auf 12,8 Millionen Urlauber, das operative Ergebnis verbesserte sich um 45 Millionen Euro auf minus 111 Millionen Euro. Im negativen Bereich ist das Ergebnis aufgrund der traditionell schwächeren Wintersaison.
Auch Hurrican sorgt für hohe Kosten
Hinzu kamen Kosten durch den Hurrikan Melissa. Sie werden von TUI auf rund fünf Millionen Euro beziffert. Unter dem Strich fiel der Verlust im Winterhalbjahr dennoch mit knapp 237 Millionen Euro um 19 Prozent geringer aus als im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz stieg um 1,3 Prozent.
CEO Sebastian Ebel sieht das Unternehmen nach den ersten sechs Monaten des Geschäftsjahres grundsätzlich auf Kurs, bleibt für den Sommer aber vorsichtig. Das zweite Halbjahr werde „aufgrund der geopolitischen Herausforderungen und dynamischen Rahmenbedingungen hohen Einsatz und Flexibilität erfordern“, so der Konzernchef.
Kreuzfahrten stützen das Ergebnis
Der Bereich Urlaubserlebnisse mit Hotels, Kreuzfahrten und TUI Musement erzielte im zweiten Quartal ein bereinigtes Ebit von 176 Millionen Euro, nach 172 Millionen Euro im Vorjahr. Ohne Belastungen im Mittleren Osten wäre das Ergebnis um 20 Millionen Euro höher ausgefallen, heißt es im aktuellen Quartalsbericht.
Hotels & Resorts lagen mit 103 Millionen Euro leicht über Vorjahr – trotz des Hurrikans in Jamaika und einer schwächere Nachfrage für Mexiko. Bereinigt um den Jamaika-Effekt seien die Durchschnittsraten um zwei Prozent gestiegen und die Auslastung um einen Prozentpunkt auf 79 Prozent.
Das Kreuzfahrtsegment steigerte das bereinigte Ebit im ersten Halbjahr um knapp 26 Prozent auf 163 Millionen Euro. Erstaunlich: Im zweiten Quartal lag der Wert laut TUI trotz Belastungen von 20 Millionen Euro aus dem Iran-Krieg bei gut 80 Millionen Euro. Die Durchschnittsrate stieg um zwei Prozent auf 223 Euro.
Zentraleuropa: Veranstalter im Minus
Im Veranstaltergeschäft sieht man laut Sebastian Ebel weiter einen Trend zu „differenzierten Produkten“ und dynamisch paketierten Reisen. Letztere legten nach TUI-Angaben um zwölf Prozent auf 500.000 zu. Auch die Verkäufe über die TUI-App, in die auch Reisebüros eingebunden sind, seien deutlich gestiegen und hätten im zweiten Quartal 11,4 Prozent des Gesamtumsatzes ausgemacht.
Regional entwickelte sich das Geschäft unterschiedlich. In der Region Zentral mit Deutschland, Österreich, der Schweiz und Polen verschlechterte sich das bereinigte Ergebnis im zweiten Quartal um sieben und im ersten Halbjahr insgesamt um drei Prozent.
Hoffnung auf die Mein Schiff Flow
Für das zweite Halbjahr liegt die gebuchte Auslastung in der Sparte Hotels & Resorts Sebastian Ebel zufolge um sechs Prozentpunkte unter dem Vergleichszeitraum. TUI führt das auch auf eine Nachfrageverlagerung vom östlichen ins westliche Mittelmeer zurück. Die Raten werden nach Prognosen des Konzerns im zweiten Halbjahr um vier Prozent steigen.
Bei Kreuzfahrten belasten ausgefallene Einsätze der Mein Schiff 4 und Mein Schiff 5 von April bis Mitte Mai den Ausblick. Die verfügbaren Passagiertage lägen dennoch um sechs Prozent über dem Vorjahr, heißt es. Einer der Gründe dafür ist die Indienststellung der Mein Schiff Flow ab Mitte Juni 2025.
Sommer: Noch genügend Kapazitäten
Im Veranstalter- und Airline-Geschäft geht es TUI wie dem ganzen Markt: Für den Sommer, zu dem auch die anstehenden Pfingstferien gehören, wird sehr oft kurzfristig gebucht. Bislang ist Sebastian Ebel gerade mal „gut die Hälfte der verfügbaren Kapazität“ verkauft. Das passt zur Aussage von Vertriebsdirektorin Ilka Lauenroth, die auf der Schmetterling-Jahrestagung sagte: „Wir haben noch einiges zu verkaufen.“
Sebastian Ebel macht dies allerdings nicht nervös, denn vor einem Jahr sei es nicht groß anders gewesen. Auch 2025 hätte zu diesem Zeitpunkt „knapp die Hälfte der Verbraucher, die eine Urlaubsreise planten“, noch nicht gebucht gehabt.


