WM-Serie: Portugal und die Monsterwellen von Nazare

Portugal gehört seit Jahren zu den festen Größen im internationalen Fußball. Spieler wie Eusebio, Luis Figo und Cristiano Ronaldo, auch wenn er beim WM-Auftakt etwas blass geblieben ist, haben dafür gesorgt, dass das Land mit seinen rund elf Millionen Einwohnern weit größer wirkt, als es die Landkarte vermuten lässt.

Auch als Reiseziel gehört Portugal zu den beliebtesten Ländern Europas. Besucher zieht es in die Altstadt von Porto, in die verwinkelten Gassen Lissabons oder an die Strände der Algarve. Doch eine der spektakulärsten Attraktionen des Landes liegt an der Atlantikküste rund 120 Kilometer nördlich von Lissabon.

Wo die Wellen zu Bergen werden

Der Fischerort Nazare hat sich in den vergangenen Jahren zu einem Pilgerort für Surfer entwickelt. Der Grund sind Wellen, die regelmäßig höher werden als ein Wohnhaus.

Möglich macht das der Nazare-Canyon, eine gewaltige Unterwasserschlucht vor der Küste. Sie bündelt die Kraft des Atlantiks und sorgt dafür, dass sich hier einige der größten surfbaren Wellen der Welt auftürmen.

Wie spektakulär das sein kann, zeigte der deutsche Surfer Sebastian Steudtner. Er stellte in Nazare einen Weltrekord auf, als er eine 26,21 Meter hohe Welle ritt – höher als ein achtstöckiges Haus.

An stürmischen Wintertagen kommen Tausende Besucher in den Ort, um das Naturschauspiel von den Klippen aus zu beobachten. Surfer dagegen versuchen, auf den Wasserbergen möglichst lange die Kontrolle zu behalten.

Die Seefahrer-Nation

Dass ausgerechnet Portugal zur Heimat dieser Monsterwellen ist, passt zur Geschichte des Landes. Über Jahrhunderte war das Meer Lebensader, Handelsweg und Ausgangspunkt großer Entdeckungsreisen.

Im 15. und 16. Jahrhundert gehörte Portugal zu den bedeutendsten Seefahrernationen der Welt. Von hier aus brachen Entdecker wie Vasco da Gama auf, um neue Handelswege zu erschließen.

Bis heute trägt die portugiesische Nationalmannschaft deshalb den Spitznamen „Os Navegadores“ – die Seefahrer. Und vielleicht ist es kein Zufall, dass ein Land mit nur elf Millionen Einwohnern regelmäßig Weltklassespieler hervorbringt. Die Portugiesen scheinen Herausforderungen zu mögen – auf dem Fußballplatz ebenso wie auf dem Surfbrett.

In unserer WM-Serie bereits erschienen sind Beiträge zu folgenden Ländern:

Mexiko
Usbekistan
Curacao
Bosnien und Herzegowina
Kolumbien
Senegal
Kap Verde
Japan
Jordanien
Kroatien