Wer an Belgien denkt, denkt vorrangig an Pommes und Schokolade – doch nicht nur kulinarisch hat das Land etwas zu bieten: Hier wurde die erste Börse der Welt gegründet, eine Statue eines pinkelnden Jungens wurde zum Nationalsymbol und in einem Wald verläuft eine Grenze mitten durch Cafés und Häuser. Unsere WM-Serie führt dieses Mal nach Belgien.
Sportlich gehört Belgien seit Jahren zu den erfolgreichsten Fußballnationen Europas. Die „Roten Teufel“, wie die Nationalmannschaft auch genannt wird, erreichten bei der Weltmeisterschaft 2018 in Russland mit Platz drei ihr bislang bestes Ergebnis. Bei der Fußball-Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko siegte Belgien in Gruppe G und trifft am 1. Juli auf Senegal.
Grand-Place als einer der schönsten Marktplätze Europas
Belgien ist zwar flächenmäßig klein, zählt aber zu den kulturell vielfältigsten Ländern Europas. Drei Amtssprachen – Niederländisch, Französisch und Deutsch – prägen den Alltag. Die Hauptstadt Brüssel ist Sitz der Nato und das politische Herz der Europäischen Union. Das historische Zentrum mit dem Grand-Place gehört zum Unesco-Weltkulturerbe und gilt als einer der schönsten Marktplätze Europas.
Weltweit bekannt ist Belgien für seine Schokolade. Mehr als 2.000 Chocolatiers und zahlreiche traditionsreiche Hersteller produzieren jedes Jahr Hunderttausende Tonnen der süßen Spezialität. Die berühmte Praline wurde Anfang des 20. Jahrhunderts in Brüssel erfunden und ist heute aus den Auslagen belgischer Confiserien nicht mehr wegzudenken.
Zwei der größten Schokoladenfabriken, Callebaut und Puratos, sind in der Region Flandern angesiedelt. Flamen, so heißt es bei Visit Flanders, seien der Schokolade treu ergeben. Pro Jahr werden pro Kopf rund sechs Kilogramm Schokolade konsumiert.

Pommes zunächst bei ärmeren Bevölkerungsschicht beliebt
Ebenso legendär und mindestens genauso schmackhaft sind Pommes, deren Ursprung einer Legende zufolge in Belgien liegt. Ihr zufolge fror um das Jahr 1650 die Maas zu, sodass die Menschen keine kleinen Fische mehr fangen konnten, die sie normalerweise im heißen Fett frittierten. Aus der Not heraus sollen sie Kartoffeln in dünne Streifen geschnitten haben, damit diese den Fischen ähnelten, und sie stattdessen ausgebacken haben. Die „Pommes frites“, die frittierten Kartoffeln, entwickelten sich so zu einer sättigenden Mahlzeit, die zunächst vor allem bei ärmeren Bevölkerungsschichten beliebt war.
Eine der wohl kuriosesten Sehenswürdigkeiten befindet sich ebenfalls in Brüssel: das Manneken Pis. Die gerade einmal 61 Zentimeter große Bronzefigur eines urinierenden Jungen ist zu einem Wahrzeichen des Landes geworden. Besonders außergewöhnlich ist ihre Garderobe. Mehr als 1.000 verschiedene Kostüme besitzt die Figur und wird zu besonderen Anlässen regelmäßig umgezogen.
Eine Grenze sorgt für Furore
Nicht weniger ungewöhnlich ist das Dorf Baarle, das sich Belgien und die Niederlande teilen. Die Grenze verläuft dort kreuz und quer durch Straßen, Häuser und sogar Restaurants. Teilweise entscheidet die Lage der Haustür darüber, in welchem Land sich ein Gebäude offiziell befindet. Weiße Kreuze auf dem Pflaster markieren den Grenzverlauf und machen den Ort zu einer beliebten Touristenattraktion.
Dass Pommes und Bier prima zueinander passen, weiß man auch in Belgien. Mehr als 1.500 verschiedene Biersorten werden im Land gebraut. Besonders beliebt sind die Trappistenbiere, die bis heute in Klöstern nach traditionellen Verfahren hergestellt werden. Die belgische Bierkultur wurde von der Unesco sogar als immaterielles Kulturerbe anerkannt.
Freilichtmuseum für Comicfans
Doch nicht nur Städtereisende kommen in Belgien auf ihre Kosten. Naturfreunde zieht es in die Ardennen. Das bewaldete Mittelgebirge erstreckt sich über den Süden Belgiens und bietet zahlreiche Wanderwege, Flüsse und Burgen. Besonders beliebt sind Kanutouren auf der Ourthe oder Wanderungen durch die dichten Wälder, die im Herbst in leuchtenden Farben erstrahlen.
Wer Belgien besucht, begegnet außerdem immer wieder den berühmten Comicfiguren des Landes. Tim und Struppi von Erfinder Hergé (Georges Remi), die Schlümpfe von Peyo (Pierre Culliford) oder Lucky Luke von Morris (Maurice de Bevere) stammen aus belgischer Feder.
Seit 1991 werden laut Visit Brussels Hausfassaden in Brüssel regelmäßig mit Comic-Wandbildern gestaltet. Inzwischen gibt es mehr als 80 dieser Kunstwerke, die die Stadt zu einer Art Freilichtmuseum für Comicfans machen.




