Südafrika

Luxusprobleme in Kapstadt

Neue Luxusherberge mit Blick auf den Tafelberg: das One & Only Cape Town.

Neue Luxusherberge mit Blick auf den Tafelberg: das One & Only Cape Town.

Südafrika: Im neuen One & Only Cape Town stellt sich dem Gast die Frage: Lieber das Hotel genießen – oder die Stadt?

Schmuckstück des One & Only: das Wine Loft mit über 5.000 Flaschen.

Schmuckstück des One & Only: das Wine Loft mit über 5.000 Flaschen.

Auf dem Dach des Grand Daddy Hotels stehen ausrangierte Airstream-Caravans.

Auf dem Dach des Grand Daddy Hotels stehen ausrangierte Airstream-Caravans.

Hinter der Tür von Zimmer 503 kann man sich einwandfrei ausbreiten. Keine der 131 Wohneinheiten im One & Only Cape Town ist kleiner als 63 Quadratmeter. Zimmer 503 hat zwei King-Size-Betten, auf dem sich Kissen und Decken in Braun- und Beigetönen türmen. Ob man einen Schnorchel braucht, um noch atmen zu können, wenn man sich in die Plüschberge wirft? Üppig ist auch alles andere: die freistehende Badewanne, die begehbare Dusche, der riesengroße Flachbildschirm und der Balkon mit Blick auf den Tafelberg von Kapstadt.

Mit dem One & Only Cape Town ist die Luxushotelkette erstmals in einer Stadt präsent. PR-Mann Etienne De Villiers blitzt der Stolz aus den Augen, wenn er sagt: „Wir sind das teuerste Hotel von Kapstadt.“ Zur Eröffnung im April seien die Stars in Heerscharen gekommen, schwärmt De Villiers, und nennt Namen wie Sharon Stone, Clint Eastwood und Nelson Mandela. Im Festsaal des Hotels finden 120 Personen Platz, darüber hinaus gibt es drei Restaurants: japanisch, italienisch und afrikanisch.

Schmuckstück ist das Wine Loft, ein gläsernes Regal über drei Stockwerke, bestückt mit mehr als 5.000 Flaschen. Auf der Weinkarte sind fast 600 Weine ausgeschrieben, 100 davon können gläserweise bestellt werden. „Eine größere Auswahl bietet kein anderes Hotel in Südafrika“, sagt De Villiers, und rühmt die Weinproben des Hauses als „One & Only-Moments“.

Die Gefahr ist groß, dass man sich nach derlei Genüssen pappsatt in Zimmer 503 ablegt – oder im 1.200 Quadratmeter großen Spa bei einer afrikanischen Massage runterfährt. Die Wellness-Oase liegt auf einer künstlichen Insel vor dem Hotel, die auch 40 Apartments und einen Infinity-Pool mit Dailybeds beherbergt.

Allerdings wäre es eine Sünde, nicht vor die Tür zu gehen und die hübscheste Stadt Südafrikas zu schmähen. Also nicht an der „Vista Bar“ des One & Only versumpfen, die mit „Evolution“-Drinks in den Versionen Past, Present und Future zum Verweilen einlädt, sondern ab ins Zentrum. Wer gut zu Fuß ist, kann die Strecke laufen. Szene-Kenner gehen in die „Daddy Cool Bar“ im Grand Daddy Hotel: weiße Sitzgelegenheiten, goldene Wände und die angeblich größte Tequila-Auswahl Kapstadts. Auf dem Dach des Hotels sind ausrangierte Airstream-Caravans gruppiert, jede der silbernen Büchsen ist von einem anderen Künstler zu Zimmern ausgestaltet: plüschig und blumig die eine, in 50er-Jahre-Bravheit eine andere.

Als Alternative zur Weinprobe im One & Only empfiehlt sich der Wein-Shop „Winesense“ im Parterre des Mandela Rhodes Place Hotel. Unter dem Motto „Try before you buy“ werden dort Selbstbedienungsweinproben angeboten: Man zapft sich den Tropfen seiner Wahl aus einer Flaschenbatterie – ein Glas, ein halbes oder nur einen Schluck. Konkurrenz für das One & Only ist auch das Boutique-Hotel Cape Heritage am Heritage Square. In dem Gemäuer aus dem 18. Jahrhundert verbirgt sich ein lauschiger Innenhof, und die Einrichtung – Ledermöbel, dunkle Holzböden, Tierfelle – ist anmutiger als das steife Design im One & Only.

Dafür hat die Luxusburg andere Attraktionen, ein 200 Quadratmeter großes Fitnesscenter zum Beispiel, in dem man sich unter Aufsicht eines Personal Trainers ertüchtigen kann. Kinder lassen sich im „Kids Only“-Club mit Kuschelecke und Playstation verwahren. Auch Babysitter sind buchbar, und rund um die Uhr springt auf Wunsch ein Butler.

Der Gast des One & Only Cape Town hat ein Luxusproblem: Soll er die Annehmlichkeiten des Hotels genießen – oder die Buntheit Kapstadts? Walk in Africa (www.walkinafrica.com) hat die Lösung parat, denn das Unternehmen bietet Stadtrundgänge verschiedener Länge an. Wer den Schnelldurchlauf macht, besichtigt das bonbonbunte Malaien-Viertel und das Space Theater, das als erstes Theater von Schwarzen besucht werden durfte und unter Denkmalschutz steht. Auch in den Pan African Market in der Long Street tauchen die Touristen ein. Kunsthandwerk aus 14 Ländern liegt dort aus, Schmuck, Kleider und Township-Kunst wie Blechflugzeuge aus Coca-Cola-Dosen und Kronkorken für sieben Euro. Ein Kauf sichere einem Township-Kind Essen für viele Tage, animiert der Verkäufer.

Ob vom Luxus erschöpft oder vom Stadtrundgang: Bevor man in Zimmer 503 endlich in die Kissen sinken kann, steht noch ein letzter Akt an: alle Schalter zu finden, um das Lichtermeer zu löschen. Ganz wird das nicht gelingen, weil stets noch einige Notlampen und allerlei elektrische Gerätschaften glimmen. Angesichts so viel Technikspielerei würde es nicht überraschen, wenn sich am Bett ein Schaltknüppel fände, um damit durch die Balkontür hinaus über den Tafelberg zu fliegen, mitten hinein in den Sternenhimmel.

Pilar Aschenbach

Kommentar schreiben