Tunesien

Meerwasserkur orientalisch

Ohne Salzwasser geht gar nichts: das Mittelmeer am Sidi-Mahres-Strand auf Djerba.

Auf Djerba erlebt man, warum Tunesien führend in Sachen Thalasso ist

Vom Feinsten: das Thalasso-Zentrum im Hotel Yadis. Fotos: cd

Fast körperwarm ist das Seewasser im lichtdurchfluteten Hallenbad. Therapeut Wael schiebt je eine Pool-Nudel unter die Kniekehlen und unter die Schultern des Gastes und rät: „Einfach die Augen schließen und sich treiben lassen.“ Sanft bewegt Wael den ihm willenlos überlassenen Körper im Wasser hin und her und lockert die Muskulatur dabei mit sicheren Griffen. Nach zehn Minuten darf man wieder die Augen öffnen und selbst aktiv werden. Wael legt am Rand des Bassins einen Schalter um, und schon wallt und schwallt es aus zig Düsen über und unter Wasser. Nach der Anwendung ist Ausruhen angesagt. Man relaxt und nippt am Kräutertee mit Minze oder Eisenkraut, bis das nächste Programm zum Entspannen ansteht. Das kann ein mit ätherischen Ölen und Algenessenzen angereichertes Bad sein oder eine Massage unter der Meerwasserdusche. Schon die alten Griechen wussten um die Kraft des Seewassers. „Das Meer heilt die Krankheiten der Menschen“, konstatierte Euripides. Doch das Wissen geriet in Vergessenheit, bis im 19. Jahrhundert die ersten Seebäder in Mode kamen und der französische Arzt Bonnadiere eine Doktorarbeit über die Meerwasserkur verfasste, die er Thalasso-Therapie nannte. Der Begriff leitet sich vom griechischen Wort „Thalassa“ für Meer ab.

Beim Baden im erwärmten Seewasser sowie dem Einatmen von feinst verteiltem Salzdunst werden Mineralstoffe und Spurenelemente wie Kalzium, Magnesium, Brom, Jod und Eisen aufgenommen. Eine Thalasso-Kur unterstützt die Behandlung von Rheuma, Arthrose, Atem- und Stoffwechselerkrankungen sowie Herz- und Kreislaufproblemen. Vor allem aber ist sie perfekt geeignet, um Stress abzubauen.

„Die Deutschen sind mit Thermalwasser gut vertraut, können jedoch mit Thalasso wenig anfangen“, sagt Madame Dorra Mouelhi, Leiterin des Thalosso-Zentrums im Hotel Yadis auf Djerba. 80 Prozent der dortigen Klienten sind Franzosen – obschon die auch im eigenen Land kuren könnten. Doch die Atmosphäre in den orientalischen Zentren ist eine ganz andere. Hier inszeniert man die Seewasserkur wie einen orientalischen Traum, die Architektur der Zentren lässt an Paläste aus Tausendundeiner Nacht denken. Mal finden sich Stuckaturen wie in der Alhambra, mal Hufeisenbögen aus Marmor, mal Keramikwände, über die das Wasser rinnt. Leise Sphärenmusik erklingt, Rosenduft liegt in der Luft. Das Personal ist sehr freundlich und zugewandt. Und die Preise sind wesentlich günstiger als in Europa.

Mehr als ein Dutzend Zentren finden sich allein auf Djerba. Sie stehen auch Hotelgästen aus anderen Häusern offen. Angebote zum Kennenlernen mit drei bis vier Behandlungen gibt es überall. Wer es einmal ausprobiert hat, kann von Thalasso und dem ozeanischen Gefühl nicht mehr lassen. Mehr Infos unter www.tunesien.info/aktivitaeten/thalasso.
Claudia Diemar

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