Südafrika

Der Himmel über Südafrika

Wanderwege soweit das Auge reicht: die Drakensberge.

Vom touristischen Durban in die Einsamkeit der Drakensberge

Der Indische Ozean lockt Durbans Einwohner schon am Morgen an. Fotos: wog

Wie schön ist Durban doch am Morgen: dann, wenn die Sonne aus dem Indischen Ozean steigt, ihre Strahlen die gediegenen Wohnviertel an den Hängen illuminieren. Schon ab acht Uhr tummelt sich ein buntes Völklein unten, entlang der ausgedehnten Strandpromenade: Jogger und Skater, Schulkinder, Frauen in Burka, Surfer auf dem Weg in die Wellen. Jung und Alt toben bereits in der gleißenden Gischt, am Horizont ziehen große Containerschiffe vorbei. Ihr Ziel: Durbans gigantischer Hafen - der größte Afrikas.

Mit Wehmut verlassen wir die subtropische Metropole, tuckern ins Landesinnere, Richtung Nordwest. Dorthin, wo sich die Kette der Drakensberge erstreckt: ein Wandergebiet vom Feinsten, mit Gipfeln über 3.000 Meter, senkrechten Wänden und weiten Hochplateaus, mit wilden Graten, Wasserfällen und alten Felszeichnungen. Maloti-Berge heißen sie im benachbarten Königreich Lesotho. Zwischen September und November - dem südafrikanischen Frühling - sprenkeln unzählige Wildblumen dort die hochgelegenen Wiesen.

Hinter Durban steigt das Land in Stufen beständig an, sind weite Grasebenen bestanden mit Schirm-Akazien. Eukalyptus-Haine wurden angepflanzt - Holz vor allem für die Papierindustrie. Bald stehen Kühe auf sattgrünen Wiesen. In Lidgetton bestaunen wir die motivreiche Keramik von Ardmore - begehrte Werke einheimischer Künstler.

Dann führt die Fahrt durchs Champagne Valley, eine idyllische Hügellandschaft mit Gras, Kiefern und Fichten. Hier lassen auch Südafrikaner gerne die Seele baumeln. Sie fischen oder gehen spazieren. Sie relaxen auf den Terrassen komfortabler Gästehäuser, im Schatten von Platanen und Eichen, die im Mai und Juni bereits in bunten Herbstfarben schillern. Hortensien blühen, Grapefruits und Orangen baumeln an Bäumen. Direkt dahinter wölbt sich bereits die Kette der zentralen Drakensberge empor. "Hier kommst du wirklich zur Ruhe", versichert Dave Goldsworthy, Chef der idyllischen Ama Casa Cottages.

Doch wir wollen noch weiter, in den Norden der Bergkette. Dorthin, wo die südafrikanischen Provinzen Kwazulu Natal und Free State mit dem Königreich Lesotho so etwas wie ein Länderdreieck bilden. Royal Natal National Park heißt diese Region. Dort ragt der Sentinel Peak über 3.000 Meter in den Himmel - ein gewaltiger Klotz, der bei Sonnenuntergang glutrot erstrahlt. Dort formt die fast senkrechte, 1.000 Meter hohe Felswand des Amphitheaters einen mächtigen Bogen. Und der Devil's Tooth - der Teufelszahn - zeigt aus diesem acht Kilometer langen Felszirkus wie ein erhobener Zeigefinger in die Höhe. Dort rauschen auch die schmalen Tugela Falls vom Rand des Felsplateaus 948 Meter in die Tiefe - die zweithöchsten Wasserfälle der Welt.

Für eine Tour in diese spektakuläre Bergwelt starten wir von der gut 2.000 Meter hoch gelegenen Witsieshoek Mountain Lodge, nahe dem Städtchen Phuthaditjhaba und bequem mit dem Auto erreichbar. Klipp-Springer und Klipp-Schliefer hüpfen hier oben durchs Gelände - sie erinnern an Gemsen und Murmeltiere. Über gut sichtbare Wege erreichen wir eine Hochebene, bewundern die Silhouetten der Drakensberge, tiefgestaffelt bis zum Horizont.

Um wieder nach unten zu gelangen, wählen wir die Chain Ladder: Dabei müssen Wanderer auf Eisenleitern insgesamt 34 Meter teils senkrechte Felspassagen absteigen. Schwindelfreiheit oder gute Nerven sind hier Pflicht. Doch am Abend hocken wir schon wieder gemütlich in unsere Berg-Lodge zusammen und schlürfen Amarula - natürlich eisgekühlt.
Wolfgang Gessler

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