Marokko

Rote Stadt mit grüner Pracht

Einer von vielen grünen Orten in Marrakesch: die Jardins de la Menara. Foto: istockphoto

Zahlreiche Gärten liegen in und um Marrakesch

La Rouge, „die Rote“, wird Marrakesch oft genannt. Doch hinter ihren ockerfarbenen Fassaden trägt die Stadt zu Füßen des Atlas auch vielerorts Grün. Fast jeder der inzwischen zu Gästehäusern umgewidmeten Riads, die sich zu Hunderten in den Gassen um die Djema el Fna drängen, macht seinem Namen Ehre und besitzt einen kleinen, bepflanzten Innenhof – denn Riad bedeutet im Arabischen nichts anderes als Garten. Auch die einfacheren Häuser der Medina, Dar genannt, sind um einen schattigen, begrünten Patio gebaut.

Einzigartig innerhalb des Mauerrings von Marrakesch ist hingegen der Arsat Al Mamoun, einer jener vier Gärten, die Mohammed Ben Abdellah al-Khatib, von 1757 bis 1790 Sultan von Marokko und Herrscher von Marrakesch, für seine vier Söhne zu deren Hochzeit anlegen ließ. Ein prächtiger großer Pavillon schmückte das blühende Geschenk für den Prinzen Mamoun bereits im 19. Jahrhundert. Nach seinem Abriss legte die marokkanische Eisenbahngesellschaft ONCF in den 20er Jahren auf dem Gelände den Grundstein für das luxuriöse, unter König Hassan II. sowie unter seinem Sohn Mohammed VI. jeweils aus- und umgebaute Hotel La Mamounia.

Von fast all Zimmern der Fünf-Sterne-Herberge bietet sich ein herrlicher Blick auf den weitläufigen Garten mit seinem üppigen Bewuchs: Dutzende hoher Palmen und Aleppo-Kiefern, ein Bambuswäldchen und mehr als 350, zum Teil Jahrhunderte alte Olivenbäume, aus deren Früchten das Hotel nun erstmals ein eigenes Öl pressen ließ. Dazu Rosen in allen Farben, Jaccaranda, Oleander, Kakteen – und Pomeranzen-Bäumchen. Aus ihren bittersüßen Orangen stellt die Küche des Mamounia seit Kurzem Marmelade her, welche nicht nur auf den Frühstückstisch kommt, sondern auch zum Sortiment des neuen Mamounia-Shops zählt.

70 Gärtner kümmern sich um den sieben Hektar großen Mamounia-Garten. Vor allem auf dem breiten Streifen an der Stirnseite des Areals haben sie stets reichlich zu tun: dort liegen die Gemüsebeete. Neben fast einem Dutzend Salatvarianten wachsen dort Artischocken, Karotten sowie viele andere gesunde Esspflanzen und Kräuter, die allesamt Eingang finden in die kulinarischen Kreationen der Hotelrestaurants.

Außer der artenreichen Oase des La Mamounia hat Marrakesch noch eine Reihe von Gärten jenseits der Stadtmauer zu bieten, darunter das kleine Juwel des Malers Jacques Majorelle sowie den ebenfalls aus einer Anlage von Sultan al-Khatib erwachsenen Cyberpark mit dem kleinen Telefon-Museum.

Dann sind da noch die Jardins d’Agdal südlich des Königspalastes, deren Wurzeln buchstäblich zurückgehen ins 12. Jahrhundert und deren botanische Vielfalt sogar jene der Jardins de la Menara übertrifft. Beide Gärten stehen übrigens auf der Liste des Unesco-Welterbes. In der Palmeraie indes eröffnete 2011 ein neues Museum mit Werken zeitgenössischer marokkanischer Künstler.

Jüngstes Beispiel für die Symbiose von Natur und Kunst ist der „Paradiesgarten“ von André Heller rund 25 Kilometer südlich der Stadt. Seit 2009 nimmt der grüne Traum des Wiener Künstlers Gestalt an auf einer Brache, die einst eine Rosenfarm war. Die Eröffnung ist für Ende 2015/Anfang 2016 geplant.
Rita Henss

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