Australien

Ningaloo Reef: Safari an Land und zu Wasser

Wie im südlichen Afrika: ein stimmungsvoller Abend im Zeltcamp Sal Salis

Wie im südlichen Afrika: ein stimmungsvoller Abend im Zeltcamp Sal Salis

Walhaie und Wildnis, Kängurus und Korallen: Am Ningaloo Reef in Westaustralien trifft das Outback auf den Ozean

Mehrere Monate im Jahr machen Walhaie Station am Ningaloo-Riff

Mehrere Monate im Jahr machen Walhaie Station am Ningaloo-Riff. Fotos: hb

Am Ende der Welt leben keine Menschen mehr. Sondern nur noch Landschaft, Himmel, Meer – und ein paar ungeschickte Zweibeiner. Wer vor Sonnenaufgang aufschreckt, weil etwas gegen die Zeltwand geplumpst ist, sieht unterm bleichen Licht des Monds nur Schatten, die durch die Dünen hoppeln.

Dabei spielen sie Verstecken zwischen den Zelten und rütteln an den Schnüren. Es sind Gespenster, die leise knabbern: Kängurus laben sich an frischem Grün, wenn der Morgentau noch in den Gräsern hängt.

Mutter Natur sorgt für die besten Inszenierungen, auch an der Küste Westaustraliens. Der größte Bundesstaat des Kontinents ist so groß wie Westeuropa. Dank nur 2,5 Millionen Einwohnern tritt sich hier niemand auf die Füße, auch nicht 1.250 Kilometer nördlich von Perth: Dort liegen nahe des Städtchens Exmouth der Cape Range National Park an Land und der Ningaloo Marine Park im Wasser.

Die Unesco hat das Areal zum Weltnaturerbe erklärt: Das Sandmeer des Outbacks trifft auf ein rund 300 Meter hohes, von Schluchten und Höhlen zerfressenes Kalksteinplateau und dann auf den Indischen Ozean. Hinter dem Türkis der Lagune liegt das Ningaloo Reef: etwa 300 Kilometer lang, das größte Saumriff Australiens. „Das Great Barrier Reef in Queensland liegt weit entfernt vom Festland“, sagt Jamie Campbell vom Department of Environment and Conservation. „Beim Ningaloo Reef sind es oftmals nur 100 Meter. Man schwimmt vom Strand aus los, macht ein paar Züge und ist sofort mittendrin.“

Im Nationalpark gibt es Stellplätze für Camper und eine besondere Unterkunft. „In Afrika wollen Besucher bei einer Safari der Natur so nah wie möglich kommen. Wir haben dieses Konzept auf Australien übertragen“, sagt Charles Carlow, der einen einweist in die Regeln des Öko-Camps Sal Salis. Ein paar Meter entfernt vom Strand hat er auf hölzernen Plattformen Zelte errichtet. Telefon und Fernseher gibt es nicht. Solarzellen liefern Strom für ein paar LED-Lämpchen. Und die Komposttoilette kommt ohne das hier rare Trinkwasser aus.

Man kann mit Naturführern von Sal Salis durch die Schluchten des Nationalparks kraxeln. Man kann an Wasserlöchern auf Schwarzpfoten-Felskängurus warten und allerlei Vögel beobachten. Man kann aber auch nach Hinterlassenschaften der Aborigines suchen, die hier vor vielen Tausend Jahren in den Höhlen Unterschlupf fanden. Die meisten Besucher kommen, um im ganzjährig warmen Wasser zu schnorcheln. Taucher rühmen gar den Navy-Pier in Exmouth als einen der besten Dive Spots der Welt: Steinfische und Zackenbarsche, Feuerfische, Muränen und Seeschlangen tummeln sich um das künstliche Riff.

Buckelwale machen am Ningaloo Reef bei ihren Wanderungen durch die Weltmeere Station, und auch Walhaie, die größten Fische der Welt. „Vermutlich liegt es an den reichen Planktonvorkommen: Die Tiere müssen sich hier fühlen wie im Schlaraffenland“, erklärt Campbell. Touren zu den manchmal mehr als zwölf Meter langen Fischen mit den Riesenmäulern boomen, denn dank der Ortung per Kleinflugzeug sind die Erfolgschancen außerordentlich hoch.

Die Walhaie sollen von Touristenbooten nicht gestört werden. So fahren die Tender bis auf 50 Meter heran. Dann geht’s mit Taucherbrille und Schnorchel ins Meer, um die Giganten an sich vorbeiziehen zu lassen. Mit ihnen mitzuhalten ist unmöglich: Die Walhaie mit ihren graublauen Flecken auf dem weißen Rücken sind die besseren Schwimmer.

Helge Bendl

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