Spanien

Spanien: Britische Einflüsse

Postkartenidylle im Hafen von Mahon auf Menorca.

Postkartenidylle im Hafen von Mahon auf Menorca. Foto: Wikimedia

Mahon: Die Hauptstadt Menorcas ist sehenswert

Früher als irgendwo sonst in Spanien geht über der Bucht von Mahon, auf menorquinisch Mao genannt, die Sonne auf. Menorca ist Iberiens östlicher Vorposten im Mittelmeer. Und die fjordartige Bucht von Mahon gilt als einer der schönsten und sichersten Häfen des Mittelmeeres. Das weckte oft genug in der Geschichte die Begierde fremder Herren: Griechen, Phönizier und Römer gingen hier bereits vor Anker, gründeten Siedlungen und Handelsniederlassungen. Vandalen, Osmanen und Araber folgten, im Jahre 1708 erobern dann die Briten Menorca. Von kurzen Unterbrechungen abgesehen, bleiben sie fast hundert Jahre die Herren der Insel, machen Mahon mit seinen heute rund 28.000 Einwohnern zur Hauptstadt und prägen das Gesicht der Insel.

Der riesige Naturhafen von Mahon (nach Pearl Harbor auf Hawaii der zweitgrößte der Welt) mit seinen drei vorgelagerten Inselchen lässt sich am besten bei einer Bootstour entdecken. Das Ausflugsboot durchschneidet den blaugrünen Spiegel des Wassers. Der Blick zurück auf das weiße Häusergewürfel zeigt pure Postkartenschönheit. Hoch oben auf einem Hügel thront das traditionsreiche Luxushotel Port Mahon in britischem Kolonialstil. Ein Stück weiter leuchtet die goldorange Fassade der Golden Farm. Für die zahlreichen britischen Urlauber, die „ihrer“ Insel treu sind, ist das Haus Lord Nelsons ein regelrechter Wallfahrtsort. Dass der Nationalheld hier mit seiner Geliebten Lady Hamilton unter Menorcas Sonne geturtelt haben soll, ist allerdings nichts als romantische Prosa. Nelson weilte nur einmal vor Ort auf Kurzbesuch – nachweislich ohne weibliche Begleitung.

Neben den typisch britischen Schiebefenstern, verglasten Balkonen und Türöffnern haben die Engländer Menorca auch den Gin gebracht. Würziges Wacholderaroma dringt aus der kleinen Destillerie Xoriguer am Kai, wo nach alter Art der Schnaps destilliert wird, den die Menorquiner am liebsten als „Pomada“, das heißt mit Limonade verlängert, zum Aperitif nehmen. Dann ist man gestärkt für einen Rundgang durch das umtriebige Städtchen, das seinen täglichen Markt im Kreuzgang eines ehemaligen Konvents abhält. Weniger profan geht es im Kloster Sant Francesc und in der Kirche Santa Maria zu, deren Prunkstück eine gewaltige Rokoko-Orgel mit über 3.000 Pfeifen ist. Im Sommer finden hier täglich Konzerte statt.

Wie zweigeteilt erscheint die mediterrane Stadt. Auf dem Felsplateau hoch über dem Hafen liegt die verwinkelte Altstadt mit ihren dunklen Gassen sowie kleinen Plätzen, Klöstern und Kirchen. Unten an der sonnenübergleißten Bucht ziehen sich Straßencafés, Restaurants und Souvenirläden an der Hafenpromenade entlang.

Wo genau in der Stadt die Mayonnaise erfunden wurde, ist nicht geklärt. Jedenfalls wurde Mao im Juni 1756 vom französischen Herzog Richelieu erobert. Als kulinarische Bereicherung des Siegesfestes soll sie erfunden worden sein, die „Mahonesa“. Und passt noch heute gut zu Fischen und Schalentieren, die am Hafen serviert werden.
Claudia Diemar