Frankreich

Cote d’Azur: Auf der Straße der Maler

Wie sich die Bilder gleichen: Antibes heute und auf der Reproduktion eines Gemäldes von Delacroix aus dem Jahr 1908.

Bildtafeln zeigen, wo berühmte Künstler einstmals malten

Mit dem Blick auf die Altstadt von Cagnes hat Renoir 1915 „Paysages des Collettes“ gemalt. Fotos: cb

Das Licht an der Cote d’Azur ist einzigartig, die Alpen stoßen direkt ans türkisblaue Mittelmeer. Kein Wunder, dass einige der berühmtesten Künstler des vergangenen Jahrhunderts – Chagall, Matisse, Monet, Picasso und Renoir – dort gerne gemalt haben.

Ihren Spuren folgt die „Straße der Maler“ von Cannes bis Menton an der italienischen Grenze. Rund 80 Tafeln präsentieren Kunstwerke aus den besten Museen der Welt just dort, wo die Staffeleien der Maler gestanden haben mögen. So wird Frankreichs Riviera vom Badeziel zur ersten Adresse für Kultururlauber.

An der Uferpromenade von Antibes sind Delacroix und Monet zu bewundern. Nur ein paar Schritte führen zum schön renovierten Picasso-Museum im Grimaldi-Schloss. Pablo Picasso hatte dort 1946 sein Atelier. Auf dessen Wand malte er „Die Schlüssel“ und schenkte später 23 weitere Werke der Stadt, darunter die berühmte „Freude des Lebens“. Aus der Hinterlassenschaft seiner Witwe Jacqueline stammt der Großteil von 245 Picasso-Originalen, einschließlich vieler Keramikteller.

Weil nach dem Zweiten Weltkrieg Farben knapp waren, bemalte Picasso sogar Planken mit Bootsfarben. Mehrere Bilder zeigen Seeigel, wie sie seine damalige Lebensgefährtin Françoise Gilot in „Leben mit Picasso“ beschrieben hat.

Durch den Garten des Renoir-Museums mit 800 Jahre alten Olivenbäumen in Cagnes-sur-Mer, führt die „Straße der Maler“. Die Domaine de Collettes war Pierre-Auguste Renoirs letztes Heim. Von 1908 bis zu seinem Tod 1919 entstanden dort 720 der etwa 4.000 Werke des Künstlers. Mit Claude Monet gilt er als Begründer des Impressionismus: Beide malten in der Natur ihren Eindruck davon, nicht die Realität.

Die „Landschaft von Colettes“ folgt dem Blick, den der Meister 1914 auf Altstadt und den Burgberg hatte. Am Ende seines Lebens war Renoir reich, litt aber an rheumatischer Arthritis. Zwei Frauen schoben ihn im Rollstuhl zum Malen, was er mit an den deformierten Fingern festgebundenen Pinseln tat. Das Museum zeigt in zwölf Zimmern der Renoir-Villa elf Originale sowie die Ateliers des Künstlers mit ihren Originaleinrichtungen.

Auf den steilen Straßen der Altstadt von Cagnes wird alljährlich die Weltmeisterschaft im Würfel-Boule organisiert. In Wasserfarben bildete 1905 Renoirs Freund Ferdinand Deconchy die Kapelle Notre Dame de la Protection mit damals vier Säulen ab. Später fiel die linke Säule dem Straßenbau zum Opfer.

Monique Giresse, bislang einzige Frau unter den Künstlern der Straße der Maler, hat 1979 die Atmosphäre des Kirchplatzes von Haut-de-Cagnes wunderbar eingefangen.Vorbei an Nizza mit seinem Matisse- und dem Mamac-Museum moderner und zeitgenössischer Kunst, geht es nach Menton. Dort ist in der kleinen Bastion aus dem 17. Jahrhundert am Meer eine Auswahl von Jean Cocteaus Bildern und Mosaiken zu sehen. Neben der historischen Markthalle entsteht ein neues großes Museum für sein Werk.

Ein Abstecher ins Rathaus, im ehemaligen Casino von Menton, lohnt sich: Dessen 1959 eröffneten Hochzeitssaal hat Cocteau gestaltet. Mit Leoparden-Teppichen auf schwarzem Marmorboden, roten Vorhängen und Sitzen im spanischen Stil, ist er dekoriert wie ein Theater. An Decke und Wänden beeindrucken große farbige Fresken mit Figuren aus der griechischen Mythologie.
Christian Boergen

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