Italien

Hausbesuch beim Papst

Hunderttausende zieht es jährlich durch den Petersdom.

Vatikan: Auch Touristen können einen Blick hinter die hohen Mauern werfen

Preisschild unterm Fuß: Schweizergardist aus Plastik als Souvenir. Tippt man ihm gegen den Kopf, wackelt er hin und her. Fotos: hs

Wenn jemand dem Schweizergardisten vorsichtig mit zwei Fingern an den Helm tippt, wippt der ganze Schädel. Vier-, fünfmal tut er es fast geräuschlos in jede Richtung, dann hat er sich wieder in der Mitte eingependelt. Der Mann nimmt es gelassen: Er hat ein Preisschild unter den Füßen, das „12 Euro“ ausweist, ist keine 30 Zentimeter hoch – und aus Plastik. Die Miniatur mit dem überproportional großen Kopf wird an den Souvenirständen hinter den Kolonnaden des Petersplatzes gehandelt. Keine 150 Meter sind es von hier bis zum Posten der echten Schweizergardisten, die die Zufahrt von der Via del Porta Angelica in den streng abgeschotteten Vatikan bewachen.

Hunderttausende Besucher ziehen jedes Jahr durch den Petersdom und die Korridore der Vatikanischen Museen – ohne einen Fuß auf das geheimnisvolle Land direkt neben diesen Gebäuden setzen zu können. Dabei gibt es ein paar kaum bekannte Hintertüren hinein in das Reich von Papst Benedikt XVI.

Wer zum Beispiel die Schweizergardisten an der Wache Largo Paolo VI. auf Deutsch anspricht und angibt, zum Campo Santo Teutonico zu wollen, den winkt die Wache vormittags durch. Der ummauerte kleine Friedhof liegt etwa 70 Meter innerhalb der vatikanischen Mauern und genießt doch exterritorialen Status. Deutsche und Österreicher müssen diese Oase der Stille ungehindert erreichen dürfen.

Tief hinein in den Kirchenstaat gelangt, wer an einer der nur auf Voranmeldung möglichen Führungen durch die Vatikanischen Gärten teilnimmt (http://biglietteriamusei.vatican.va/musei/tickets/; Kosten 31 Euro). Das sind weniger als 100 Menschen am Tag. Gepflegte Hecken sortieren das abgeschirmte Grün, Palmen recken sich neben Pinien und Koniferen Richtung Himmel. Fast feierlich ist es hier hinter den hohen Mauern des Vatikanstaats.

„Einmal“, erzählt Gartenführerin Lucia, „habe ich Benedikt ganz unverhofft im Park getroffen. Er stand an einem der Brunnen und plauderte mit seinem Sekretär.“ Meist aber ist der Papst erst am Nachmittag hier unterwegs, wenn der Park für Besucher gesperrt ist. Von der Kuppel des Petersdoms aus erkennen ihn dann Besucher an seiner weißen Soutane. Sie skandieren sofort „Benedetto – und hoffen, dass er sie dort unten, über 520 Stufen tiefer, hört und zurück winkt.

Wer dem Vatikan besonders nah sein will, kann im Hotel Residenza Paolo VI (www.residenzapaolovi.com) absteigen, dem einzigen Hotel direkt an den Petersplatz-Kolonnaden.Weitere Informationen gibt es unter www.vatican.va.
Helge Sobik
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