Rumänien

Donaudelta: Urlaub im Land der Pelikane

Nirgendwo in Europa werden so viele Rosapelikane gezählt wie im Donaudelta.

Nirgendwo in Europa werden so viele Rosapelikane gezählt wie im Donaudelta.

Rumänien: Europas schönstes Flussdelta liegt am Schwarzen Meer

Die 15.000 Bewohner des Donaudeltas leben vom Fischfang – und von der Schilfernte für die vielen Reetdächer.

Die 15.000 Bewohner des Donaudeltas leben vom Fischfang – und von der Schilfernte für die vielen Reetdächer. Fotos: hb

Morgens um fünf verklingt die Stille der Nacht. Wir sind weit weg von den großen Flussarmen, stattdessen mitten drin im Gewirr der Kanäle. In einer sanften Strömung treibt das kleine Boot lautlos Richtung Meer, vorbei an Seerosen und säuselnden Meeren aus Schilf. Im Dickicht beginnen Vögel das erste Konzert des jungen Morgens. Dann tritt das Land zurück: Dem Schwarzen Meer entsteigt ein Feuerball und verwandelt das Wasser in flüssiges Gold.

Fast 3.000 Kilometer fließt die Donau von ihrer Quelle im Schwarzwald bis zum Schwarzen Meer und ist damit nach der Wolga der zweitlängste Strom Europas. Im rumänisch-ukrainischen Grenzgebiet bildet der Fluss ein Delta, doppelt so groß wie das Saarland und wegen seiner Bedeutung als Rastplatz für Zugvögel heute Unesco-Weltnaturerbe. 70 Kilometer Luftlinie entfernt vom Schwarzen Meer teilt sich die Donau beim Städtchen Tulcea in drei große Arme, die durch Kanäle, Sümpfe und Seen miteinander verbunden sind – Straßen gibt es kaum. Die 15.000 Bewohner des Deltas leben vom Fischfang, dem Ernten von Schilf für Reetdächer und inzwischen auch immer mehr von Gästen aus dem Ausland.

Früher machten nur die Passagiere von Flusskreuzfahrtschiffen einen kurzen Abstecher ins Gewirr des Deltas. Heute bleiben Anhänger des sanften Tourismus gerne deutlich länger. Dertour lässt die Gäste bei einer achttägigen Tour mit dem Rad an der Donau entlang fahren und im Hausboot übernachten. Studiosus plant bei der 15-tägigen Rumänien-Reise drei Übernachtungen im Delta und zahlreiche Bootsexkursionen zur Vogelbeobachtung ein. FTI setzt auf das Green Village Resort in Sfantu Gheorghe direkt an der Mündung, wo man sowohl angeln als auch den Tag am Strand verbringen kann.

„Wenn wir die Natur des Deltas erhalten, bleibt die Region einzigartig. Einen Freizeitpark findet man auch anderswo“, sagt Guide George Panait. Mit einem Kahn samt Auslegerboot bringt er Gäste ins Herz des Flusssystems. „Manche Seen liegen so versteckt, dass man sie einfach nicht findet. Ich habe mich oft mit Fischern betrinken müssen, bis sie mir die schönsten Plätze verraten haben.“

Als das Wasser zu seicht wird für den Außenbordmotor, stochert der Guide per Paddel weiter. Er schiebt den Kahn durch Seerosenfelder, vorbei an mächtigen Weiden und hohem Schilf. Ein Paradies für Vogelfreunde: „In einer Woche sehen wir 180 Arten – wenn es schlecht läuft. Im Frühling und Herbst sind es über 200.“ Enten und Schwäne sind auf Nahrungssuche; Kormorane sitzen im Geäst eines abgestorbenen Baumes. Ab und an blitzt auch das bunte Gefieder von Eisvögeln und Blauracken durchs dichte Grün.

Auch die Könige des Deltas gewähren eine Audienz. Pelikane sind mit ihrer Flügelspannweite von fast drei Metern nicht nur elegante Segler. Sie jagen im Team und schöpfen die Fische mit ihren mächtigen Schnäbeln aus dem Wasser. Ein einmaliges Spektakel: „Hier leben mehr als 2.500 Brutpaare – nirgendwo sonst in Europa findet man so viele Rosapelikane wie hier.“
Helge Bendl

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