Spanien

Costa Blanca: Logenblick über Pinienwälder

An der Costa Blanca, hier Monte Pego, bestimmen Ferienhäuser statt große Hotelanlagen das Bild.

An der Costa Blanca, hier Monte Pego, bestimmen Ferienhäuser statt große Hotelanlagen das Bild.

Eine spanische Touristenregion wird wiederentdeckt

Das Dorf Benimeli ist Ausgangspunkt vieler ausgeschilderter Wanderrouten.

Das Dorf Benimeli ist Ausgangspunkt vieler ausgeschilderter Wanderrouten. Fotos: hs

Sie hocken in den Zweigen der alten Olivenbäume und singen. Bis weit nach dem Frühstück halten sie durch. Nachmittags werden sie wieder auf dem Zaun am Pool hinter der Finca sitzen, den Menschen erst beim Baden und dann noch einen Moment lang beim Barbecue auf der Terrasse zuschauen. Und wieder werden die Vögel ein bisschen singen.

Ungeahnte Stille
Drumherum tanzt der milde Levante-Wind durch die Kulisse. Tagsüber aber sind nur die Insekten zu hören, die vor sich hin surren, in die Kelche der Macchia-Gewächse der Umgebung eintauchen. Ungeahnt still ist es in den Bergen im unmittel‧baren Hinterland der Costa Blanca – und genau diese Ruhe suchen die Leute, die hier ihre Ferien in Fincas an schmalen Feldwegen, in Villen mit Pool oder in kleinen Herbergen mitten in urigen Dörfern verbringen. Wildblumen blühen am Weg, es duftet nach frischem Rosmarin, nach Kräutern.

Der anhaltende Spanien-Boom beschert auch der Costa Blanca nördlich und südlich von Alicante eine Wiederentdeckung – kaum als Hotel- und umso mehr als Ferienhausziel. Es ist die Kombination „unten“ baden und einkaufen, „oben“ wohnen im unmittelbaren Hinterland.

Kaum mehr als drei, vier Kilometer breit ist der Küstenstreifen, der im Fremdenverkehr bisher eine Rolle gespielt hat. Dabei bieten die Küstenberge diese grandiose Aussicht auf das breite Band in Dunkelblau, diesen unschlagbaren Logenblick hinweg über Pinienwälder und duftende Orangenplantagen, über Mandelbäumchen und zugleich über winzige Dörfer, aus denen noch niemand den Alltag herausrenoviert hat.

Gutes Ziel für Feinschmecker
In winzigen Siedlungen mit nur drei Dutzend Einwohnern etwa im Vall de Gallinera bei Pego eröffnen auch immer mehr Casas Rurales in stillgelegten Ölmühlen, in einstigen Bauernhäusern, in Sichtweite längst verlassener und oft dem Verfall ausgelieferter maurischer Festungen.

Vor allem Wanderer kehren in diesen Häusern ein, mieten ein Zimmer, ein Apartment. Oder das ganze Haus als Selbstversorger. Und immer mehr Fincas oberhalb der vielen Orangenplantagen entlang der Küste werden als Ferienhäuser vermietet – mit allem Drum und Dran, von Pool bis Barbecue-Grill. Meist mehr als 1.000 Euro, manchmal über 2.000 Euro pro Woche kosten viele dieser Häuser bei den großen Ferienhausvermittlern in der sommer‧lichen Hochsaison an Miete, kaum mehr als die Hälfte zu allen anderen Zeiten.

Und auf dem eigenen Grill brutzeln derweil frische Doraden Seite an Seite mit knallroten Gambas de Denia – Ausbeute einer vormittäglichen Einkaufsfahrt zur Markthalle in der Küstenstadt Denia.

Überhaupt etabliert sich die Gegend als Feinschmecker-Küste – auch weil Spitzenköche wie Quique Dacosta, mit drei Michelin-Sternen ausgezeichnet, in Denia und Umgebung ihre Restaurants führen. Ferienhausmieter gehen zwar mit Freude auf Entdeckungsreise über die Märkte und durch kleine Geschäfte der Region und kaufen frische Zutaten ein – aber mindestens genau so gerne gehen sie schick essen.
Helge Sobik
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