Deutschland

Auf Safari in Deutschland

Kraniche gehören zu den Hauptattraktionen an der Müritz. Foto: skeeze/pixabay

Mecklenburgische Seenplatte: Mit Fernglas und Kamera zu Gast bei Fischadlern, Kranichen und Rotwild

Ranger Ronald Gipp kennt jedes noch so kleine oder große Tierchen im Nationalpark Müritz. Foto: bo

Wer mit einem Fernglas bewaffnet auf Safari Wildtiere erleben möchte, fliegt in der Regel einige Stunden. Dabei gibt es Safaris auch nur zwei Zugstunden von Berlin und drei von Hamburg entfernt: an der Mecklenburgischen Seenplatte. Freilich marschieren dort keine Elefanten, Löwen und Büffel ins Foto, dafür sind Kraniche, Fisch- und Seeadler, Rotwild und viele weitere Tiere rund um die Seen des Müritz-Nationalparks zu beobachten.

Die griechische Mythologie bezeichnet sie als „Vögel des Glücks“, in China und Japan sind sie Symbol für ein langes Leben – grau gefiederte Vögel mit langen Beinen und roter Kappe, die zu Dutzenden über den Wäldern des Müritz-Nationalparks schweben. „Zu den heimischen Kranichen kommen von August bis Oktober noch die aus dem Norden, bevor es weiter nach Afrika geht“, weiß Ranger Ronald Gipp, 54, ein Urgestein der Region. Doch nicht nur Kraniche sind häufig im Nationalpark, sondern auch Eisvögel, Fisch- und Seeadler, Damwild, Füchse und Waschbären. „Waschbären sind Neubürger bei uns, werden aber genauso geschützt wie andere Tiere. Wir lassen hier Natur Natur sein, ganz wertfrei.“

Auch der Wald gestaltet sich gerade um: Birken werden nicht mehr abgeholzt, die Eichelhäher säen neue Eichen und bald wird es mehr Buchenwald geben. Im Müritz-Nationalpark bestimmt die Natur also auf 322 Quadratkilometern über 72 Prozent Wald und 13 Prozent Seen.

Um 18 Uhr geht es mit Gipps Kollegin Birgit Zahn vom Informationszentrum Federow per Fahrrad auf Abendsafari. Eine kleine Vorschau erfolgt im Zentrum selbst, wo seit 1999 Fischadler „Big Brother“ läuft: Eine mit Solarmodulen betriebene Kamera überträgt live aus dem Fischadlerhorst auf einem Strommast beim Jankersee. Darin hocken zwei kleine Fischadler, die wenig später mit eigenen Augen durchs Fernglas zu bestaunen sind. „Wichtig ist, mindestens 300 Meter Abstand zu den Nestern zu halten, sonst räumen die Fisch‧adler sie“, so Zahn. Dass sich die Vögel immer mehr „stählerne Bäume“, sprich Hochspannungsmasten, zum Nisten aussuchten, sei dem Mangel an freistehenden Bäumen geschuldet.

Es geht weiter, vorbei an den Warener Hauswiesen, wo Hirsche und Kraniche einmütig auf Futtersuche sind, zum Vogelbeobachtungsstand am Rederangsee – einem Lieblingssee der Kraniche.
Dort stehen Dutzende der Vögel schwätzend im Wasser. Zeit wird irrelevant, während man zuschaut, wie immer mehr Kraniche herangleiten und ein Eisvogel übers Wasser schießt. Und dann stolziert auch sie aus dem Wald: eine Herde Rotwild, die sich hinter den Kranichen ins Wasser stürzt und ausgelassen planscht. Irgendwann verschwindet sie wieder, die Wasseroberfläche glättet sich, nur die Kraniche verbleiben vor dem rosaroten Abendhimmel.

Es scheint zu stimmen, dass sie Glück bringen – es fühlt sich nach großem Glück an, bei einem solchen Naturschauspiel Beobachter sein zu dürfen.

Bernadette Olderdissen

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