Spanien

Kleinod im Nordwesten

Die Plaza Mayor mit Rathaus und Restaurants

Die Plaza Mayor mit Rathaus und Restaurants. Foto: Jorisvo/ iStockphoto

Ciudad Rodrigo: Eine Stippvisite in der Kleinstadt ist eine Zeitreise

Turm der Kathedrale Santa Maria

Turm der Kathedrale Santa Maria. Foto: ras

Blick über den Fluss Agueda auf Ciudad Rodrigo mit der Stadtmauer und der Burg

Blick über den Fluss Agueda auf Ciudad Rodrigo mit der Stadtmauer und der Burg. Foto: Foto: curtoicurto / iStockphoto

Zwei Kilometer. So lang ist die Stadtmauer, die Ciudad Rodrigo umgibt. Der Ort rund 240 Kilometer nordwestlich von Madrid kurz vor der portugiesischen Grenze gilt wegen der vielen Gebäude aus dem 15. und 16. Jahrhundert als spanisches kunsthistorisches Baudenkmal.

Die Stadtmauer stammt sogar aus dem zwölften Jahrhundert. Bis auf eine kleine Stelle, die gerade restauriert wird, können Besucher die Altstadt auf der gesamten Stadtmauer mit ihren sechs Stadttoren bequem umrunden. Touristen können sich auf den Bänken ausruhen und stadtauswärts in die Landschaft schauen, wie zum Beispiel zum Fluss Agueda mit der imposanten Brücke.

Schweift der Blick stadteinwärts sehen die Gäste gleich drei imposante Bauwerke. Hoch aufragend in den Himmel ist die Kathedrale Santa Maria. An dem romanischen Gebäude mit gotischen Elementen, das schon vor mehr als 850 Jahren geweiht wurde, ist über mehrere Jahrhunderte gewerkelt worden.

Sehenswert sind neben dem Kircheninneren auch der Kreuzgang, das angeschlossene Diözesanmuseum und natürlich auch der Turm. Wer samstags oder sonntags in Ciudad Rodrigo ist, kann den Kirchturm dann um 13.15 Uhr besteigen und den Ausblick auf die Stadtmauer und auf die Kapelle des Marquis von Cerralbo nebenan aus schwindelerregender Höhe genießen. Selbst aus der Entfernung ist der Turm der Burganlage auf der gegenüberliegenden Seite sichtbar.

Stattliche Burganlage
Das Castillo de Enrique II ist mit seinem viereckigen Turm Teil der Stadtmauer. Betritt man die Burganlage fühlt man sich wie in längst vergangenen Zeiten. Hier die Ritterrüstungen und die mächtigen Möbel, dort die Gobelins und die gemalten Porträts an den meterdicken Wänden, die einen Handy-Empfang unmöglich machen.

Gegen einen kleinen Obolus kann man den mächtigen Turm hinaufsteigen. Zudem kann man in den Gemäuern aus dem 14. Jahrhundert auch speisen und übernachten, denn hier befindet sich auch ein Domizil der staatlichen Parador-Hotelkette. Die Burg und die Altstadt sind wie geschaffen für ein Mittelalterfestival, das jährlich am ersten Oktoberwochenende stattfindet.

Spanische Hausmannskost
In der ummauerten Altstadt findet man kaum Autos, denn sie dürfen die Straßen nur mit Sondergenehmigung befahren. Zum Essen geht man in den Parador oder in die kleinen Restaurants, die auf dem Hauptplatz Plaza Mayor ihre Tische und Stühle stehen haben und den geneigten Besucher mit spanischer Hausmannskost bekochen.

Direkt am Plaza Mayor steht das zweistöckige in der Renaissance erbaute Rathaus mit seinen Arkaden und der mächtigen Glocke. Weitere sehenswerte hochherrschaftliche Häuser aus der Renaissance wie der Palacio de los Castros finden sich in den umliegenden schmalen Gassen. Schön ist auch der Palast San Agustin, der Ende des 16. Jahrhunderts als Augustinerkloster erbaut wurde.

An allen interessanten Gebäuden findet sich ein Hinweisschild mit den wohl wichtigsten Informationen – allerdings nur auf Spanisch. Unbedingt sehenswert ist die Post, ein Feuerwerk aus verschiedenen Jugendstil-Ornamenten, in der Mitarbeiter hinter schmiedeeisernen Gittern arbeiten.

Noch viel älter als Ciudad Rodrigo ist Siega Verde rund 20 Minuten außerhalb. Hier wurden am Ufer des Flusses Agueda leicht zugängliche Felszeichnungen gefunden, die mindestens 13.000 Jahre alt sein sollen. Seit 2010 zählt die Fundstelle zum Unesco-Weltkulturerbe.

Sylvia Raschke
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