Kroatien

Sechs „S“ für eine Insel

In karstiger Kargheit präsentiert sich der Strand von Beritnica. Foto: precinbe/iStockphoto

Die Insel Pag ragt so karstig wie hübsch aus dem Meer und bietet einige Überraschungen

Bekannt sind die Pager Spitzen seit dem 15. Jahrhundert. Foto: Jelena990 / iStockphoto

Marija näht gerade mit viel Geduld Bettwäsche. Die Pager Spitze wird auf einem Kissen genäht, wobei die Grundfäden zunächst von innen nach außen und die Spitzenmotive entlang dieser Fäden eingenäht werden. Bekannt sind die Pager Spitzen seit dem 15. Jahrhundert. 1880 wurden sie erstmals auf der Weltausstellung vorgestellt. Und 129 Jahre später wurde die Pager Spitze in die Liste der immateriellen Kulturgüter der Unesco aufgenommen.

Nur wenige Kilometer außerhalb der Inselhauptstadt Pag, wo Marjia ihre Wäsche verziert und schöne Altstadt-Architektur zu sehen ist, zieht Ivan mit seiner Schafsherde weiter zu einem neuen Weideplatz. Gutes Futter ist auf der vegetationsarmen Insel rar und trotzdem wird dem Pager Schafskäse eine sehr hohe Qualität nachgesagt. Die Leute behaupten, sie komme vom hohen Salzgehalt.

Salz brachte Reichtum
Womit das dritte „S“ von Pag benannt ist: Salz. Auf der langgestreckten Insel, die vorgelagert parallel zur Zadarer Riviera liegt, herrscht noch immer die alte Methode des Austrocknens in kleinen Tonbecken vor, in die das Meerwasser eingefüllt wird. Die Salzproduktion brachte Reichtum. Wegen des weißen Goldes wurden früher sogar Kriege geführt.

Heute lebt Pag hauptsächlich vom Fremdenverkehr. Die Strände – das moderne vierte „S“ – ziehen vor allem die Familien an. Zrce wird gerne als Mallorca des Balkans bezeichnet. Cista bietet einen weitgehend naturbelassenen Sand-Kiesel-Strand und Strasko zählt mit seinem zwei Kilometer langen Kiesstrand und bester Infrastruktur zu den Topstränden der Insel. Von Beritnica sagt man sogar: Das ist der hübscheste Strand von Pag.

Sport und Heilschlamm
Das Sportangebot – die Nummer fünf der sechs „S“–, insbesondere für Wassersportarten findet man hauptsächlich in Povljana. Ein idealer Ausgangshafen für Segler, die Inselsammler sind: Zahlreiche Eilande sind binnen 15 bis 60 Minuten zu erreichen. Nicht nur ein altes Salinenwerk, das in eine Diskothek verwandelt wurde, lockt die Jugend: Novalja, der zweitgrößte Inselort, wird während der Urlaubszeit zur Partystadt.

Der Heilschlamm von Lokunj dagegen ist ideal für ältere Menschen, speziell mit Hautproblemen. Und alle zusammen genießen die zuweilen bizarr wirkende, weiße Karstlandschaft. Deshalb müsste man die fünf „S“ eigentlich noch mit einem sechsten ergänzen, denn „s“ehenswert ist diese Insel allemal.

Und verkostenswert selbstverständlich sowieso: ob bei Brodetto, einem Fischeintopf mit lokalen Fischen, oder aber bei Sarma, mit Hackfleisch sowie Reis gefüllten Weinblättern. Und unter Krumpirtjesto versteht man Nudeln mit Kartoffeln, die kroatische Variante der italienischen Großmutterküche mit „Pasta e Patate“.

Doch trotz Inselschmaus und Inselglück sollten Urlauber sich einen Abstecher aufs Festland auf keinen Fall entgehen lassen. Denn nur rund 100 Kilometer hinter der Küste verbergen sich die berühmten 16 grün schimmernden Seen, die durch unzählige stetig rauschende und plätschernde Wasserfälle miteinander verbunden sind: Die äußerst beliebten Plitvicer Seen, als Nationalpark geschützt, waren Drehort von Karl-May-Verfilmungen und suchen in ihrer unglaublichen Schönheit ihresgleichen in ganz Europa. Von keiner kroatischen Insel ist man näher dran.

Jochen Müssig