Gambia

Gambia: Afrikanische Einblicke

Traumhaft: der Strand am Sunbeach Hotel bei Banjul

Traumhaft: der Strand am Sunbeach Hotel bei Banjul. Foto: jm

Die Romanfigur Kunta Kinte hat das Land bekannt gemacht

Gambia ist ein kleines Land. Und doch brauchte man früher viel Zeit fürs Weiterkommen: „In dem Dorf Juffure, vier Tagesreisen stromaufwärts an der Küste von Gambia in Westafrika, wurde im Frühjahr 1750 dem Omoro Kinte und seiner Frau Binta ein Knabe geboren.“ So beginnt der Roman „Roots“ des amerikanischen Schriftstellers Alex Haley.

Das Buch über das Leben von Kunta Kinte, der von Sklavenhändlern geraubt wurde, und die Geschichten über seine Nachfahren im fernen Amerika wurde ein Bestseller, in fast 40 Sprachen übersetzt und mit dem Pulitzerpreis ausgezeichnet. Millionen Menschen in aller Welt kennen den Stoff aus der Fernsehverfilmung. Und Gambia, das kleinste Land Afrikas, kam auf die touristische Weltkarte: mit 60 Kilometern Küste und dem Image, ein Afrika gleichsam im paradiesischen Urzustand zu sein.

Seit den touristischen Anfängen in den 1960er Jahren war Gambia vor allem ein Ziel für Badeurlauber. Auf 15 Kilometern zwischen Cape Point im Norden und dem Dorf Kololi reihen sich am weißen Sandstrand des Atlantiks die Hotels aneinander, ausgestattet mit allen Annehmlichkeiten, die europäische Touristen erwarten. Hier scheint Gambia selbst nur Gast zu sein – abends in Gestalt des Zauberers Karuga, der sich am Swimmingpool schmerzfrei lächelnd auf Glasscherben wälzt und Feuer schluckt, oder in Form einer einheimischen Unterhaltungskapelle, die ihre Tänze und Lieder jeden Abend lautstark in einem anderen Hotel vorführt.

Aber nur ein kleines Stück ist es von den Strandhotels zum Beispiel ins Fischerdorf Chinatown, dessen Bewohner getrocknete Haifischfilets nach Ghana, aber auch ins ferne China exportieren. Nebenbei verdienen sie sich ein wenig Geld mit dem Schmuggel von Waren in den benachbarten Senegal. Besonders in Tanji erlebt man ein farbenprächtiges Schauspiel, wenn die Fischer vom Meer zurückkommen, die Frauen den Booten entgegenwaten und den Fang in bunten Schüsseln ans Ufer tragen. Dann sind auf dem Dorfplatz auch die Kleinbusse der Hotels geparkt: Für die halbe Stunde des Sonnenuntergangs wird das Dorf zur Kulisse Ihrer Begegnung mit Afrika.

Im Rücken der Strandhotels breitet sich Serekunda aus, die größte Stadt des Landes, ein buntes Durcheinander aus Lehm und Beton, Brettern und Wellblech. Autos hupen, Marktfrauen preisen lautstark ihre Waren an, aus Kassettengeräten scheppern die Hits der vorletzten Saison. Deutlich verschlafener wirkt die Hauptstadt des Landes: Banjul. Am Tor des Hafens stehen die Arbeiter um einen Job an, auf dem Albert Market warten Verkäufer auf Kundschaft, im Nationalmuseum stauben die Exponate vor sich hin – hier herrscht eben afrikanische Gelassenheit.

Der Fluss und die Uferstreifen ernähren die Menschen, gut eine Million insgesamt. Die meisten sind in der Landwirtschaft beschäftigt: mit dem Anbau und Handel von Erdnüssen. Der Tourismus läuft nur schleppend. Keine 100.000 Gäste kommen pro Jahr. Condor hat seine Direktflüge mangels Nachfrage eingestellt.
Jochen Müssig

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