Mosambik

Mosambik: Keine Angst vor wilden Tieren

Mit Späher und Ranger Nic van auf der Pirsch. Foto: bg

Der nordöstlichste Zipfel des Landes hat eine große Wildpopulation

Tage im Lugenda Wilderness Camp beginnen früh. Gegen 6:30 Uhr wird eine Tasse Tee auf der Terrasse des Luxuszelts serviert. Gleich nach dem Frühstück geht es rauf auf den Geländewagen zum „Game Drive“. Und nach dem Mittagessen gleich noch einmal, hinein ins Schutzgebiet. Die beste Zeit, um Wildtiere zu sehen, sind der frühe Morgen und der späte Nachmittag mit einem Sundowner zum Sonnenuntergang an einem markanten Aussichtspunkt.

Ursprünglich nutzte der saudische Geschäftsmann Adel Aujan, Gründer der Rani Resorts, das Gebiet zum privaten Jagdvergnügen. Inzwischen ist er selbst nur gelegentlich zu Gast, doch seine Lodge gilt seit ihrer Eröffnung 2006 als Geheimtipp. Sie liegt im Niassa Nationalpark, im nordöstlichsten Zipfel Mosambiks und grenzt an Tansania. Niassa gilt als eines der letzten unberührten Naturparadiese Afrikas. Das Gebiet ist schwer zugänglich, weshalb sich eine ursprüngliche Landschaft mit reicher Wildtierpopulation erhalten hat. Zu erreichen per Kleinflugzeug der CFA Air Charters, das nach einem 90-Minuten-Flug von Pemba im Norden Mosambiks auf der Buschpiste landet.

Direkt am Lugenda River liegen die acht Luxuszelte (rund 50 Quadratmeter groß) des Safari-Camps mit Haupthaus mit offenem Wohn- und Essbereich, Bar und Pool-Deck. Gäste müssen im Camp auf keine Annehmlichkeiten verzichten, im Preis von rund 300 Euro pro Person und Nacht sind Vollpension und Ausflüge enthalten. Es ist nur in der Trockenzeit zwischen April und Dezember geöffnet und hat jährlich nur rund 140 Gäste.

Abenteuerlustige, die den Busch noch intensiver erleben möchten als in den Zelten der Lodge, können zu ein- bis mehrtägigen Zeltsafaris aufbrechen, den „Fly Camps“. Immer dabei sind Ranger, die Flora und Fauna erklären und die Sicherheit der Gäste gewährleisten. Einer davon ist Nic van Rensberg, ein Biologe, der mit seinen Gästen die „Big Four“ – Elefanten, Leoparden, Löwen und Büffel – aufspürt. Dazu Kudus, Impalas, Antilopen, Wildhunde und Hyänen. Die Vogelwelt ist mit mehr als 450 Arten vertreten. Die Nashörner der Region – Teil der legendären „Big Five“ - haben Wilderer ausgerottet.

Man braucht gute Augen, um die Wildtiere zu entdecken, darunter Busch- und Wasserböcke, Paviane, Impalas, Kudus und Warzenschweine. Eindrucksvoll sind auch die Nachtfahrten, wenn der Lichtstrahl die glühenden Augen von Stachelschweinen, Ginster- und Zibetkatzen einfängt. Vorbei an badenden Nilpferden, sich sonnenden Krokodilen und planschenden Elefanten geht es bei Kanutouren auf dem Lugenda River. Noch ursprünglicher erlebt man den Fluss in Mekoros, Einbäumen mit wenig Tiefgang, die aber nicht einfach zu navigieren sind.

Das Resort ist nicht eingezäunt, deshalb sind Besuche von Wildtieren normal. „Morgens finden wir oft Spuren von Löwen und Leoparden im Camp“, sagt van Rensberg. Stammgast im Camp ist der wilde Elefant Ben, ein 16-jähriger Dickhäuter im Teenie-Alter. Wenn es draußen raschelt und sich ein strenger Geruch verbreitet, steht garantiert Ben im Vorgarten, auf der Suche nach Büschen und Feigen, die er sich von den Bäumen schüttelt. Wer Abstand hält, hat nichts zu befürchten. Wenn ab 24 Uhr der Strom abgedreht wird, kann man afrikanische Nacht pur erleben: Es ist stockfinster. Bei Dunkelheit eskortieren Ranger ihre Gäste auf den Wegen zwischen Zelten und Hauptgebäude. Sicher ist sicher.
Barbara Goerlich

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