Kenia

Zwischen Not und Tugend

In Kinondo Kwetu war vor einigen Jahren auch die schwedische Königsfamilie zu Gast. Fotos: rfk

Kinondo Kwetu in Kenia ist ein Palast für anspruchsvolle Familien

Mit dem schwedischen Baron Bror von Blixen-Finecke verwandt zu sein, lässt sich im Ostafrika-Geschäft hervorragend vermarkten: Schließlich steckt dessen Ehefrau Tania Blixen hinter dem Bestseller "Jenseits von Afrika", der 1985 mit Klaus Maria Brandauer, Robert Redford und Meryl Streep in den Hauptrollen verfilmt wurde.

Von der exotischen Veranlagung ihrer Vorfahren bewegten sich Ida und Filip Andersson weit entfernt: In der New Yorker Musik- und Filmszene, wo das Stockholmer Ehepaar mit Weltstars wie Madonna zu tun hatte. Bis Kinondo Kwetu ihr prominentes Berufsleben sprengte: Das kenianische Strandanwesen südlich von Mombasas Diani Beach war in den Besitz der Familie gelangt, und der Traum von Afrika begann: "We were sick of the big stuff", erzählt Filip heute, und 2005 zog die junge Familie mit zwei Kindern deshalb von Downtown Manhattan auf ihre Nowhere-Beach, die sofort zur Großbaustelle wurde.

Möglicherweise ist guter Geschmack erblich. In diesem Fall wären nicht nur Tania Blixens Gene, sondern auch die der bekannten schwedischen Möbelhauskette (mit der die Anderssons auch irgendwie verbandelt sind) dafür verantwortlich, was als eines der ambitioniertesten Strandherbergen Kenias in Sachen Stil und Ambiente, Architektur und Interieur gelten darf. Als 2006 die schwedische Königsfamilie nach einem zehntägigen Aufenthalt begeistert von Kinondo Kwetu abreiste, war der Durchbruch vollbracht.

Kaum denkbar, dass die aalglatte Erfolgsgeschichte keinen Pferdefuß hätte: Wer vom feinen Sandstrand der abgeschiedenen Bucht in den Indischen Ozean hinaus schwimmen will, wird an einem ungetrübten Badespaß durch ein scharfkantiges Korallenriff gehindert. Die im Marketing erprobten Stockholmer pokerten daher mit hohem Einsatz: ein opulenter Zweit-Pool musste her, mit vier Metern Tiefe geeignet für Tauchübungen mit Padi-Zertifikat, ein großzügiger Familienpalast mit kombinierbaren Wohn- und Gemeinschaftseinheiten, der für anspruchsvolle Gäste mit Kindern ein ebenso stilsicheres wie praktisches Domizil bietet, sowie ein Freizeitangebot der Superlative: Reiten, Tennis, Mountainbiking, Game Drives zu Giraffen, Zebras und Elefanten in der nahen Shimba Hills National Reserve. Wer partout ins Meerwasser will, geht per Boot zu den vorgelagerten Schnorchel- und Tauchplätzen sowie Segeln, Kitesurfen, Hochseeangeln und Wasserskilaufen.

Währenddessen steht für junge Mütter, die ihre Kids unter Aufsicht wissen, die gesamte Wellness-Palette aus Yoga, Massagen, Maniküre und eine holzbefeuerte Sauna bereit. Nicht zuletzt haben die einfallsreichen Schweden aus der Not ihrer durch Ebbe und Flut sowie Korallengeröll gebeutelten Palmenbucht eine Tugend gemacht durch eine exquisite Boutique-Cuisine: Hummer, Shrimps und Red Snapper kommen täglich frisch auf den Tisch, in den Kühlhäusern lagern ausreichend südafrikanische Weine sowie ein ständig zu erneuernder Vorrat an Champagner.

Wie sie es schaffen, an der Bar eine immer passende Edelmusik aufzulegen, bleibt ein Rätsel. Was die Qualität der Dienstleistung angeht, nicht: Je nach Buchung stehen in dem Mini-Resort bis zu hundert Angestellte maximal zwei Dutzend erwachsenen Gästen gegenüber, selbst bei voller Kinderbelegung reicht die Kapazität nur für maximal vierzig Personen. Paradiesische Verhältnisse wie diese bleiben nicht lange verborgen: Während der Ferienzeiten ist Kinondo Kwetu durch Familien mit Kindern weitgehend ausgebucht (www.kinondo-kwetu.com).
Roland F. Karl

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